Sache entging ihr ganz , und wie ich ihr bemerklich machte , daß Jessy die Hinterlisten , die sie ihr lehrte , einst gegen sie selbst gebrauchen könnte , sagte sie sorglos : » An meinen Haaren wäre mir wenig gelegen ; sind ja ohnehin jetzt Perücken in der Mode . « Sobald sich Eigensinn mit Dummheit paart , muß Bosheit daraus hervorgehen , und , diese Ursach und Wirkung übersehend , suchte ich das Gespräch zu beenden , entschlossen , Jessy , so viel es mein vereinzelter Einfluß erlaubte , sorgfältig zu bilden und ihre Mutter ihrer eignen Verkehrtheit zu überlassen . Vielleicht wäre es mir nicht gelungen , diese unangenehme Unterredung so bald zu beendigen , hätte nicht Herrn Boswells Eintritt der Leidenschaftlichkeit der Dame eine andre Wendung gegeben . Er schien von einem ungewöhnlich lebhaften Interesse bewegt , setzte sich neben seine Gattin auf den Sopha , überhäufte sie mit Schmeicheleien und , wie er glaubte einen günstigen Eingang gefunden zu haben , erzählte er , daß er heute einen alten Schulkameraden , den er seit zwanzig Jahren nicht gesehen , wiedergefunden und rechte Lust hätte , mit ihm zu Mittag zu essen . Mistriß Boswell sagte nichts , sah aber verneinend aus ; ihr Mann schwieg eine Weile , dann fing er seine Kriegslisten wieder an , und dieses Mal glückte es ihm besser , denn er fiel darauf , ihr Morgenhäubchen , in dem sie sehr hübsch zu seyn glaubte , zu bewundern . Sie beglückte ihn mit einem beifälligen Lächeln . Nun hielt er den Zeitpunct für günstig und sagte : » Ich möchte recht gern mit dem armen Tom Hamilton zu Mittag essen ! « - » Lirum , larum . Das stünde mir an ! « antwortete sie im Ton einer schnippischen Magd . » Wozu braucht es doch wohl das ? « - » Nun , Liebe ! Wir haben uns ja in zwanzig Jahren nicht gesehen und möchten gern von vergangnen Zeiten sprechen - - ich hab ' s ihm halb und halb schon zugesagt . « - » Thorheit ! « rief die Lady mit gebietendem Ton . Der arme Eheherr rückte seufzend seinen Stuhl an ' s Camin und zeichnete nachdenkend Figuren in die Asche . Ob diese Beschäftigung seinen Muth stärkte , weiß ich nicht , genug , er sagte nach einer Weile halb leise zu mir : » Wenn Sie meiner Frau Gesellschaft leisten wollen , habe ich rechte Lust mit meinem Freund zu speisen . « - » Das thun Sie doch ja ! der Herr führt ja den Hausschlüssel , wie das alte Sprichwort sagt « - und dabei verfuhr ich freilich nicht mit der Vorsicht , die ich dem Hausfrieden und meinen Verhältnissen schuldig war ; der Unwille über die unwürdige Unterwürfigkeit des Eheherrn riß mich hin . Herr Boswell schien den Muth des Augenblicks benutzen zu wollen , er eilte zum Zimmer hinaus , doch schon draußen steckte . er den Kopf noch einmal in die Thür und rief mit erkünstelter Heiterkeit : » Auf Wiedersehen , Liebste ! ich speise mit Hamilton . « - » Herr Boswell ! « rief die Dame mit erblassenden Lippen ; aber er war fort , und sie verfiel in ihr Schmollen , das einige Stunden lang und während des Mittagsessens durch nichts unterbrochen werden konnte . Anfangs hatte ich mich mehrmals bemüht , sie durch Gespräch zu zerstreuen , da ich aber weder Antwort noch Gegenrede von ihr erhielt , fand ich es bald für angemeßner , sie sich selbst zu überlassen und setzte meine Beschäftigungen allein und mit dem Kinde , gerade als sey sie nicht gegenwärtig , fort . Sie glaubte mich durch allerlei Störung ärgern zu können , stieß mir das Tintefaß um , trat dem armen Fidel auf die Pfote , klapperte , während ich den Flügel spielte , mit Schubladen und Schlüsseln . - Statt mich empfindlich zu zeigen , bewies ich ihr , mit aufbringend guter Laune , daß mir dieses Alles keinen Abbruch thue , und brachte es vielleicht durch diesen Muthwillen dahin , daß sie ihren Racheplan änderte , oder für ' s erste ihren Gatten allein zu dessen Gegenstand ersah . Der arme Mann kam ziemlich spät , und offenbar , durch andre Mittel noch , als des Schulkameraden Gesellschaft , aufgeregten Lebensgeistern , nach Hause . Er sagte seiner Frau einen treuherzigen guten Abend ; wie sie ihn aber mit einer sehr unanständigen , auf sein Aussehen gegründeten Bemerkung zurück wies , setzte er sich neben mich , meine Freundlichkeit auf eine Weise preisend , die Mistriß Boswell nothwendig erbittern mußte . Ich sah das voraus und eilte aus dem Zimmer . Aus der wüthenden Heftigkeit , mit welcher ich sie aber beim Herausgehen ihre Schelle anziehen und gleich darauf Herrn Boswell fluchend von seinem Bedienten in sein Zimmer führen hörte , mußte ich vermuthen , daß der Auftritt zwischen den beiden Eheleuten ein sehr unangenehmens Ende genommen hatte . Mehrere Tage setzte Mistriß Boswell ihr Schmollen nun ganz systematisch fort . Sie blickte nicht auf , nahm an keinem Gespräch Antheil und fügte noch ein paar andre ungewöhnlichere Kunstgriffe hinzu : Sie hielt ihr Taschentuch fleißig vor die Augen , als suche sie Thränen zu stillen , und verweigerte jede Speise mit einem Ausdruck von Ekel , der uns armen gesunden Leuten unsre Eßlust , als die roheste Befriedigung eines schlechten Bedürfnisses , vorwarf . Was an ihren Thränen sey , erfuhr ich sehr bald ; denn da sie bald wahrnahm , daß mich ihr Spiel nicht täuschte , ersparte sie sich die Mühe , es in meiner Gegenwart fortzusetzen und nahm es nur bei Herrn Boswells Eintritt wieder vor . Ob aber der Zorn nicht wirklich ihre Eßlust verdorben , blieb mir eine Zeitlang zweifelhaft . Nach einigen Tagen , in denen der beängstigte Ehemann jedes Mittel , ihr Rede abzugewinnen und durch die niedlichsten , ihr heimlich zubereiteten Leckerbissen ihre Eßlust