Reisen gemacht , und daß er die wunderbarsten Dinge davon erzählte . - Wenn er in der Garderobe mit dem Anziehen fertig war , so stahl er sich auf die Bühne und placirte sich meistens in die Nähe des ersten Maschinisten , von dem er komischer Weise behauptete , es sei auf der ganzen Welt Niemand , der so lügen könne wie der Herr Hammer . Deßhalb paßte er auch jedem Worte desselben auf und suchte ihm augenblicklich nachzuweisen , wo er blau färbe . Auf der linken Seite des Thronsessels befand sich ein schwarzer Sarg , der aus der letzten Scene von Romeo und Julie , die gestern Abend auf der Bühne geliebt und gelitten , stehen geblieben war . Auf dem Kopfende desselben saß der Garderobegehülfe , die Hände über den Knieen gefaltet , den Kopf etwas nach der linken Seite geneigt , um besser hören zu können . Neben ihm befanden sich ein paar Zimmerleute : rechts vom Throne stand eine Gestalt , die des näheren Betrachtens werth ist . Es war dies ein kleines zartes Männchen in einem abgeschabten schwarzen Frack , mit einem klugen Gesichte , auf welchem das Alter und vielleicht auch ein lustiges Leben tiefe Furchen gezogen hatten . Aus dem schwarzen Halstuch ragte ein ziemlich hoher Hemdkragen hervor , aschfarben wie der Teint dieses Mannes , welchem nur ein paar scharfe dunkelblaue Augen etwas Lebhaftes verliehen ; den Scheitel bedeckte eine kleine fuchsige Perrücke , die aber nirgendwo mehr festliegen wollte und rings herum struppig und drohend in die Höhe stand . Das Merkwürdigste an diesem Manne aber war unbedingt eine ziemlich große Wasserspritze , die er geladen und aufgezogen an seinem linken Arm trug . Dies war Herr Wander , ein Mann , der seltsame Schicksale gehabt . Von guter , vermöglicher Familie , hätte er in seiner Jugend ein unabhängiges Leben führen können , wenn ihn nicht eine unüberwindliche Leidenschaft zum Theaterleben an den Thespiskarren gespannt hätte , wo er übrigens mehr zum eigenen Vergnügen als zur wirklichen Hülfe mit lief . Das ging Alles so lange gut , als Jugend und Geld ausreichte ; dann aber wollte sich kein Theaterdirektor mehr mit dem Herrn Wander einlassen , er durfte die geliebten Bretter nicht ferner betreten , und da es ihm denn doch einmal unmöglich war , von dem für ihn so anziehenden Leben und Treiben zu lassen , so half er aus , wo man gerade seiner kleinen Dienste bedurfte . So diente er nach und nach als Inspicient , Requisiteur , Souffleur , ja er frisirte sogar eine Zeit lang in der Herrengarderobe , und als das Alles nicht mehr ging und ihn Niemand mehr haben wollte , so kehrte er in seine Heimath , die Residenz , zurück , wo er das doppelte Glück hatte , eine kleine Erbschaft zu machen , sowie von dem Intendanten die gnädigste Erlaubniß zu erhalten , bei großen Vorstellungen als überzähliger Spritzenmann aushelfen zu dürfen . Der Spritzenmann , geneigter Leser , ist eine Person , welche mit dem sehr großen Exemplare eines Instrumentes , das dir unter einem unaussprechlichen Namen bekannt ist , hinter den Coulissen auf und ab wandelt und sorgsam an Lampen und Decorationen umher späht , um zuzuspritzen , wo sich ein verdächtiger Funke zeigt . Vor dem Thronsessel auf einer künstlichen Rasenbank saß Herr Schwindelmann , der jetzt ebenfalls , sobald sich sämmtliche Künstler und Künstlerinnen im Theater befanden , nur am Ende eines jeden Aktes zu thun hatte , denn seine Nebenbeschäftigung war alsdann , den großen Portalvorhang herab zu lassen . An der Coulisse Numero acht , die sehr weit hineingeschoben war , lehnte der Sohn des Herrn Hammer , ein junger Mensch von einigen zwanzig Jahren , eine schöne , kräftige Gestalt . Er war ebenfalls Maschinist und sprach gerade mit einem Kameraden , der neben ihn auf einem hölzernen Blocke saß , und der dem Aeußern nach den vollkommensten Gegensatz zu ihm bildete . War der junge Hammer mit seiner breiten und muskulösen Gestalt , mit dem frischen gutmüthigen Gesichte ein Bild der Gesundheit und des Lebens , so war der Andere ein leibhaftiges Conterfei der Krankheit , ja des Todes . Er saß mit gefalteten Händen , an den Fuß und wenn er so schwer und tief athmete , so bemerkte man auf dem Rücken durch das dünne Röckchen hindurch , womit er bedeckt war , wie die Schulterblätter zitternd auf und ab gingen . Sein Gesicht war eingefallen , und er schien , in tiefes Nachdenken versunken , auf die schwarze , schauerliche Bank zu stieren , auf welcher Herr Schellinger saß . » Ja - a , ja - a , « sagte der erste Maschinist , mit dem Kopfe nickend , indem er sich an den kranken Mann wandte , » nur nicht den Muth verloren , Albert . Dann kann und wird Alles gut gehen . Wenn einmal der Winter vorbei ist , mit seinem ewigen Schnee und Frost - wenn der Frühling kommt - « » Und wenn er reisen könnte , « meinte der Garderobegehülfe mit näselnder Stimme und aufgehobenem Zeigefinger . » Wenn er reisen könnte , da links herüber nach Italien , wo die meisten Leute über hundert Jahre alt werden . - Als ich damals dort war - « » Wir wissen die Geschichte schon , ja - a , ja - a , « unterbrach ihn Herr Hammer . » Als Ihr in Italien waret und ebenfalls krank , und als sie Euch mit dem bewußten Mückenfett kurirt . « » Nein , es war Schlangenhaut , « entgegnete ruhig der Schneider , » von der großen Schlange , die sich am Baume aufhängt und dann selbst ihren Balg abstreift . Ich habe ein Stück davon mitgebracht . - Wollt ihr es sehen ? - - « » Später ! später ! « sprach ungeduldig Herr Hammer , und fuhr dann zu dem Anderen gewendet fort : » Wie ich Euch