Ruhe herbei käme . Nochmals lauschte Moritz , und da alles immerwährend ruhig blieb , eilte er in den Stall , sattelte selbst sein Pferd und pochte schon beim Aufgang der Sonne an die Thüre von Ernesto ' s bescheidener Wohnung . Ernestos erstes Empfinden beim Anblick des frühen Besuchs war Zorn über die Zudringlichkeit des Lästigen , doch als er ihn näher betrachtete und Unruhe und banges Entsetzen in seinen entstellten bleichen Zügen las , fühlte er sich selbst von gleichem Gefühle vorahnend ergriffen . Moritz begann sogleich , das zwischen ihm und dem Baron Vorgegangne zu erzählen , aber so verworren , so weitschweifig , so seltsam in Form und Ausdruck , daß Ernesto dabei in tödtlicher Ungeduld zu vergehen glaubte . Und doch mußte er sich fast jeden Umstand des Gesprächs zwischen Moritzen und dem Baron mehreremale wiederholen lassen , denn was er vernahm , schien ihm so unglaublich , daß er immer meinte , den Erzähler falsch verstanden zu haben . Recht ehrlich und treuherzig bat Moritz ihn endlich , nach vollendeter Erzählung , um Beistand mit Rath und That , zu Gabrielens Errettung . » Ich wäre der glücklichste Mensch , wenn sie mich heirathen wollte , « setzte er in seiner gewöhnlichen Art zu reden hinzu . » Ich wollte sie recht gut halten , alles wollte ich aufbieten , was ihr Vergnügen machen könnte . Sie ist es werth , sie ist wie Miltons Eva , all softness and sweet attractive grace . Ich will auch nicht , daß sie mich wie einen jungen amoroso lieben soll , ils sont passé ces jours de fêtes , wo ich dergleichen Prätensionen machen konnte , ich weiß es wohl . Aber gut seyn müßte sie mir , und mir vor allen . Ich könnte es nicht ertragen , wenn sie als meine Frau jemanden lieber hätte als mich . Auch müßte ich sie zufrieden und heiter sehen . Eine empfindsame Dame mit ewigen Thränen in den Augen , eine pleureuse éternelle , will ich nicht um mich haben . Sagen Sie ihr das alles , Signor Ernesto , und fühlt sie dann keine Abneigung gegen mich , so biete ich ihr mit wahrer Liebe die Hand . Unglücklich aber will ich uns beide nicht machen . Schlägt sie mich aus - Eh bien , je m ' en consolerai - Doch will ich auch dann für sie noch wie für eine nahe werthe Verwandte sorgen , sie soll nicht Noth leiden . Aber wie retten wir sie vor der Wuth ihres Vaters , wenn sie mich ausschlägt ? Comment la sauver des mains d ' un fanatique cruel , qui l ' immolera a ses fantaisies ? Wollen wir Gabrielen die grausame Gefahr entdecken , in welcher sie von Seiten des eignen Vaters schwebt ? Signor Ernesto , reden Sie , schaffen Sie Rath , ich vergehe vor Angst . « » Lassen Sie mir Zeit , das ganz Unerwartete nur zu fassen , « sprach Ernesto , » ich hoffe einen Ausweg zu finden . « » What shall we do ! What shall we do ! was fangen wir an ! « rief Moritz in höchster Angst und lief , die Hände ringend , auf und ab . » Ich bitte , sprechen Sie , ich muß zu Hause , der Baron könnte erwachen und - oh Dio ! ich will gleich fort , ich will sie hüten , ihre Thüre , sie selbst nicht aus den Augen lassen . Sagen Sie mir nur noch mit einem einzigen Wort , was ich thun soll ! « » Halten Sie zu jeder Stunde Pferde und Wagen bereit , und nun eilen Sie . Ich folge Ihnen sogleich , und gelange auf dem Fußsteige vielleicht noch früher hin als Sie , « sprach endlich Ernesto . » Eilen Sie , und hüten Sie sich , Gabrielen etwas zu verrathen , am besten ist es , Sie vermeiden es sogar , mit ihr zu sprechen . Sie können sie und die Zugänge zu ihr doch im Auge behalten . « » Addio ! « rief Moritz , und eilte in vollem Galopp davon , von Herzen froh , einen Auftrag erhalten zu haben , der ihn in Thätigkeit setzte , und seinem ängstlichen fruchtlosen Sinnen ein Ende machte . Während dessen durchwanderte Ernesto nachdenkend und langsam sein dunkles Thal , um den Felsensteig zu erreichen , welcher in gerader Linie zum Schlosse hinaufführt . Unwillkürlich verweilte er einige Minuten an der alten moosbedeckten Bank , wo er beim ersten Eintritt in diese düstre Einöde mit Gabrielen gesessen hatte . Alles , was damals in schweren , trüben Ahnungen vor seinem Geiste schwebte , und ihn so ungewöhnlich niederdrückte , lag jetzt im hellsten Licht der nahen Wirklichkeit vor ihm , und weit furchtbarer , als er es sich hatte denken können . Frau von Willnangens Worte : » Sie ist verloren sich , verloren uns , « tönten unaufhörlich in seinem Innern , während er doch mit aller Anstrengung seines Geistes darauf sinnen mußte , Gabrielen wo möglich noch zu retten . Die Gefahr , welche ihrem Leben drohte , schien ihm bei weitem nicht so nah und nicht so groß , als Moritz im ersten Schrecken sie ihm geschildert hatte . Ihm kam sogar der Gedanke nicht unwahrscheinlich vor , daß der halb wahnsinnige Greis in einer bei seiner Gemüthsstimmung nicht ungewöhnlichen , boshaft-fröhlichen Laune , sich eine Lust daraus gemacht haben könne , den armen Moritz auf diese Weise in Angst zu setzen . Desto entsetzlicher aber war ihm die Gefahr , Gabrielen mit einem bei manchen achtenswerthen Eigenschaften , dennoch höchst widrigen , lächerlichen Wesen , auf lebenslang verbunden zu sehen . Und doch begriff er nicht , wie sie dieser Verbindung würde entgehen können . Woher sollte ihr frommes Gemüth die Kraft gewinnen , dem Befehle , vielleicht gar dem Bitten eines Vaters zu widerstehen , den sie von jeher gewohnt war