herab in ein Netz , was sie tiefer ausgespannt hatte . Ich stellte mich vor sie und fuhr über die Saiten ; man sah deutlich , wie es durch ihre Gliederchen dröhnte ; wenn ich Akkord wechselte , so wechselten ihre Bewegungen , sie waren unwillkürlich ; bei jedem verschiedenen Harpege wechselte der Rhythmus in ihren Bewegungen ; es ist nicht anders , - dies kleine Wesen war freudedurchdrungen oder geistdurchdrungen , solang mein Spielen währte ; wenn ' s still war , zog sie sich wieder zurück . Noch ein kleiner Geselle war eine Maus , der aber mehr der Vokalmusik geneigt war ; sie erschien meistens , wenn ich die Tonleiter sang ; je stärker ich den Ton anschwellen ließ , je näher kam sie ; in der Mitte der Stube blieb sie sitzen ; mein Meister hatte große Freude an dem Tierchen ; wir nahmen uns sehr in acht , sie nicht zu stören . Wenn ich Lieder und abwechselnde Melodien sang , so schien sie sich zu fürchten ; sie hielt dann nicht aus und lief eilend weg . Also die Tonleiter schien diesem kleinen Geschöpfchen angemessen , die durchgriff sie , und wer kann zweifeln : bereitete ein Höheres in ihr vor ; diese Töne , so rein wie möglich getragen , in sich schön , die berührten diese Organe . Dieses Aufschwellen und wieder Sinken bis zum Schweigen nahm das Tierchen in ein Element auf . Ach Goethe , was soll ich sagen ? - es rührt mich alles so sehr , ich bin heute so empfindlich , ich möchte weinen ; wer im Tempel wohnen kann auf reinen heiteren Höhen , sollte der verlangen hinaus in eine Spitzbubenherberge ? - Diese beiden kleinen Tierchen haben sich der Musik hingegeben ; es war ihr Tempel , in dem sie ihre Existenz erhöht , vom Göttlichen berührt fühlten , und Du , der sich bewegt fühlt durch das ewige Wallen des Göttlichen in Dir , Du habest keine Religion ? Du , dessen Worte , dessen Gedanken immer an die Muse gerichtet sind , Du lebtest nicht in dem Element der Erhöhung , der Vermittelung mit Gott . - Ach ja : das Erheben aus dem bewußtlosen Leben in die Offenbarung , das ist Musik . Gute Nacht . Karlsbad , den 28. Juli 1808 Ist es wahr , was die verliebten Poeten sagen , daß keine süßere Freude sei , als das Geliebte zu schmücken , so hast Du das größte Verdienst um mich . Da ist mir durch die Mutter eine Schachtel voll der schönsten Liebesäpfel zugekommen , an goldnen Ketten zierlich aufgereiht ; schier wären sie in meinem Kreise zu Zankäpfeln geworden . Ich sehe unter diesem Geschenk und der Anweisung dabei eine Spiegelfechterei verborgen , die ich nicht umhin kann zu rügen , denn da Du listig genug bist , mich mitten im heißen Sommer aufs Eis zu führen , so möchte ich Dir auch meinen Witz zeigen , wie ich auch unvorbereitet und unverhofft mit Geschicklichkeit diese Winterfreuden zu bestehen wage ; ich werde Dir nicht sagen , daß ich keinen lieber schmücken möchte wie Dich , denn schmucklos hast Du mich überrascht , und schmucklos wirst Du mich ewig ergötzen . Ich hing die Perlenreihe chinesischer Früchte zwischen den geöffneten Fensterflügeln auf , und da eben die Sonne drauf schien , so hatte ich Gelegenheit , ihre Wirkung an diesen balsamartigen Gewächsen zu beachten . Das brennende Rot verwandelte sich da , wo die Strahlen auflagen , bald in dunklen Purpur , in Grün und entschiedenes Blau ; alles von dem echten Gold des Lichtes gehöht ; kein anmutigeres Spiel der Farben habe ich lange beobachtet , und wer weiß , zu welchen Umwegen mich das alles verführen wird ; zum wenigsten würde der Schwanenhals , von dem die Dir gehorsamen Schreibefinger der Mutter mir melden , schwerlich mich zu so entschiedenen Betrachtungen und Reflexionen veranlaßt haben ; und so hab ich es denn Deinem Willen ganz angemessen gefunden , mich so dran zu erfreuen und zu belehren , und ich hüte vielmehr meinen Schatz vor jedem lüsternen Auge , als daß ich ihn der Wahl preisgeben sollte . Deiner gedenk ich dabei und aller Honigfrüchte der Sonnenlande , und ausgießen möcht ich Dir gerne die gesamten Schätze des Orients , wenn es auch wäre , um zu sehen , wie Du ihrer nicht achtest , weil Du Dein Glück in anderem begründet fühlst . Dein freundlicher Brief , Deine reichen Blätter haben mich hier bei einer Zeit aufgesucht , wo ich Dich gerne selbst auf- und angenommen hätte . Es war eine Zeit der Ungeduld in mir ; schon seit mehreren Posttagen sah ich allemal den freundlichen Postknaben , der noch in den Schelmenjahren ist , mit spitzen Fingern Deine wohlbeleibten Pakete in die Höhe halten . Da schickte ich denn eilig hinunter , sie zu holen , und fand meine Erwartung nicht betrogen ; ich hatte Nahrung von einem Posttag zum andern ; nun war sie aber zweimal vergeblich erwartet und ausgeblieben . Rechne mir ' s nicht zu hoch an , daß ich ungeduldig wurde ; Gewohnheit ist ein gar zu süßes Ding . - Die liebe Mutter hatte aus einer übrigens sehr löblichen Ökonomie Deine Briefe gesammelt und sie der kleinen Schachtel beigepackt , und nun umströmt mich alles - eine andere Gegend , ein anderer Himmel , Berge , über die auch ich gewandert bin ; Täler , in denen auch ich die schönsten Tage verlebt und trefflichen Wein getrunken habe ; und der Rhein , den auch ich hinuntergeschwommen bin , in einem kleinen , lecken Kahn . Ich habe also ein doppeltes Recht an Dein Andenken ; einmal war ich ja dort , und einmal bin ich bei Dir und vernehme mit beglückendem Erstaunen die Lehren Deiner Weisheit wie auch die so lieblichen Ereignisse , denn in allen bist Du es , die sie durch ihre Gegenwart verherrlicht . Hier noch eine