Gedanken , so wie zuweilen im Vaterland , jetzt auch auf böhmischem Boden einmal ohne bestimmtes Ziel und besondere Absicht auszufliegen , nur dachte ich an das schöne Gebirge gegen * * * zu , das ich vom Fenster aus als dunkelblauen Streif gesehen hatte . Ich schlug also ungefähr diese Richtung ein und ließ mich nach Bequemlichkeit vom nächsten besten Wege fortziehen , verweilte bei allem , was mir neu und merkwürdig war , machte meine Beobachtungen an Menschen und Natur , zog mein Skizzenbuch hervor , zeichnete oder las wie mir ' s einkam , und ließ es mir mitunter in den dürftigsten Dorfschenken aufs beste gefallen . Am zweiten Abend meiner Wanderung befand ich mich bereits in einer anziehenden Gebirgsgegend und der darauf folgende Mittag sah mich schon tief in den herrlichsten Waldungen herumschwärmen , wo ich nach Herzenslust den wilden Atem der Natur kostete , die Schauer der Einsamkeit empfand , mich hundert Zerstreuungen überließ . Unvermerkt sank die Dämmerung herein , da es mir denn erst einfiel , den Fußsteig wieder aufzusuchen , der , wie man mir gesagt hatte , nach einer guten , mitten im Walde gelegenen Herberge führen mußte . Das ging aber nicht so leicht ; eine volle halbe Stunde quälte ich mich ab , ohne eine Spur zu entdecken . Jetzt war es fast Nacht . Meine Wahl ging nahe zusammen . Auf gut Glück lief ich noch eine Zeitlang vorwärts , bis das dicker werdende Gesträuch und eine große Müdigkeit mich verdrossen stille stehen machte . Ungeduld und Ärger über meine Unvorsichtigkeit waren aufs äußerste gestiegen , da überraschte mich mit einemmal der Gedanke , daß ich mir ehedem oft eine solche Situation gewünscht , und daß dieser scheinbar widerwärtige Zufall recht eigentlich im Charakter meiner Reise sei . Hiemit gab ich mich denn auch wirklich zufrieden . Unbequem genug lagerte ich mich unter einer hohen Eiche , murmelte etwas von der Lieblichkeit der warmen Sommernacht , vom baldigen Aufgang des Mondes und konnte doch nicht verhüten daß meine Gedanken einigemal in dem verfehlten Wirtshaus einkehrten , wo ein ordentliches Abendbrot und ein leidlicheres Bette auf mich gewartet haben würden . Mit solchen Bildern beschäftigt , bemerkte ich jetzt in einiger Entfernung durch das Gezweige hindurch den Glanz eines Feuers . Meine ganze Einbildungskraft entzündete sich in diesem Anblick unter tausend mehr oder weniger angenehmen Vermutungen ; aber bald entschloß ich mich zu einer genauern Untersuchung . Nach einer mühsam zurückgelegten Strecke von etwa fünfzehn Schritten unterschied ich eine bunte Gesellschaft von Männern , Weibern und Kindern auf einem etwas freien Platz um ein Feuer herumsitzend und zum Teil von einer Art unordentlichen Gezeltes bedeckt ; sie führten , soviel ich hörte , ein zufriedenes aber lebhaftes Gespräch . Das Herz hüpfte mir vor Freuden , hier einen Trupp von Zigeunern anzutreffen , denn ein altes Vorurteil für dies eigentümliche Volk wurde selbst durch das Bewußtsein meiner gänzlichen Schutzlosigkeit nicht eingeschreckt . Ich weiß nicht , welches rasche zuversichtliche Gefühl mich überredete , daß wenigstens bei dieser Versammlung durch eine offene Ansprache nichts zu wagen sei . Mein kleiner Tubus trug in keinem Fall etwas dazu bei , denn bei einer physiognomischen Untersuchung der vom roten Schein der Flamme beleuchteten Köpfe hätte mein Urteil unentschieden bleiben müssen , trotz der frappantesten Deutlichkeit , womit jeder Zug sich vor mein Auge stellte . Ich trat hervor , ich grüßte treuherzig und erfuhr ganz die gehoffte Aufnahme , nachdem ich mich durch das erste barsche Wort des Häuptlings nicht hatte irremachen lassen . Meine unbefangene Keckheit schien ihm plötzlich zu gefallen , auch meinen Anzug musterte er jetzt mit sichtbarem Respekt . Man lud mich ein , auf einen Teppich niederzusitzen , und bot mir zu essen an . Ich gab mir ein mehr und mehr treuherziges und redseliges Wesen , dessen gute Wirkung sich gar bald an meinen Leuten zeigte , die mit Aufmerksamkeit meinen Schilderungen aus fremden Ländern zuhörten , während ich mich nebenher an den merkwürdigen Gesichtern und köstlichen Gruppen in die Runde erquicken konnte . Dies dauerte ungestört eine ganze Zeit . Jetzt ließ sich ein ferner Donner vernehmen und man machte sich auf ein Gewitter gefaßt , das auch wirklich unvermutet schnell herbeikam . Jedes schützte sich so gut wie möglich . Bei dieser allgemeinen Bewegung , indes der Regen unter heftigen Donnerschlägen stromweise niedergoß und eines der seitwärts stehenden Pferde scheu wurde , war mir mein Portefeuille entfallen . Ich suchte es in der dicksten Finsternis am Boden und hatte es soeben glücklich aufgehoben , als ich plötzlich beim jähen Licht eines starken Blitzes hart an meiner Seite ein weibliches Gesicht erblickte , das freilich derselbe Moment , welcher es mir gezeigt , wieder in die vorige Nacht verschlang . Aber noch stand ich geblendet wie in einem Meere von Feuer und vor meinem innern Sinne blieb jenes Gesicht mit bestimmter Zeichnung wie eine feste Maske hingebannt , in grünflammender Umgebung des nassen glänzenden Gezweigs . Nichts in meinem Leben hat einen solchen Eindruck auf mich gemacht , als die Erscheinung dieses Nu . Unwillkürlich streckte sich mein Arm aus , um mich zu überzeugen , aber es rauschte schon an mir vorüber und eine längere Zeit , als meine Ungeduld wollte , verging , bis ich ins klare kommen sollte . Doch das blieb nicht aus . Ein Mädchen , das anfangs in dem Zelt verborgen gewesen sein mochte , und das man mit dem Namen Loskine rief , zeigte sich jetzt auch unter den andern , als man bei nachlassendem Regen wieder Feuer anmachte und sich unter wechselnden Scherz- und Scheltworten auf den störenden Oberfall wieder in Ordnung brachte . Das Mädchen ist die Nichte des Hauptmanns . - Loskine - wie soll ich sie beschreiben ? Sind doch seit jener Nacht vier volle Tage hingegangen , in denen ich dies Gebilde der eigensten Schönheit stündlich Aug in Auge vor mir hatte , ohne daß dem Maler in mir eingefallen wäre , sich