! rief sie aus . Wenn Du mich liebst , Julian , eile zu ihm , sage ihm , daß ich ruhig bin - nein ! nein ! unterbrach sie sich selbst , das ist eine Lüge , ruhig kann ich darüber nicht werden . Wenn ich denke die Eltern hätten das erlebt an ihrer einzigen Tochter ! und Du , Julian , daß Du beschimpft wirst durch mich , o das ertrage ich nicht ! Ein neuer Thränenstrom erstickte ihre Stimme . Der Bruder hielt noch immer ihre Hand in der seinen ; zuletzt drückte er sie herzlich und sagte : Glaubst Du , daß ich mein Haupt weniger frei erheben werde , weil ein Elender darnach zu zielen wagt ? Wohl Dir und mir , daß seine Waffe uns nicht verwunden kann ! Dein Leben ist ohne jeden Fehl ! Wo wäre die innere Kraft vernünftiger Selbstschätzung , wenn sie uns in solchem Augenblicke verließe ? Wenn wir nicht den Muth hätten , uns über eine elende Schmähung zu erheben ? Richte Dich innerlich empor Therese , sei getrost , damit ich die Ruhe gewinne , der Außenwelt die Stirne zu bieten . Sehe ich Dich nur mit Dir selber einig , so wird alles Andere sich leicht zurechtlegen lassen . O , vergib mir , Bruder , vergib mir ! rief Therese noch immer in heftiger Bewegung . Hätte ich Dir gefolgt , hätte ich Alfred nicht wiedergesehen , so wäre das Alles nicht gekommen . Zürne mir nicht , Julian ! Ich sollte Dir zürnen , weil Du schuldlos leidest ? Wollte der Himmel , ich hätte Dir jeden Kummer ersparen , Dich so glücklich machen können , als ich es wünschte , als Du es verdienst , mein armes Mädchen ! mein Kind und meine Schwester ! sagte der Präsident , während sein Auge von Thränen glänzte . Therese küßte ihm inbrünstig die Hände und rief : Ich will Alfred nicht wiedersehen , wenn Du es verlangst . Darüber wollen wir noch nichts entscheiden , antwortete Julian , ehe ich ihn selbst gesprochen habe . Daß wir uns innerlich frei fühlen und ruhig sein können , darf uns nicht abhalten , uns gegen die Pfeile zu schützen , die der üble Wille von Fremden auf Dich schleudern könnte . Ich ahne , von welcher Seite die Schmähung kam ; es könnten ihr neue Angriffe folgen und die Ehre einer Frau muß durch keinen Verdacht angetastet werden ; eine Frau muß auch den Schein eines Tadels zu vermeiden suchen . Wie wir Dir am sichersten Schutz gewähren , das kann ich nur mit Alfred gemeinsam berathen , zu dem ich eilen will , um ihn vor leidenschaftlichen Entschlüssen zu bewahren . Sie dürften seinem Charakter wohl zunächst liegen und würden das Uebel ärger machen . Lebe wohl , Schwester ! sagte er , sie umarmend , und mache , daß ich Dich ruhig wiederfinde , denn besonnener Ueberlegung bedürfen wir heute . Er entfernte sich und langte bald darauf bei Alfred an , dem er schon an der Thüre seines Hauses begegnete . Ich wollte zu Dir kommen , sagte Alfred , ich muß Dich sprechen . So laß uns hineingehen , antwortete Julian mit einer Gelassenheit , die sehr gegen die Aufregung seines Freundes abstach . In dem Arbeitszimmer seines Freundes angelangt legte der Präsident Mantel und Hut von sich , setzte sich ruhig nieder und sagte , die Zeitung in die Hand nehmend , die vor ihm auf dem Tische lag : So weißt Du es auch schon ? Meine Frau war bei mir , heute in aller Frühe , rief Alfred , gerade in dem Augenblick , in dem ich das höllische Machwerk las , das die reinste , edelste Seele beschimpfen sollte . Das ist der Schlag , vor dem mich Fernow warnte , den der elende Kaplan beabsichtigt hat . Sie haben es klug ersonnen , daß Caroline gerade heute kommen mußte , um sich an der Wirkung ihrer List zu weiden ; aber ich danke es ihnen , denn sie geben mir die Freiheit wieder , indem sie mir neue Pflichten auferlegen und die alten Bande zerstören . Wüßte ich nicht , wie hart Therese von der Unwürdigkeit getroffen sein wird , so könnte ich Jenen danken für die Art , in welcher sie mich vorwärts treiben . Lasse das , sagte der Präsident , Du bist in einer Aufregung , die nicht geeignet ist für die Besprechung , die ich wünsche . Ich kam zu Dir - Nein ! höre mich , laß mich erst sprechen ! rief Alfred . Du weißt es , daß ich Therese liebe , daß ich sie schon in früher Jugend geliebt habe , daß der Wunsch , sie zu besitzen , mir die Fesseln doppelt unerträglich machte , die ich zu zerbrechen wünschte , ehe ich noch Therese wiedergesehen hatte , und in denen ich dennoch blieb , weil ich es für Pflicht hielt . Ich war nicht glücklich , ich wußte , Therese könne es nicht sein , denn eine unwiderlegliche Gewißheit in meiner Seele sagt mir , daß sie mich liebt . Aber ich wußte sie geschützt und geborgen an Deiner Seite , sie bedurfte meiner nicht und ich wollte mich darein finden , sie ein Scheindasein führen zu sehen , wie es das meine war . Nun tritt Caroline gegen sie auf und der elende Ruhberg lehrt sie die Waffen wählen , die am tiefsten verwunden . Sie stellen Therese der üblen Nachrede , dem falschen Urtheil preis , sie beschimpfen das reinste Verhältniß , das reinste Herz , die Frau , die ich liebe . Damit legen sie mir die heilige Pflicht auf , Theresen ' s Ehre zu retten , damit geben sie mir meine Freiheit wieder . Ich wollte zu Dir kommen , um noch in dieser Stunde die Hand Deiner Schwester von Dir zu fordern . Noch heute übergebe ich die Scheidungsklage dem Gerichte und sobald