zu reuten und ein Zeugniß von unserer Unschuld abzulegen : Solches hätte aber sein alter Vater nicht gestatten wölllen , alldieweil er vermeinet , dadurch seine adeliche Ehre einzubüßen , wenn es an den Tag käme , daß sein Sohn mit einer verrufenen Hexen die Nacht auf dem Streckelberge conversiret habe . Hätte ihm dahero , da er mit Bitten und Drohen nichts ausgerichtet , Hände und Füsse binden , und in das Burgverliß setzen lassen , wo bis dato ein alter Diener sein gepfleget , der ihm nicht hätte los geben wöllen , so viel Geld er ihm auch geboten ; wannenhero er in große Angst und Verzweiflung gerathen , daß unschuldig Blut umb seinet willen fließen sölle . Aber der gerechte Gott hätte es annoch gnädig abgewendet . Denn da sein Vater von dem Aerger fast heftig krank worden , und die ganze Zeit über auf dem Bette gelegen , hätte es sich heute Morgen umb Betglockenzeit begeben , daß der Jäger nach eim Rudeärpel im Schloßteich geschossen , unversehens aber seines Vaters seinen Lieblingshund , Pakan geheißen schwer verwundet . Solcher wäre schreiend zu seines Vaters Bett gekrochen , und alldorten verrecket , worüber der Alte in seiner Schwachheit sich also geärgert , daß ihn alsofort der Schlag gerühret , und er auch seinen Geist aufgegeben . Nunmehro hätten ihn aber seine Leute herfürgezogen und nachdem er seines Vaters Augen zugedrücket , und ein Vaterunser über ihm gebetet , hätte er sich alsogleich mit allem Volk aufgemachet , so er in der Burg auftreiben können , umb die unschuldige Jungfer zu retten . Denn er bezeuge hieselbsten vor männiglich und auf Ritter Wort und Ehre , ja bei seiner Seelen Seeligkeit , daß er der Teufel gewest , so der Jungfer auf dem Berg als ein haarigter Riese erschienen . Denn dieweil er durch das Gerücht es vernommen , daß selbige oftermalen dorthin gehe , hätte er gerne wissen wöllen was sie dorten thäte , und sich in einen Wulfspelz verkleidet , daß Niemand ihn kennen müge von wegen seinem harten Vater . Und hätte er schon zwei Nächte dorten zugebracht , bis die Jungfer in der dritten gekommen und er gesehen hätte , daß sie nach Birnstein in den Berg gegraben , auch nicht den Satanas angerufen , sondern vor sich ein lateinisch Carmen gerecitiret . Solches hätte er dahero in Pudgla zeugen wöllen , aber aus gedachter Ursache nicht gekönnet , besondern sein Vater hätte seinen Vetter Glas von Nienkerken , so bei ihm zum Besuch gewest , sich für ihn in das Bette legen , und ein falsch Gezeugnüß ablegen lassen . Denn , alldieweilen Dn . Consul ihme ( verstehe den Junker ) in langen Jahren nicht gesehen , anerwogen er in der Fremde gestudieret ; so hätte sein Vater wohl gegläubet , daß er leichtlich getäuschet werden müge , wie denn auch besehenen . « Als solches der rechtschaffene Junker vor Dn . Consule und allem Volk bezeugte , welches nunmehro wieder in haufen herbeigelaufen kam , da es hörete , daß der Junker kein Gespenst gewesen , fiel es mir wie ein Mühlenstein von meinem Herzen , und dieweil mich das Volk rief ( so bereits den Büttel unter dem Wagen herfürgezogen , und also dicke um ihn wimmelte , wie ein Bienenschwarm ) daß er sterben wölle , mir aber zuvorab noch etwas offenbaren , sprang ich so leicht wie ein Junggeselle von dem Wagen , und rief Dn . Consulem und den Junker gleich mit mir , gestalt ich wohl mir abnehmen kunnte , was er auf seinem Herzen hätte . Und saß er auf eim Stein , und das Blut stund ihm wie ein Pferdeschwanz aus seiner Seiten , ( angesehen man ihm das Schwert herausgezogen ) wimmerte , als er mich sahe und sprach : daß er in Wahrheit Allens hinter der Thüren gehöret , was die alte Lise mir gebeichet , als nämlich , daß sie alle Zaubereien selbsten mit dem Amtshaubtmann an Menschen und Viehe angerichtet , umb mein arm Kind zu erschröcken und also zu einer Huren zu machen . Solches hätte er aber verschwiegen , dieweil der Amtshaubtmann ihm dafür ein Großes versprochen , müßte es aber jetzunder , wo der gerechte Gott die Unschuld meines Töchterleins an den Tag brächte , freiwillig bekennen . Bäte dahero mich und mein Kind ihme zu vergeben , und als Dn . Consul ihn hierauf kopfschüttlend fragete , ob er auf solch sein Bekenntnüß leben und sterben wölle , sprach er noch » ja ! « fiel sodann aber alsogleich auf die Seite zur Erden nieder und gab seinen Geist auf . Hierzwischen aber war dem Volk auf dem Berge , so von Coserow , vom Zitze vom Gnitze etc. alldorten zusammengelaufen war , umb mein Töchterlein brennen zu sehen , die Zeit lang worden und kamen sie nunmehro wie die Gänse , einer nach dem andern , in langer Reihe den Berg niedergelaufen , umb zu sehen , was geariviret . Und war auch mein Ackersknecht Claus Neels darunter . Als selbiger aber sahe und hörete , was geschehen , hube der gute Kerl vor Freuden an , laut zu weinen und verzählete nun auch , was er in dem Garten den Amtshaubtmann zu der alten Lisen sprechende gehöret , und wie er ihr ein Schwein versprochen , dafür daß sie ihr eigen Ferkelken todt gehexet umb mein Töchterlein in ein böses Geschrei zu bringen , summa : Allens , was ich schon oben notirt habe und er bis dato aus Furcht vor der Marter verschwiegen . Hierüber verwunderte sich alles Volk , und entstunde ein groß Lamentiren , so daß Etzliche kamen , worunter auch der alte Paassch befindlich , und mir wie meinem Töchterlein Hände und Füsse küssen wollten und uns nunmehro ebenso lobeten als sie uns vorhero verachtet hatten . Aber so ist das Volk ; dannenhero auch mein Vater seliger zu sagen pflegte : Volkes Haß : Ein schneidend Glas ;