- Was soll ich da thun ? - sagte zweifelhaft der Capitain . - Welche Frage ? Dem gehorchen , was man Euch befohlen hat . Doch einen Rath als Freund will ich Euch geben . Bewahrt beide Dokumente sorgfältig ! Es könnte eine Zeit kommen , wo man die Verantwortlichkeit für die insgeheim angeordneten Maßregeln auf Euch wälzen möchte . Ihr könntet dann die Papiere nöthig haben zu Eurer Rechtfertigung . - Ihr habt wieder recht , Chevalier - erwiederte der Capitain , ihm die Hand schüttelnd . - Ich werde Euch dankbar sein . - Es ist gut ! - sagte jener kalt . - Ich glaube , wir haben für heute unser Geschäft beendet . Nicht wahr , ich werde nicht in einer Hängematte schlafen müssen ? - Ich bitt ' Euch , schweigt davon ! Es war eine Dummheit von mir . Wann sehe ich Euch wieder ? - Das weiß ich nicht . Sollte ich Euch sprechen müssen , so werdet Ihr hier um diese Zeit ein kleines Licht bemerken . Setzt Euch dann in Euer Boot und kommt herüber . - Vortrefflich . Nun gehabt Euch wohl ! - - - Holla , Bursche ! - rief er nach dem Ufer hinunter . - Macht Euch fertig . Nach einem kräftigen Händedruck stieg er den Hügel hinab . Der Chevalier blieb mit gekreuzten Armen an dem Steine stehen und lauschte den Ruderschlägen des sich entfernenden Bootes . Als sie verklungen waren , zog er seine Blouse fester zusammen und stieg ebenfalls herab , nach der Landseite sich wendend . Bald war er im Schatten der Nacht verschwunden . Als seine Schritte verhallt waren , bewegte sich das Gebüsch hinter dem Steine und ein menschlicher Kopf zeigte sich . Sie sind fort ! - sagte eine weiche Stimme . Bald darauf trat ein noch ganz junger Mann in der grünen Uniform eines Berliner Freischärlers heraus . - Hallunken Ihr ! - sagte er , drohend die kleine Faust erhebend - ich werde Euer Teufelsgebräu Euch versalzen . Traurig ließ er den Kopf sinken und setzte sich hart an das Meer . - Also auch dies Blut soll umsonst geflossen sein ? - sagte er vor sich hin . Es war wiederum nur ein Wahn , der uns hieher trieb , für die Größe , Einheit und Freiheit Deutschlands in den Kampf und Tod zu gehen . Fluch über die Erbärmlichen , die am grünen Tische durch meineidigen Verrath die Fesseln an einander schmieden , mit denen sie auf ' s Neue die deutschen Stämme in Banden schlagen wollen ! Doppelten Fluch aber über die Verräther in der Paulskirche , die das Volk hingesandt , sein Recht gegen die Ränke der Fürsten zu vertheidigen , und die nun ruhig zusehen , wie man dies Recht mit Füßen tritt und die Sehnsucht Deutschlands nach Freiheit verhöhnt . O Felix ! Felix ! Auch Du bist einer der Verräther ! Aber die Rache des Volkes wird Euch Alle ereilen . Er erhob sich . Sein Fuß stieß an einen Gegenstand . Er bückte sich . Es war das Fernrohr des Chevalier . - Das soll mir eine Erinnerung an diese Stunde sein - sagte er , es einsteckend . Da nahten auf ' s Neue Tritte . Es war der Chevalier , der sein Fernrohr vermißte und zurückgekehrt war , es zu suchen . - He , was ist das ? ! - - Dieser Ausruf galt dem jungen Manne , welcher plötzlich vor dem vor Schreck Erstarrten stand . Doch nur einige Sekunden dauerte der Eindruck , dann hatte der Chevalier sich gefaßt . Mit der linken Hand griff er rasch nach der Brust des Knaben , während die Rechte in dem Brustlatz seiner Blouse etwas zu suchen schien . - Wer bist Du ? - Was suchst Du hier ? - donnerte er den Knaben an , welcher von seinem Zorn durchaus nicht bewegt schien , sondern ruhig stehen blieb . - Ich suchte und fand einen Verräther am Vaterlande - erwiederte Jener kalt . Beim ersten Laute schon war der Chevalier einige Schritte zurückgetreten . - Alice ! - sagte er mit zitternder Stimme . - Elender Meineidiger ! - fragte mit dem Tone schmerzlicher Verachtung das bleiche Weib - hast Du auch wohl überlegt , was Du beginnst ? Wird Deine feige Seele den Gedanken , ein Herostrat an dem Freiheitstempel Deutschlands gewesen zu sein , ertragen ? - Du hast also gelauscht ? - Alice ! - Gilbert , ich habe Dich gepflegt , als Du zum Tode verwundet , Deinem Ende entgegensahst ; als Alle , auch der Fürst , Dich verlassen hatten . - - Gedenkst Du des Schwures , den Du mir geleistet , als Du , durch meine Hand genesen , vom Krankenlager erstandest ? Gilbert schwieg . - Wirst Du auch diesen Eid brechen ? Antworte ! - Ich werde ihn halten - erwiederte er düster . - Das Wort hat Dir Dein guter Engel eingegeben - sagte sie mit unveränderlicher Ruhe . Jetzt antworte mir : Weiß der Fürst Lichninsky um diesen Cabinetsstreich ? - Ich bin sein Bevollmächtigter . Wir haben hierin gleiches Interesse . - Wie ? Der alte Löwe und der feige Schakal : Beide morden ihre Opfer , um sich zu sättigen . Wann wird der Waffenstillstand ratificirt werden ? - Noch in diesem Monat . - Wer ist von Seiten Preußens mit der Ratification beauftragt ? - Der General von Below . - Und von Dänemark ? - Herr von Reetz . - Der General von W. ist natürlich eingeweiht ? - Er hält sich vorläufig neutral , doch wird es sich morgen entscheiden . - So muß ich eilen ! - sagte Alice zu sich selbst und setzte dann laut hinzu : Es ist gut , Du kannst gehen . Ohne ein Wort zu erwiedern , schritt Gilbert den Hügel hinab . Alice eilte ins Gebüsch zurück und bestieg ein Boot