Häuser in Brand stecken und den und jenen todt stechen . Mein Hertze hat noch niemal daran gedacht . Geliebter Herr Schwager , ich gedenke auch noch an Gott , und gedenke bei mir selbst , ich möcht hinkommen wo ich wollt , und Gott möchte mich auf das Krankenbette legen , ich gewiß mein Vaterland durch solche Streich nicht verschertzen will . So bitte ich den Schwager mich auf diesesmal nicht zu verlassen und mir einen Rad zu geben und zu helfen « - » Rad schreibt er « , unterbrach sich der Chirurg im Lesen : » er kann doch sonst besser schreiben und hat das Wort weiter oben auch richtig geschrieben . « » Seine Hand weiß mehr als er und hat das Rechte troffen « , bemerkte die Sonnenwirtin , » der Weg , den er geht , führt wohl noch zu Galgen und Rad . « » Ist der Brief aus ? « fragte der Sonnenwirt . » Ich hab das Vertrauen zu Ihm « , fuhr der Vorleser fort , » und glaub in meinem Hertzen , daß Er des Herrn Amtmanns sein Hertze am besten erweichen kann . Mein Vater schickt einen Knecht fort auf Fastnacht ; er erbarmet sich meiner gewiß und nimmt mich wieder an , wann ich befreit bin von dem Herrn Amtmann . Ich hab nicht längere Weil gehabt ; wann ich mich sehen darf lassen , so will ich mündlich mit Ihm reden . Er ist von mir viel tausendmal gegrüßt und schließe ihn in die Vorsorg Gottes . Sein getreuer Schwager bis in den Tod . « » Es muß ein wenig konfus in seinem Kopf hergehen « , fügte der Chirurg hinzu , » denn er lebt mit dem Datum noch im vorigen Jahr . « » Er kann eben in gar nichts ordentlich sein « , bemerkte die Sonnenwirtin . » Jetzt , was ist zu tun ? « fragte der Chirurg . Der Krämer , der nicht wieder die Mißgriffe von neulich begehen wollte , half sich mit Achselzucken , Händereiben und Lächeln nach allen Seiten hin . Die Sonnenwirtin sagte : » Entweder ist er der Landstreicherei obgelegen , hat sein Geld vertan und ist gar nicht bei dem Vetter gewesen , oder hat er drunten gleich zum Einstand schlechte Streich gemacht und ist wieder fortgejagt worden . Wenn sein Gewissen gut wär , tät er nicht so erbärmlich und so untertänig schreiben . Das ist sonst sein Sach nicht . « » Soviel ist richtig « , sagte der Sonnenwirt nach einigem Nachdenken , » daß der Gerichtsschreiber in Boll drüben einen Sohn in die Fremde geschickt hat , und das erst ganz kürzlich , denn ich hab ' s erst vor ein paar Tagen gehört , nur hab ich nicht sagen hören , wohin . Weil er aber allerdings zu unsrer Gefreundschaft gehört , und mein Bruder in Sachsenhausen also auch ein Vetter von ihm ist , so ist ' s wohl möglich , daß er ihn dorthin getan hat ; denn seine Buben sind dickköpfig und haben wenig Beruf für die Schreiberei . « » Es kommt natürlich alles darauf an , ob die Angabe wahr ist « , bemerkte der Chirurg . » Wenn ' s wahr ist « , sagte der Sonnenwirt , » so müssen die beiden schier miteinander bei meinem Bruder drunten angekommen sein . « » Man muß eben hinunter schreiben « , meinte Magdalene . » Ja , aber was fangt man derweil mit dem Buben an , bis Antwort kommt ? « fragte die Krämerin . » In Plochingen , von wo er schreibt , kann man ihn doch nicht liegenlassen , daß er dort eine rechte Zech hinmacht . « » Und wenn man ihn ohne weiters wieder ins Haus nimmt « , sagte die Sonnenwirtin , » so setzt er sich fest und fangt das alt Lied wieder an und ist dann nicht mehr fortzubringen , wenn ' s auch zehnmal von Sachsenhausen kommt , daß all sein Vorgeben verlogen sei . « In diesem Augenblicke hörte man ein Posthorn und gleich darauf den Knall einer Peitsche . » Der Postreiter hält vorm Haus , der Hausknecht soll ihm das Pferd halten « , sagte der Sonnenwirt , der ans Fenster getreten war . Es freute ihn jedesmal , wenn Briefe für den Flecken in der Sonne abgegeben wurden oder wenn Postpferde zur Einkehr genötigt waren , weil er den Beweis darauf zu gründen hoffte , daß eine Zwischenpost hier errichtet werden sollte . Nach einer Weile kam der Postknecht herein und überreichte ihm einen Brief : » An Herrn Hans Jerg Schwan zur löblichen Sonne in Eberspbach « . Der Sonnenwirt befahl einen Schoppen und las den Brief bedächtig , während jener den Wein stehend trank ; denn in seinen hohen , steifen Stiefeln würde ihm das Sitzen eine Arbeit gekostet haben , die sich für einen kurzen Aufenthalt nicht verlohnte . Der Sonnenwirt hatte den Brief erst zu Ende gelesen , als der Postknecht schon wieder zu Pferde saß und blasend gen Göppingen weiter ritt . » Der Bub hat nicht gelogen « , sagte er , » es verhält sich vielmehr alles so , wie er behauptet . Mein Bruder schreibt mir da , er hätt ihn gern behalten , aber er habe dem Gerichtsschreiber in Boll für dessen Sohn bereits zugesagt gehabt . Als Gast wär er ihm willkommen gewesen , solang er hätte bleiben mögen , auch habe alles im Haus den Vetter gern gehabt ; der aber habe sich nicht halten lassen , sondern sei nach etlichen Tagen wieder fort . « » Und hat sich , Gott weiß wie lang , in der Welt herumgetrieben « , sagte die Sonnenwirtin . » Nicht gar lang , dem Datum nach « , entgegnete der Chirurg , dem der Sonnenwirt den Brief hingereicht hatte . » Es ist zwar dumm von dem Buben « , versetzte