bei den Pferden stand ein Bauer mit der Peitsche , den Arm über den Hals des einen Tiers gelegt . Neben ihm hielt sich eine Magd , auch einen Korb , mit schneeweißer Serviette überlegt , unter dem Arme . Ein Mann in weitem , braunem Oberrocke , dessen bedächtiger Gang und feierliches Antlitz ohne Widerspruch den Küster erkennen ließ , schritt mit Würde von dem Wagen dem Hause zu , stellte sich vor den Hofschulzen hin , lupfte den Hut und gab folgenden Reimspruch von sich : Wir sind allhier vor Eurem Tor , Der Küster und der Herr Pastor , Des Küsters Frau , die Magd daneben , Die Gift und Gabe zu erheben , So auf dem Oberhofe ruht ; Die Hühner , Ei ' r , die Käse gut . So sagt uns an , ob alles bereit , Was fällig wird zur Sommerszeit . Der Hofschulze hatte bei Anhörung dieses Spruchs den Hut tief abgenommen . Nach demselben ging er zum Wagen , verbeugte sich vor dem Geistlichen , half ihm in ehrerbietiger Stellung herunter und blieb dann mit ihm seitwärts stehen , mancherlei Reden wechselnd , welche der Jäger nicht hören konnte , während die Frau mit dem Korbe auch abstieg und sich nebst dem Küster , dem Bauer und der Magd wie zu einem Zuge hinter jenen beiden Hauptpersonen aufstellte . Der Jäger ging , um den Zusammenhang dieses Auftritts zu erfahren , hinunter , sah im Flur weißen Sand gestreut , und die daranstoßende beste Stube mit grünen Zweigen geschmückt . Die Tochter saß darin , ebenfalls sonntäglich geputzt , und spann , als wolle sie noch heute ein ganzes Stück Garn liefern . Sie sah hochrot aus und blickte von ihrem Faden nicht auf . Er ging in das Zimmer und wollte eben bei ihr Erkundigung einziehen , als schon der Zug der Fremden mit dem Hofschulzen die Schwelle vom Flure aus betrat . Voran ging der Geistliche , hinter ihm der Küster , dann der Bauer , dann die Küsterfrau , dann die Magd , zuletzt der Hofschulze ; alle einzeln und ungepaart . Der Geistliche trat auf die spinnende Tochter , welche noch immer nicht emporsah , zu , bot ihr freundlichen Gruß und sagte : » So recht , Jungfer Hofschulze , wenn die Braut noch so fleißig ihr Rädchen dreht , da kann sich der Liebste volle Kisten und Kasten erwarten und verhoffen . Wann soll denn die Hochzeit sein ? « - » Auf Donnerstag über acht Tage , Herr Diakonus , wenn es erlaubt ist « , versetzte die Braut , wurde womöglich noch röter , als zuvor , küßte dem Geistlichen , welcher noch ein jüngerer Mann war , demütig die Hand , nahm ihm Hut und Stock ab und reichte ihm zum Willkomm einen Erfrischungstrunk . Die andern , nachdem sie Reihe herum die Braut ebenfalls mit Handschlag und Glückwunsch bedacht hatten und durch einen Trunk erquickt worden waren , verließen die Stube und gingen auf den Flur , der Geistliche aber unterhielt sich mit dem Hofschulzen , der beständig seinen Hut in der Hand , in ehrerbietiger Stellung vor ihm stand , über Gemeindeangelegenheiten . Gern hätte der junge Jäger , welcher , von den übrigen unbeachtet , aus einer Ecke der Stube den Auftritt mitangesehen hatte , schon früher den Geistlichen begrüßt , wenn es ihm nicht unbescheiden vorgekommen wäre , die Anreden und Antworten der Fremden und Hofesgenossen , welche trotz der bäuerlichen Szene etwas Diplomatisches hatten , zu stören . Denn in dem Diakonus war von ihm mit Erstaunen und Freude ein ehemaliger akademischer Bekannter wiedergefunden worden . Jetzt verließ der Hofschulze auf einen Augenblick das Zimmer und nun ging der Jäger zum Diakonus , ihn bei seinem Namen begrüßend . Der Geistliche stutzte , fuhr mit der Hand über die Augen , erkannte jedoch auch den andern sogleich wieder und freute sich nicht weniger , ihn zu sehen . » Aber « - fügte er den ersten Grußworten hinzu - » jetzt und hier ist keine Zeit zur Unterhaltung , kommen Sie nachher mit , wenn ich vom Hofe abfahre , dann wollen wir zusammen plaudern ; hier bin ich ein öffentlicher Charakter und stehe unter dem Banne des gebietendsten Zeremoniells . Wir dürfen voneinander keine Notiz nehmen , fügen auch Sie sich passiv dem Ritual ; vor allen Dingen , lachen Sie über nichts , was Sie sehen , das würde die guten Leute auf das höchste beleidigen . Und diese alten , festen Sitten , so seltsam sie aussehen mögen , haben doch auch immer ihr Ehrwürdiges . « - » Sorgen Sie nicht « , versetzte der Jäger , » aber ich möchte doch wissen ... « - » Alles nachher ! « flüsterte der Geistliche , nach der Türe blickend , durch welche soeben der Hofschulze wieder hereinkam . Er trat vor dem Jäger , wie vor einem Fremden , zurück . Der Hofschulze und seine Tochter trugen die Speisen auf dem Tische , welcher in dieser Stube gedeckt stand , selbst auf . Da kam eine Hühnersuppe , eine Schüssel grüner Bohnen mit einer langen Mettwurst , Schweinsbraten mit Pflaumen , Butter , Brot und Käse , wozu eine Flasche Wein gestellt wurde . Alles dies wurde zu gleicher Zeit auf den Tisch gestellt . Der Bauer war von den Pferden ebenfalls hereingekommen . Als alles stand und dampfte , lud der Hofschulze den Diakonus höflich ein , es sich gefallen zu lassen . Es war nur für zwei Personen dort gedeckt ; der Geistliche , nachdem er ein Tischgebet gesprochen , setzte sich und etwas von ihm entfernt der Bauer . » Esse ich hier nicht mit ? « fragte der Jäger . » Ei behüte « , antwortete der Hofschulze , und die Braut sah ihn verwundert von der Seite an . - » Hier ißt bloß der Herr Diakonus und der Kolonus , Sie setzen sich draußen bei dem Küster