Glückes . Viele angesehene Männer und Frauen besuchten gern das wohlhabende Haus , und der junge Peretti verlor nach und nach jenen Anschein unreifer Unmännlichkeit , konnte den Gesprächen Verständiger leichter folgen , und lernte in ihrem Umgange mehr und mehr ein anständiges Betragen . So segnete denn mit beruhigtem Gemüt der Oheim Montalto diese Ehe und war nur darüber verstimmt , daß , ohngeachtet aller Warnungen , der Neffe sich immer bestimmter zum hinterlistigen Kardinal Farnese hinneigte , der ihn durch Schmeichelei und glänzende Verheißungen gewann . Der Herzog Bracciano wiederholte seine Besuche , und bald war die Familie mit ihm auf den Ton eines vertrauten Freundes gekommen , denn er hatte sich der Mutter dadurch empfohlen , daß er mit einem reichlichen Gehalt den jüngsten Sohn Flaminio als vertrauten Sekretär in seinen Dienst genommen . Manchem Beobachter war diese Versorgung auffallend , da um dieselbe Zeit Flaminio sehr vorteilhafte Anerbietungen des Farnese von sich gewiesen hatte . So waren die Mitglieder der Familie auffallend in zwei Parteien geteilt , indem Peretti und der Bischof Ottavio ganz dem Farnese , die übrigen dem mächtigen Paul Giordano ergeben waren . Vittoria verschloß gegen jedermann ihre Gefühle und nur Bracciano verstand ihren Sinn . Der Graf Pepoli hatte sich wieder , wichtiger Geschäfte halber , nach Rom begeben . Er erstaunte nicht wenig , als er im Palaste Medici einen schönen und edlen Jüngling wiederfand , den er sogleich für jenen Anführer der Banditen erkannte , der ihm vor einiger Zeit im Gebirge das Leben gerettet hatte . Die Räubereien der Banditen und ihre Unternehmungen der Rache waren zu einem wirklichen Kriege gegen den Kirchenstaat ausgebrochen , man drang bis vor die Tore Roms , die kleineren Städte wurden ausgeraubt und oft halb zerstört , und die Macht des Staats war mit dem Dienst seiner ungetreuen , oft verräterischen Beamten und Soldaten nicht hinreichend , diesem Übel zu steuern , denn da die Banden besser und pünktlicher bezahlten , so liefen viele zu ihnen öffentlich über , andere , bestochen , weigerten sich zu kämpfen und ließen sich leicht und gern besiegen . So unterhandelte jetzt der Kardinal Ferdinand von Medici , auf Ansuchen des Papstes , mit jenem Alonso , Grafen Piccolomini , der mit dem größten Heere von Banditen Rom bedroht und beunruhigt hatte . Piccolomini war willig , das Gebiet des Kirchenstaates zu verlassen , wenn man ihm seine Güter im Florentinischen zurückgab . Der verständige Beobachter konnte an diese seltsamen Verhandlungen sehr eigentümliche und niederschlagende Betrachtungen knüpfen , daß die Verwirrung so weit gediehen war , daß Rom mit Empörern , Räubern und Mördern , wie mit einer rechtsbestätigten Macht unterhandelte , öffentlich , im Palaste eines angesehenen Kardinals , und daß Florenz halb gezwungen , halb gefällig nachgiebig vieler Rücksichten wegen , dem frechen Empörer die Besitzungen wiedergab , die er früher durch offenen Verrat zur Strafe eingebüßt hatte . Als der verständige Kardinal sich mit dem Grafen allein sah , sagte er : » So tief sind wir gesunken , daß wir einen so schändlichen Frieden abschließen müssen : dies beweist , wie sehr die notwendigsten Verhältnisse , alle Grundlagen eines Staates , aufgelöst sind , und daß wir , trotz anscheinender Gesetze , Herrschaft und Verwaltung , in einer wahren Anarchie nur noch dahinschmachten . « In einer andern vornehmen Gesellschaft fand der Graf Pepoli den unbändigen Luigi Orsini . Er betrug sich mäßiger und mit besserem Anstand als gewöhnlich , denn er war in Gesellschaft der schönen Leonore , aus dem altberühmten Hause Savelli , mit der er sich seit kurzer Zeit verlobt hatte . Diese schöne edle Gestalt zeigte in ihrem sanften und zarten Wesen vielen Stolz , und man konnte bemerken , daß sie selbst den starren Sinn ihres Bräutigams schon jetzt gebrochen hatte . Graf Pepoli erschrak fast , als er mit Orsini den Grafen Pignatello im vertrautesten Verhältnis fand , jenen Verruchten , der ein Anführer der Banden , im Walde von Subiaco Ascanio und den Grafen Pepoli hatte ermorden wollen . » Ah Don Giovanni « , rief Vittoria dem Grafen entgegen , als er in den Saal trat , » Ihr kommt gerade recht , mir in einem Streite beizustehn , den ich fast schon verloren habe . « Der Eintretende fand eine ziemlich große Gesellschaft versammelt , unter welchen der Herzog von Bracciano und der Kardinal Farnese die vornehmsten Gäste waren . » Um was handelt es sich , edle Donna ? « fragte der Graf : » ich werde Euch nur von geringer Hülfe sein können , wenn ein Geist , wie der Eurige , seine Behauptung schon beinah fallenläßt . « » Unsre Freundin « , sagte Bracciano , » liebt es zuweilen , paradoxe Meinungen zu verteidigen . Und ihr ist es nicht genug , den Schwächern , wie mich , in Verlegenheit zu setzen , sondern sie geht viel weiter , und will uns beschämen . So äußert sie ihre Freude darüber , daß der Heilige Vater mit dem Piccolomini , als wenn dieser Neapel oder Florenz selber wäre , einen Frieden abschließen muß , daß ein ehrwürdiger Kardinal sich dem Geschäfte unterzieht , und daß wir alle , wenn wir leben und gedeihen sollen , die Obermacht eines Piccolomini oder Sciarra anerkennen müssen . « » Und doch beschuldigt sie uns « , fuhr Farnese fort , » daß wir diese Banden erschaffen haben , daß sie in unserm Solde stehn , und daß wir gleichwohl von ihnen abhängig sein sollen . « » Meine Meinung ist nur « , erwiderte Vittoria mit Lebhaftigkeit , » daß diese Empörer , Verbannte , Räuber und von der Gesellschaft Ausgestoßene bei unserer Verwirrung notwendig , ja daß sie eine Wohltat zu nennen sind . So wie fast alle Gesetze bei uns ihre Kraft verloren haben , wie jeder tut , was er will , wie der Mächtige jedes Gelüste befriedigen kann , wie keiner ihm widersprechen darf , so frage ich nur :