, lieblichen Lippen lügen ! Dein Auge spricht Ja ! ich glaube ihm . « » Nein , nein ! « rief sie in heftiger Angst und hielt beide Hände vor den Augen ; » kehren Sie sich nicht an die verrätherischen Augen , der Mund spricht die Wahrheit . « » Faustine , « sagte Mengen und stand auf , und seine zürnende Stimme wurde noch schauerlicher durch die Bebungen , welche die gewaltigste Aufregung ihr gab - » wenn Du mich wirklich nicht liebst , wenn Alles nur ein Spiel , die Belustigung für einen leeren Augenblick gewesen , wenn Du die ganze Grazie Deiner Wesenheit nur als eine gemeine Koketterie verschwendet , wenn Du solche Nichtachtung fremder Gefühle hegst , daß Du lebende , schlagende , blutende Herzen anatomirst zu Deiner Belehrung oder Deinem grausamen Vergnügen : so habe ich keinen Ausdruck für meine Verachtung . « » Mario ! « schrie Faustine und glitt auf ihre Kniee zur Erde herab - » ich liebe Dich . « Er hob sie auf , zog sie stürmisch an seine hochschlagende Brust und drängte in einem Kuß die Seligkeit und die Sehnsucht zusammen , welche dies Wort in ihm auflodern ließ . Aber Faustine begegnete nur scheu dieser Glut . Sie machte eine ganz kleine Bewegung , so leise , jedoch so unwiderstehlich , daß die Liebe ihr gehorchen muß , und daß doch nur die Liebe sie errathen kann ; - und seine Arme umstrickten nicht mehr wie ein Netz ihre Gestalt , und er fragte gepreßt : » Warum drängst Du mir das übervolle Herz in den Busen zurück , Faustine ? O laß es an dem Deinen ruhen , mein geliebter Engel ! jetzt weiß ich ja die Wahrheit . « » Noch nicht ganz , Mario , « antwortete sie dumpf . » Aber das Wesentliche : Du liebst mich . Und morgen fährst Du mit mir zu meinen Eltern , als meine Braut , als mein Weib - wie du willst ! aber mit mir , denn Du liebst mich , Faustine ! « Er schlang ihre Locken um seine Finger . Sie sagte melancholisch : » Laß mich los ! es hilft doch nichts ! wir müssen scheiden . « Da schrie er plötzlich heftig auf : » Andlau ? « - Faustine neigte bejahend das Haupt und Mengen sank wie zerschmettert in einen Stuhl . » Siehst Du wol , wie viel schwerer Dir jetzt als vor fünf Minuten die Trennung wird ? « sagte sie gelassen ; » O hätte ich das Liebeswort verschwiegen ! « » Rede , Unglückselige , rede ! « rief Mengen ; » warum denn Trennung ? wer hat ein heiligeres Recht an Dir , als ich ? und wenn ein Anderer es gehabt hat , geht es nicht auf mich über von dem Moment an , wo Du mich liebst ? Ich will Dich haben , Faustine , ohne Theilung , ganz und gar « - » Das begreif ' ich , « unterbrach sie ihn . » Aber kann ich denn einen Tag glücklich sein , wenn ich das ganze Schicksal eines Andern , eines geliebten Menschen , zertrümmere ? Kannst du es dann noch durch mich , bei mir , sein ? unmöglich , Mario , unmöglich , wie die Sonne unmöglich zur Mitternacht über unserm Haupt stehen kann ! Und das sollst Du selbst entscheiden ! « » O Faustine ! Du liebst mich , nur mich : das wird entscheiden . « » Nein , Mario , ich liebe Andlau , den Mann , dem ich mein ganzes Geschick aus freiem , vollem Herzen in die Hand gegeben , und der es wie ein Gott unwandelbar liebend und treu gelenkt hat . « » Und nicht mich , Faustine ? besinne Dich , Herz ! wirklich nicht mich ? « Sie sank zu seinen Füßen nieder , umschlang seine Kniee und legte ihren Kopf darauf . Er wollte sie aufheben , doch sie bat : » Laß mich hier liegen , Mario , und frage mich nicht so , Du - Mensch gewordner , lichter Sonnenstrahl ! wie sollt ' ich Dich nicht lieben ? « Sie weinte heftig . Er richtete zärtlich ihr glühendes Antlitz in seiner Hand empor und sprach : » Mein Engel , erzähle mir nun Alles , was Dich betrifft . Es ist so dunkel um mich her ! wenn ich Alles weiß , wird es mir hell werden , damit ich entscheiden könne , entscheiden , wie der Mario es muß , den Du liebst . Darum die Wahrheit , Herz , die reine Wahrheit , wie vor Gott . « » Wie vor Gott ! « wiederholte sie feierlich , und stand auf . Sie waren schön die beiden Gestalten einander gegenüber . Mario saß in seiner gewöhnlichen Stellung mit untergeschlagenen Armen seitwärts am Tisch , und die Kerzen warfen nur ein Streiflicht über ihn . Aber sein marmorbleicher Kopf mit den vornehm stolzen , aber durch die Macht der Empfindung für den Augenblick melancholischen Zügen , mit dem tiefen , geistreichen , glühenden Auge und dem dunkeln Gelock , hob sich , gleich einem Gemälde von Velasquez oder Murillo , lebhaft von der dunkelrothen Lehne des Fauteuils ab , welche ihn hoch überragte . Faustine stand vor ihm , im vollen Kerzenlicht , blaßroth gekleidet , blühend , weich , schwebend , halb sinnlich , halb seelisch , hingehaucht wie von Guido Renis Pinsel , etwas vom Johannes , etwas von der Magdalena im Ausdruck , der in jeder Secunde wechselte , so wie sie die Scala der Gefühle durchflog . - Er - ruhig , fest , entschlossen , nicht unerschütterlich , aber kampfbereit und unermüdlich , die Siegesfahne tragend , vielleicht in den Tod , doch gewiß nicht in den Untergang . Sie - schwankend , und immer ungewiß lassend , ob sie fallen , ob sie in den Himmel auffliegen