Armen haltend , das von ihm allein das ganze Leben hoffte , und mit so leiser Ahnung die Berührung empfunden hatte , die er aus seiner alten , ihr so gefährlichen Welt erlitten . - So geschah es , daß er unentschlossen schwieg , sie sanft aufrichtend durch das Gefühl seiner Nähe , seiner Liebe , seines Schutzes . Fennimor vertiefte sich auch bald gänzlich in dieses ihr am verständlichsten gewordene Gefühl , und sagte bloß , ängstlich aus ihren Händen mit den thränenschweren Augen zu ihm aufblickend : » Was war es denn ? « » Was ich versäumt habe , Dir gleich zu sagen , theure Fennimor ! Ein Freund aus Paris , den ich im Schlosse auf mich warten fand , ein Freund , dem ich entdeckt , daß Du mein liebes Weib bist , und der nun kommt , Dich als solches zu begrüßen . « - » Ach nein , ach nein ! « sagte Fennimor - » das soll er lieber lassen , denn - denn ich wollte lieber , ich brauchte ihn nicht zu sehn , da er der Schlange gleicht , vor der ich mich immer so gefürchtet habe . « » Das wirst Du nicht finden , wenn Du ihn näher kennst , gute Fennimor ; denn davon behält er nichts , wenn Du mit ihm reden wirst - und ich möchte gern , daß Du zu ihm freundlich wärst . « Fennimor schauderte leis zusammen , aber wie ein gutes gehorsames Kind strich sie die Locken von der Stirn und sagte mit unsicherem Tone : » Wenn Du es denn gern haben willst , da will ich mich nicht mehr fürchten und will ihn geschwind sehen , damit es vorbei ist . « Dieser zärtliche Gehorsam war so von der Angst beflügelt , daß Leonin mit innigem Mitleiden zu ihr nieder sah - ach , und wie viel hätte er darum gegeben , sie den Blicken entziehen zu dürfen , die sie so ängstlich fürchtete ! Es war ihm , als könnte er sie nicht aus seinen schützenden Armen lassen , als gehörte sie ihm nur so lange sicher , als jene Welt sie noch mit keinem Hauche berührte . Aber sie selbst machte sich los , richtete sich auf und schaute den Baum an , der nichts zeigte ; dann that sie einen Seufzer , an dem sie sich erholte , und entdeckte nun selbst den Marquis , indem sie in den Wald zeigte , wohin er , ihnen den Rücken zuwendend , zurückgekehrt war . Beide gingen ihm nach - Leonin eilte voran - und als er ihn erreicht , blieb Fennimor stehen - und sah ihn daher kommen neben ihrem Liebling - und die Angst stieg in ihrem Herzen auf - und sie sah , wie unähnlich sie sich waren - und es wollte ihr unmöglich scheinen , daß sie zusammen gehören könnten . Aber Leonin lächelte ihr freundlich entgegen , das bezwang Alles in ihr , das weinerliche Gesichtchen hellte sich auf , und sie ging jetzt auch vorwärts . » Sie sind Leonin ' s Freund - das ist recht schön und macht Ihnen gewiß viel Vergnügen ; « sagte sie , leis grüßend und das Haupt beugend , zum Marquis - » wir wollen Sie zum Vater bringen , und Sie sollen von uns allen sehr freundlich gegrüßt sein ! « Jetzt athmete sie tief auf und suchte nach Luft , die mit einem Mal weg war - und blickte auf Leonin , ob er mit ihr zufrieden sei . Ach , wie hätte er nicht , da er wußte und in jedem schwerfälligen Worte fühlte , wie gepreßt ihr Herz war , und wie sehr sie sich bemühte , ihm gehorsam zu sein . Ein Blick , der dies Alles enthielt , stärkte mehr , als jedes Andere , ihr wunderlich gelähmtes Innere . Der Marquis konnte wohl nicht eigentlich in Verlegenheit kommen , nur verweilte er sich lange bei dem Anblicke der nunmehrigen Gräfin Crecy , und sie schien ihm unergründlich schön , das heißt eine Schönheit , der es nicht gleich nachzuweisen , warum sie es war . » Sie sind sehr gnädig , « sagte er , sich tief verneigend , - » Jemand willkommen zu heißen , der Sie , fürchte ich , unangenehm erschreckt und das Gespräch mit Ihrem Freunde unterbrach . Lassen Sie mich hoffen , daß es mir später gelingen wird , Sie mit diesem Eindrucke zu versöhnen . « - » Nicht wahr , Fennimor , Du bist schon wieder ganz ruhig ? « rief Leonin , verlegen über das Schweigen , womit sie die Worte des Marquis anhörte - » hier in unserer Einsamkeit treffen wir fast nie auf einen Fremden . - Sieh ' , liebes Kind , der Herr Marquis Souvré kommt von Paris von meiner Mutter . « Augenblicklich änderte sich Fennimor ' s ganzes Wesen . Aus ihrer Erstarrung erwachend und Alles über diese Nachricht vergessend , schlug sie freudig die Hände in einander , und dem Gegenstande ihrer Furcht näher tretend , als sehe sie in ihm nicht mehr denselben , rief sie freudig aus : » O , sagt , sagt - von unserer lieben Mutter , von der schönen , herrlichen Fürstin Soubise ? Kommt Ihr darum hieher ? Soll ich gleich mitkommen ? Nicht wahr , es ist ganz gleich , ob er majorenn ist oder nicht ? Ihr wird das auch gleich sein . - Leonin ! Leonin ! « rief sie , in ihren feurigen Combinationen jetzt an den Punkt gekommen , der alle überbot - » das - das ist der Ausweg , Leonin ! Dein Freund , den die Mutter schickt , der schon Alles weiß - das ist der Ausweg , den Gott sendet ! « Leonin versuchte sie an seine Brust zu ziehen . Er wollte ihr den Ausdruck verbergen , der sein Gesicht einnahm , und der ihre Hoffnungen