, aus den Tiefen des Meeres emporgestiegen , und in die herrschende Schönheit der Gestalt geboren , zum Sieg und zum Glück ! Die Tiefe verlangte nach der Gestalt , und den formlosen Abgrund der Schöpfung wandelte die Begierde an nach der Erscheinung , und es wirbelte oben der Meeresschaum in gewaltiger Sehnsucht , daß es war , als müsse er sich formen . Die frohlockenden Sonnenfunken schlugen vom Himmel her rufend und zündend in die Schäumung , und die Tiefe unten drängte vom Abgrund herauf mit unwiderstehlicher Inbrunst . Da lächelte es aus der Empörung hervor , wie ein niegesehenes Gesicht , und schlug zwei wunderbare Augen auf , und streckte zwei lilienweiße Arme aus , und ordnete sich in die sanftschwellende Harmonie des Leibes . Die Gestalt war geboren , und die Tiefe hatte ihre Ruhe gefunden . Die Schönheit stieg mit verschämten Wangen an das Ufer der Erde . Venus wurde von den Dichtern und den Weisen und von den Göttern verehrt . Und sie war die Anadyomene der Tiefe . Leben ! Erscheinung ! Gestalt ! Wie drängt sich Alles danach , was ist ! wie stürmen alle Elemente auf diesen Frieden , wie strömt die ganze Unendlichkeit auf diese Gränze zu ! Und auch ich bin ein Wesen , das erschienen ist , ich bin ein Körper , der erscheint ! Ich bin Fleisch geworden , und die Tiefe in mir drängt nach Licht , und das Licht schimmert sehnsuchtshell in die Finsterniß . Ich , der ich eine Erscheinung bin , ich bin die Einheit von Licht und Finsterniß , denn sonst könnte ich nicht erscheinen . Licht gibt es nicht ohne Finsterniß , und Finsterniß nicht ohne Licht , ohne beide aber keine Farbe und kein Bild . Ich bin ein Bild der Welt , und zwei Verschiedenheiten sind in mir in die Einheit vergangen , sonst wäre ich nicht Bild , und freute mich nicht meiner Erscheinung . Ich fühle mich als ein Ganzes in meiner Trennung , und ich fluche Dir , Ascet , der du mich wieder auflösen willst in meine getrennten Bestandtheile ! Ja , ich fluche der Trennung von Geist und Leib , von Diesseits und Jenseits , denn ich fühle mich ein Eines ! Ich bin eine gesunde Weltnatur , ich bin ein Concretes , und fasse mich als einen kräftigen Organismus zusammen , so lange ich mit ruhiger Pflichterfüllung über die Erde schreite . In mir ist Diesseits und Jenseits , in mir ist Licht und Finsterniß . Und hier sage ich mir wieder , daß das Licht nicht ist ohne die Finsterniß , und die Finsterniß nicht ohne das Licht . Der Geist ist nicht ohne den Körper , und der Körper ist nicht ohne den Geist , sondern beide in einander sind das Bild , als das ich erscheine . Darum bin ich gesund , ich bin heiter , weil ich ein Bild bin , und ich würde krank sein , wie ganze Jahrhunderte krank waren , wenn ich auseinanderfiele in Geist und Leib , in Diesseits und Jenseits ! Gott im Himmel könnte mir nicht helfen , denn ich habe mich aus der Bewegungslinie des Werdens herausgehoben , sobald ich mich abtrenne von der Verbundenheit , in die mich Gott selbst gefügt . Ich kann nicht mehr werden , weil ich auch aus Gott herausgetreten bin , wenn ich heraustrete aus mir selbst . Die Trennung von Fleisch und Geist ist der unsühnbare Selbstmord des menschlichen Bewußtseins . Und doch , wie viele Jahrhunderte solcher Zerwürfnisse des ganzen Geschlechts rollen sich auf vor meinen Blicken , selbstmörderische Jahrhunderte , wo der Mensch seine Pflicht und seine Andacht darin suchte , das Dasein nur als ein Zersplittertes zu fassen ! Das Christenthum , durch das Gott in die Welt gekommen , war es aber gerade , das diesen Zwiespalt zwischen Gott und Welt aufbrachte und immer unheilbarer befestigte . Jene Zeiten der christlichen Ascetik brachten den Begriff der Weltentsagung hervor , und die Kasteiung und Geißelung des Fleisches sollte zu Gott führen , der jenseits der Welt angebetet wurde . Diese gottlose Verzerrung des Christenthums war jedoch die reine Lehre nicht selbst , sondern eben die aus dem Mißverstand der Zeiten geborene Caricatur , in welche sich der ausgetriebene Teufel des Fleisches noch einmal hineinzuretten versuchte . Denn in der Zerwürfniß wirkt gerade der Teufel am mächtigsten , und daher die heimlichen Laster , in welche das der Welt sich gegenüberstellende Mönchthum ebendeßhalb verfiel . Aber wie falsche Propheten seid ihr gewesen , ihr Saint-Simonisten , wenn ihr verkündigt habt , das Christenthum sei ausgelebt und bedürfe euerer Umgestaltung , weil es noch lehre , daß das Reich Gottes nicht sei von dieser Welt . Zwar hat die réligion st.-simonienne das unendliche Verdienst , zuerst wieder darauf hingewiesen zu haben , daß die Welt in Gott sei , und Gott in der Welt , und ich habe mich geärgert , daß einer meiner Bekannten , Veit , in seinem Buche über den St. Simonismus diese Lehre von der Wiedereinsetzung des Fleisches so flach und ohne alle tiefere und welthistorische Beziehung zu nehmen vermocht hat . Dennoch aber sind der St. Simonisten religiöse Meinungen verdammenswürdig , weil durch ihre Lehre von der Materie , die Alles ist und auch Gott , nur ein heidnischer Pantheismus herauskommt , und selbst die Religion zur Industrie wird , weil die Welt zu einem Verarbeitungsartikel der Technik wird . Falsche Propheten seid ihr gewesen , ihr St. Simonisten ! sage ich . Denn wenn ihr predigt , Gott sei Geist und Fleisch , so betet den menschgewordenen Gott in Christus an ! Eure mit unreinen Schlacken gemischte Lehre ist im Christenthum längst und ursprünglich als etwas Reines und in eine große Zukunft Hineindeutendes enthalten . Ich meine , daß ich an eine Perfectibilität des Christenthums glaube , ja daß ich sie weiß an mir selbst . Das Christenthum bedarf keiner künstlichen Umgestaltung , keiner systematischen Revolutionen , aber es