duldete nicht immer täglich frische Blumen , sie wollte erst die alten sterben , vergehen sehen , todt und geknickt , wie der Erlöser . Sie war so sinnig , die liebe Frau in ihrer stillen Schwärmerei ! Und wenn wir auch durch ihren Tod hier Alle , die wir sie umgaben , wie von einem schweren Traume befreit sind , der unsere Sinne gefangen nahm und uns zu sehr , zu sehr von der üblichen Ordnung des Lebens abzog , so ist ihr doch nur das Lob der edelsten Eigenschaften nachzusagen , und wenn ich wagen könnte , durch Ew . Excellenz Mund zu unserer zartfühlenden Landesmutter zu sprechen , so würd ' ich bitten : Lassen Sie diese sinnige Einrichtung beieinander ! Stellen Sie diese Schränke , diese Tische , Stühle mit den vielen Andenken der Liebe , den gestickten , von frommwirkenden Vereinen ihr gewidmeten Kissen , den eingerahmten Blumenstücken , den gußeisernen , bronzenen , elfenbeinernen kleinen Nippsachen , die treffend gewählte Bibliothek und besonders die werthvollen Bilder , die das Beste in Stichen wiedergeben , was Overbeck , Wach , Veit geleistet haben , der Gemälde nicht zu gedenken , von denen einige Originale sind und keinen vorübergehenden Werth ansprechen dürfen , stellen Sie alles Das in irgend einem Landsitze des erhabenen Königspaares auf ! Man bewahrt auf diese Art ein Gemeinschaftliches , das mir vorkommt wie ein wandelbarer , fernwirkender , geheimnißreicher , elektrischer Leiter . Aus der Liebe geboren , weckt es Liebe . Ich bin gewiß , Niemand wird diese drei Zimmer der Fürstin , selbst wenn sie , wie weiland die heilige Krippe von Bethlehem nach Loretto , anderswohin übersiedelt würden , ohne innerlichste , tiefste Anregung betreten und von dem Odem unergriffen bleiben , der früher in ihnen wehte . So sprach Guido Stromer , den wir bei dieser Gelegenheit schon vollständiger kennen lernen . Als er diese Worte , die fast eine Rede waren , geendet hatte , blickten natürlich Aller Augen zum Intendanten und erwarteten von ihm eine Erwiderung . Guido Stromer hatte einen Wunsch vom Herzen geschüttet , der etwas Feierliches hatte . Der Geheimrath repräsentirte in dem Augenblicke . Die Einzige jedoch , die den gewaltigen Widerspruch einer so beredt vorgetragenen geistvollen Bitte und eines so unglaublich beschränkten Kopfes , wie Henning von Harder , sogleich ganz übersah und nachfühlte , war vielleicht nur Melanie ' s Mutter . Melanie hatte für lange Perorationen überhaupt keinen Sinn . Hannchen Schlurck aber , die Mutter , überdachte in ihrer üblichen trockenen Weise diese Situation ganz kurz und sprach ihr Resultat leise zur Frau von Reichmeyer , die in ihrer Nähe saß , mit den Worten aus : Was nutzt der Kuh Muskate ! Herr von Harder schwieg nämlich ganz und nickte nur , statt aller Antwort . Er nannte sonst , von seiner Gattin unbelauscht , Äußerungen , wie sie der Pfarrer hier vorgetragen hatte , » schwülstig « und verwies auch ihre Beantwortung meist an seine Frau , die ein Organ dafür hatte . Er belächelte Alles , was ihm zu schwunghaft auftrat . Wußte er doch von seiner Gattin , wie künstlich oft die Schwingen erst angebunden werden müssen , mit denen die großen Geister vorgeben , natürlich zu fliegen ... Melanie übernahm es daher , das Gespräch fortzuführen . Ich wäre gerade im Gegentheil dafür , sagte sie , daß eine so werthvolle Einrichtung ganz getheilt und überallhin zerstreut würde . Gehet hin in alle Welt und lehrt und prediget ! Das kann man auch diesen kleinen Herrlichkeiten der frommen Fürstin zurufen . Da kommt ein Briefbeschwerer Dem wieder vor Augen , dessen Briefe oft darunterlagen , eine kleine Stickerei Dem , der dazu Subscriptionen sammelte , und wenn sich dann in Allem , wie Sie versichern , Herr Pfarrer , jenes gewisse Parfüm , der schöne Duft der Liebe und Andacht wiederfindet , so wirkt Das sogar noch Wunder . Es macht Proselyten , bekehrt Heiden . Es gewinnt , ohne daß ein starres Herz es ahnt , wie ich immer , wenn ich bei der unglücklichen Anna von Harder in Tempelheide die Windharfe im Parke flüstern und klagen höre , von Gefühlen bewegt bin , die ich selbst nicht habe , mir aber aus Andern herausdenke . Man fand auch diese Auffassung charmant . Der Geheimrath lächelte wieder und dachte bei sich , wozu diese Reden alle ! Ich halte mich an den Buchstaben meiner Instruction ! Was kann ich von meiner sentimentalen Schwägerin Anna und ihrer Windharfe im Dienste meines Monarchen brauchen ? Stromer aber drohte der Sprecherin mit dem Finger und mit blitzenden exaltirten Augen . Zu weltlich ! zu weltlich ! sagte er . Aber Sie mögen in Ihrem Sinn Recht haben ! Ich wollte nur in dem meiner verstorbenen Gönnerin mich aussprechen . Wenn man so viele Beweise der Huld empfing , wie die Fürstin mir zutheilwerden ließ , so ist man verpflichtet , das Gedächtniß der Spenderin in ihrem Geiste aufrechtzuerhalten . Ach ! Ich fühle wohl , wie mit den Menschen auch die Gedanken sterben , die sie zu verwirklichen schienen . Ich bin jetzt über zwölf Jahre in diesem Orte und habe zehn Jahre lang täglich mindestens einige Stunden hier oben zugebracht . Die Fürstin war von einer bewundernswürdigen Offenheit und fand eigentlich eine Art von Genugthuung darin , sieh durch Aufrichtigkeit zu demüthigen . Sie gestand jede Unwissenheit ein . Sie hatte , ich darf es so nennen , ein katholisches Princip , das ich natürlich nicht ganz billigte . War sie von irgend einem Gegenstande lebhaft erfreut , so schenkte sie ihn sogleich weg . Sie wollte ihr Herz an nichts hängen , außer an die Betrachtung des Ewigen . So gern hätte sie die allgemeine Beichte unserer Kirche in eine Ohrenbeichte verwandelt und sich über jeden Fehler umständlich und unter Thränen ausgesprochen . Denn erst dadurch , sagte sie oft , kommt mir die Erleichterung von dem Druck , daß ein Anderer