würde meinen Herrn schmerzen , und diese Menschen sind es nicht werth , daß er um ihretwillen einen trüben Augenblick haben soll . Du bist ein braver Mensch , sagte der Haushofmeister , und da ich sehe , daß der junge Graf nicht sowohl Dein Herr , als Dein Freund und Wohlthäter zu nennen ist , so werde ich dafür sorgen , daß das Verhältniß hier so eingerichtet wird , wie er es sebst bei seinem Vater gestellt hat , ich werde befehlen , daß ihn einer von den hiesigen Bedienten aufwartet . Nimmermehr ! unterbrach der Knabe mit Heftigkeit den alten Mann ; von diesen Menschen , die über seine Armuth gespottet haben , soll ihn Niemand anrühren , sie würden sich am Ende noch heraus nehmen , auch darüber zu lachen , wenn nicht alle Stücke des Anzugs meines Herren so prächtig sind , wie ihr reicher Graf vielleicht Alles hat . Der gute Haushofmeister konnte das Gefühl nur ehren , welches den Knaben bestimmte , den jungen Grafen selbst zu bedienen ; er sagte also : Handle darin , wie Du willst , mein Kind , aber das wirst Du mir nicht abschlagen , daß Du , so lange der junge Graf hier bleibt , bei mir wohnst und an meinem Tische mit mir speisest . Dafür danke ich Ihnen herzlich , sagte der junge Mensch mit Thränen in den Augen , denn Sie können wohl einsehen , daß ich mich unter den Bedienten elend gefühlt hätte . Kaum waren die letzten Worte gesprochen , als die Klingeln von allen Seiten läuteten , und die Bedienten eilten , ihre verschiedenen Herren zu bedienen . Der Haushofmeister nahm einen Armleuchter und eilte mit dem jungen Gustav , um den Saal zu erreichen . Die Gesellschaft trennt sich heut ungewöhnlich früh , bemerkte er noch unterwegs und kam eben zur rechten Zeit , um dem jungen Grafen vorzuleuchten und ihn nach seinem Zimmer zu führen . Der junge Graf war finster eingetreten , das gutmüthige Gesicht und das silberweiße Haar des Haushofmeisters bewirkten aber doch , daß er ihn höflich entließ . Stumm ließ er sich nun die Dienste seines jungen Freundes gefallen und warf sich , rasch entkleidet , mit dem Ausdrucke der Verzweiflung auf sein Bett . Die Thränen stiegen dem Knaben in die Augen , als er sich anschickte das Zimmer zu verlassen , ohne ein freundliches Wort aus dem Munde des geliebten Herrn zu vernehmen . Gustav , rief dieser , als der Knabe eben gehen wollte , was wird aus Dir hier in dem prächtigen Hause ? Der gute alte Haushofmeister , sagte der Knabe , hat sich meiner angenommen , ich wohne bei ihm und speise an seinem Tische . Dann ist es gut , sagte der junge Graf , ich hatte Dich armen Jungen heute vergessen , Du wirst mir ein ander Mal erzählen , wie es kommt , daß sie Dich trotz dem nicht unter die Bedienten verstoßen haben ; heut habe ich zu vielen Kummer , heut kann ich nichts mehr hören . Du armer Junge , setzte er mit weicher Stimme hinzu , ich dachte Dir wohl zu thun , und Du mußt so Vieles mit mir leiden . Der Knabe küßte die dargebotene Hand mit Thränen . Nun geh nur heut und suche zu schlafen , sagte der Graf , indem er ihm die Hand drückte ; morgen , wenn wir beide geschlafen haben , wollen wir über Manches sprechen . Der Knabe ging und fand den Schlummer bald , den der junge Graf ihm gewünscht hatte , aber Zorn , qualende Sorgen und herzzerreißender Gram hielten diesen selbst noch lange wach , und der Morgen fing schon an zu dämmern , als endlich auch seine Augenlieder sich senkten und der lang ersehnte Schlaf wohlthätig ihn umfing . XVI Als der junge Graf am andern Morgen erwachte , sah er seinen Knaben am Fenster sitzen und mit Eifer in einem Buche lesen . Er rief ihn zu sich und fragte nach seiner Beschäftigung . Ach , lieber Herr Graf , rief der junge Mensch , ich habe hier in dem alten Manne , dem Haushofmeister , einen wahren Schatz gefunden . Heut Morgen , schon sehr frühe , hat er mich in die Bibliothek des Grafen geführt und mir erlaubt , von den Büchern zu nehmen , was ich will ; ich habe mir gleich den Shakespeare genommen . Sie können es nicht glauben , welche Glückseligkeit es ist , nach so vielen Monaten , nach einem wilden Leben , wieder ruhig bei solchem Buche zu sitzen . Ich wollte , ich könnte Dir erst die Mittel verschaffen , Deine Studien fortzusetzen , sagte der Graf , und mich bekümmert es herzlich , daß sich für jetzt noch keine Aussicht dazu zeigt . Man kann ja auch für sich studiren , sagte der Knabe tröstend , und hier der alte Mann , fuhr er lächelnd fort , hat mich ordentlich examinirt , doch er sah bald , daß ich mehr wußte wie er ; aber mit meiner Aussprache des Französischen war er sehr unzufrieden , und er hat mir befohlen , so lange wir hier sind , immer mit ihm in dieser Sprache zu reden , damit er mir zurechthelfen kann , und ich nicht eine Aussprache bekomme , wie ein gewisser Doktor , der hier im Hause sein soll , über die alle wohlerzogenen Leute lachen müßten , versicherte Dübois . Er hat mir auch versprochen , daß für unsere Pferde gut gesorgt werden soll , und da ich mich auf ihn verlassen kann , so kann ich den ganzen Tag , wenn Sie mich nicht brauchen , auf seinem Zimmer sitzen und lesen , denn hier sind unermeßlich viele Bücher . Du und Dein neuer Freund , sagte der junge Graf , Ihr scheint zu glauben , daß mein Aufenthalt hier sehr lange dauern wird , da Ihr solche Pläne darauf gründet . Herr Dübois meint