hinaus . - Wie lang bleibst Du noch draußen ? - Die Tonie läßt Dir sagen , sie werde Dich am Mittwoch abholen , abends um halb neun Uhr , auf einen Ball , den der Moritz in Niederrath gibt ; sie konsultierte mit Marie und Claudine über Deine Kleidung , weil Du keinen Ballanzug in Offenbach hast , eine weiße Krepptunika , eine breite blaue Schärpe und blaue Achselschärpe , meinte Claudine , und was auf den Kopf ? - Du trügest nichts auf dem Kopf , meint die Marie - ich will aber doch diesmal Dich auffordern , daß Du Dir einen Kranz von Aschenkraut aufsetzest , das muß gar gut stehen , der Moritz will Dir einen Strauß schicken . Heut haben wir Samstag , am Mittwoch also , wenn Du nicht abschreibst . An die Günderode Ich schreib nicht den Ball ab , ich freu mich recht drauf , ich bin jetzt schon vier Wochen recht vergnügt hier und will auch durchaus noch bei der Großmama bleiben , bis die Tante aus dem Bad kömmt , wir haben uns gar sehr ineinander gewöhnt , die Großmama und ich , ich hab sie um Erlaubnis gefragt , ob es ihr nicht unlieb sei , wenn ich auf den Ball gehe . Sie sagt : » Nein , gut Mäuschen , hast lang genug hier ausgehalten , wann kommst du wieder ? - Denn du wirst doch wohl den andern Tag in Fr. bleiben ? « - Ich sagte , ich wolle noch in der Nacht wieder herauskommen , denn ich sah ihr an , daß sie fürchtete , ich möchte in der Stadt bleiben , und das könnt leicht kommen , daß die Brüder mich dann nicht wieder herauslassen , und ich will doch nicht eher fort , bis die Großmama selber will und nicht mehr allein ist , richte es also mit Tonie und Marie so ein , daß die zusammen fahren und ich mit dem George seinem Gig herausfahren kann , denn ich fürcht mich nicht vor der Nachtluft , das weißt Du ja , daß das ein Gesetz ist in unserer schwebenden Religion . - Und Dein fürchterlich Gebrummel , davor fürcht ich mich gar nicht , denn ich weiß doch , daß es Dir grad so gefällt , und mach dem Clemens weis , was Du willst , aber sag ihm nichts wieder aus meinen Briefen ; wer ' s ihm gesagt hat , daß ich Dir so lange Briefe schreib , das war der St. Clair , dem hast Du ein Stück aus meinem längsten Brief gezeigt und abgeschrieben , wenn er ihm nur nicht auch vom Inhalt gesprochen oder ihm gar mitgeteilt hat , dann weiß ich gewiß , daß mich der Clemens lang ansehen wird und wird mit Fragen hintenherum kommen , ich weiß gewiß , er wird allerlei Kuriosigkeiten fragen und so lang über mich hinausfahren ins Kreuz mit Segensprüchen , um mich von der Behexung loszumachen . Wie ich Dir sag , mit dem Clemens führ ich ein ganz ander Leben , es ist ein ander Register , das da aufgezogen ist , wenn ich an ihn schreib , es hat gar denselben Ton nicht , wie mit Dir . Es ist noch nicht aus mit der Musik , es sind noch keine erstarrten Grillen . Ich bin aufrichtig , und die einzige Tugend der Wahrheit geht durch mein Nervensystem , alles ist in ihr aneinandergereiht wie ' s menschliche häusliche Leben in meinem Geist . Wenn ich Dir den großen Einfluß , den die Musik auf mich hat , zu verschiedenen Malen mitgeteilt hab , so kannst Du denken , daß ich dabei nicht stehenblieb , allein wenn man Wege betritt , die noch zu keinem Ziel geführt haben , wo alles noch wüste ist , noch keine Lösung hat , noch selber mir nicht einleuchtet , was kann ich da viel sprechen ? - Die Bekanntschaft mit dem innern Leben einer Musik wird von den Virtuosen ganz auf eine Weise gemacht , die bloß auf Auseinandersetzung ihrer einzelnen Teile geht , und sie wissen sich recht viel mit ihrer gelehrten Unterhaltung darüber ; sie wirbelt mir auch nicht wie ein blauer Dunst durch den Kopf - , mir geht noch zugleich ein romantisch oder geistig Bild dabei auf , das eine gibt mir Stimmungen , das andere wohl Offenbarungen - , erst gestern wurde im Boskett unter verschiedener neuer Musik , die mich gar nicht anregte , eine Symphonie aufgeführt von Friedrich II. Gleich vorne steigt er mit klirrenden Sporen in Steifstiefeln mutig auf , von allen Seiten her tönt ' s ihm wider , er müsse keck über die schüchterne Menschheit weggaloppieren , und bald macht er sich kein Gewissen mehr draus ; nur die einzige Muse , die Tonkunst , tritt ihm fest entgegen , sein Roß hat ihn in die einsamste Öde getragen , fern von den Menschen , die er wie eine Koppel Hunde mit einem Pfiff lenkt . Hier sinkt er vor der einzig Übermächtigen nieder , hier bekennt er die weite Leere seines Gemüts , hier will er Balsam auf alle Wunden gelegt haben , ungeduldig und zärtlich , demutsvoll küßt er die Spuren ihres Wandels , und mit Vertrauen beugt das gekrönte Haupt sich unter ihrem Segen . - Gereinigt , getröstet , wie wenn nichts geschehen wär mit ihm , kehrt er aus diesem Flötenadagio wieder zu den Seinigen in das brillante Geklirre der Violinen und Hoboen zurück . - Ich aber spür ' s , was die Kunst für Weisheit übt . Wo keine Hand hinreicht , wo keine Lippe sich öffnet , kein Gedanke sich hinwagt , da tritt sie als Priesterin auf , und das Herz bricht vor ihr , legt flehend seine Bekenntnisse dar , will jedes Fehls sich zeihen , will ganz im Busen ihr aufgenommen sein . Ja , Musik - sie schrotet Gold und Stahl , kein Helm sitzt so fest