einem hochgewölbten Zimmer des Erdgeschosses loderte ein mächtiges Feuer , hohe Polsterlehnstühle , mit verschossenem braunen Sammet bezogen , standen am Kamin . Herr Anton Kreß deutete darauf und sagte : » Ihr werdet müde sein und habt noch einen weiten Weg zu machen , wenn Ihr vor Nacht zurück müßt . « » Die zwei Stunden bis zum Kloster , « sagte Amadeus , » werden mich nicht erschöpfen , wenn ich den Weg hierher nicht vergeblich gemacht habe . « Eine Frau in mittleren Jahren , die Wirthschafterin des Propstes , trat ein , nahm dem Propst seinen Pelzmantel ab und brachte ihm einen Hausrock , blies mit dem Blasebalg in den Kamin , legte neue Scheite auf , warf dabei neugierige Blicke auf den Mönch und schien Lust zu haben , sich allerlei im Zimmer zu thun zu machen , um gegenwärtig bleiben zu können . Der Propst aber sagte zu ihr : » Bringt uns schnell einen Krug Wein , etwas Brod und Schinken , und dann sehet auf den Boden ; mich dünkt , die Fenster standen offen und der Schnee wird sich drinnen häufen . « Ehe nicht die Wirthschafterin wiedergekommen war , das Verlangte gebracht und auf einen kleinen Eichentisch am Kamin zwischen den Lehnstühlen zurechtgestellt , auf denen die Beiden Platz genommen , sprachen sie kein Wort zusammen . Erst da sie sich entfernt , sagte der Propst : » Nun , Amadeus , Euren Auftrag ? « » Ich habe ihn schon gesagt , « versetzte dieser ; » der hochwürdige Abt läßt Euch sagen , uns zwei der geschicktesten Baubrüder aus der Lorenzer Bauhütte zu senden , noch besser , sie mir gleich mitzugeben . Da im Winter ja doch nur in der Hütte und nicht außen an der Kirche gearbeitet werden kann , so meinen wir , Ihr könnet sie jetzt entbehren . « » Gleich heute geht das nicht , « antwortete Kreß unruhig ; » ich muß es erst mit dem Hüttenmeister besprechen - - aber jetzt sind wir allein , hier hört uns Niemand , darum jetzt keine unnützen Redensarten mehr : wie hab ' t Ihr es angefangen , daß man gerade Euch und gerade mit diesem Auftrag zu mir gesendet ? « » Ich rede die Wahrheit , « antwortete Amadeus ; » ich bin still und fromm geworden , habe Buße gethan und verstanden mich selbst zu zähmen , so ist mir der Abt wieder geneigt worden wie vordem . Heute um Mitternacht hatte mich die Pflicht der Buße allein in die Kirche geführt - da sah ich das Sakramentshäuslein zertrümmert , und meldete es dem Abt noch zur selben Stunde zuerst und schlug ihm auch vor , daß wir es eilend wollten durch Nürnberger Baubrüder wieder herstellen lassen , und da er weiß , daß Ihr mir gewogen , und da ich der Erste war , der das Unglück gesehen , so gab er mir Urlaub und sandte mich hierher . Und soll ich weiter die Wahrheit reden : der Abt kümmert sich nicht um die Monogramme Euerer Steinmetzgesellen , ich aber kenne das des Einen und bitte Euch : sendet uns den mit dem Zeichen des Kreises , den das Winkelmaß durchschneidet . « » Amadeus ! was soll daraus werden ? « sagte Kreß unruhevoll , lehnte sich bekümmert in seinen Stuhl zurück und drehte hastig einen Daumen um den andern an seinen über den wohlgenährten Leib gefaltenen Händen . » Da Ihr mir keine Gewißheit geb ' t , will ich sie mir selbst suchen ! « antwortete Amadeus . » Und wenn Ihr sie hab ' t , so wird sie Euch in ' s Verderben stürzen ! « warnte der Propst . Der Mönch lächelte : » Dem bin ich so oder so verfallen , daran liegt nicht das Geringste . « » Da habt Ihr recht , « antwortete der Propst , » aber mit oder ohne Gewißheit ; schon durch Euer Forschen , eine einzige Unvorsichtigkeit , ein verdächtigendes Wort werdet Ihr den edlen Jüngling in ' s Verderben stürzen , sei er , wer er sei - das bedenkt ! « » Ich werde ihn nicht verrathen , « antwortete Amadeus , » und schon am wenigsten dann , wenn er mein - « » Halt ! « fiel ihm der Propst in ' s Wort ; » Ihr hab ' t es gezeigt , wie wenig Ihr Eurer mächtig seid ! Ich hab ' ihm meine Gunst erwiesen , aber nur als wackerem Künstler , und sonst bin ich ihm immer fern geblieben ; aber ich habe im Verborgenen über ihn gewacht und ihn geschützt , wo es Noth that . Schon wollte sich der böse Leumund an ihn wagen , schon munkelte man über sein Herkommen und wollte seine Mutter verunglimpfen - noch haben ihn die Zeugnisse geschützt , die er mitgebracht , noch glaubt er denselben fest . Er ist stolz und edel und sein Lebenswandel frei von jedem Makel ; er ist hochbegeistert für seine Kunst und kennt kein anderes Streben und kein anderes Glück , als ihr zu dienen : nun drängt Euch an ihn , forscht und spähet und macht ihn selber irre an sich selbst und seinem Herkommen , nehm ' t ihm die Ruhe des Gemüthes , den freudigen Stolz auf niedere , aber brave Eltern , auf die Zeugnisse der Benediktiner - und Ihr vernichtet in ihm die frohe Kraft des Schaffens , die Zuversicht , die ihn jetzt beseelt ; aber noch mehr : findet und bringt Beweise , lähmt seine Hand , seinen Muth , macht ihn zum Lügner und Heuchler - noch mehr : nehmt ihm die ehelichen Eltern , verrathet Alles , was ihr jetzt denkt , im halben Wahnsinn vielleicht hofft - kaum Tage werden vergehen , und er wird ein Ausgestoßener sein aus der Zunft der freien Steinmetzen ; Schimpf und Schande wird über ihn kommen , die seine