draußen wehen mag ; eingesperrt im dumpfen düstern Kerker bin ich wie du ! « - Da ächzte es im trostlosen Jammer , und immer leiser und unvernehmlicher wurde das Klopfen , bis es endlich ganz schwieg ; der Morgen brach durch das Fenster , die Schlösser rasselten , und der Kerkermeister , den ich die ganze Zeit über nicht gesehen , trat herein . » Man hat « , fing er an , » in dieser Nacht allerlei Lärm in Ihrem Zimmer gehört und lautes Sprechen . Wie ist es damit ? « - » Ich habe die Gewohnheit , « erwiderte ich so ruhig , als es mir nur möglich war , » laut und stark im Schlafe zu reden , und führte ich auch im Wachen Selbstgespräche , so glaube ich , daß mir dies wohl erlaubt sein wird . « - » Wahrscheinlich « , fuhr der Kerkermeister fort , » ist Ihnen bekannt worden , daß jeder Versuch zu entfliehen , jedes Einverständnis mit den Mitgefangenen hart geahndet wird . « - Ich beteuerte , nichts dergleichen hätte ich vor . - Ein paar Stunden nachher führte man mich hinauf zum Kriminalgericht . Nicht der Richter , der mich zuerst vernommen , sondern ein anderer , ziemlich junger Mann , dem ich auf den ersten Blick anmerkte , daß er dem vorigen an Gewandtheit und eindringenden Sinn weit überlegen sein müsse , trat freundlich auf mich zu und lud mich zum Sitzen ein . Noch steht er mir gar lebendig vor Augen . Er war für seine Jahre ziemlich untersetzt , sein Kopf beinahe haarlos , er trug eine Brille . In seinem ganzen Wesen lag so viel Güte und Gemütlichkeit , daß ich wohl fühlte , gerade deshalb müsse jeder nicht ganz verstockte Verbrecher ihm schwer widerstehen können . Seine Fragen warf er leicht , beinahe im Konversationston hin , aber sie waren überdacht und so präzis gestellt , daß nur bestimmte Antworten erfolgen konnten . » Ich muß Sie zuvörderst fragen , « so fing er an , » ob alles das , was Sie über Ihren Lebenslauf angegeben haben , wirklich gegründet ist , oder ob bei reiflichem Nachdenken Ihnen nicht dieser oder jener Umstand einfiel , den Sie noch erwähnen wollen ? « » Ich habe alles gesagt , was ich über mein einfaches Leben zu sagen wußte . « » Haben Sie nie mit Geistlichen ... mit Mönchen Umgang gepflogen ? « » Ja , in Krakau ... Danzig ... Frauenburg ... Königsberg . Am letztern Orte mit den Weltgeistlichen , die bei der Kirche als Pfarrer und Kapellan angestellt waren . « » Sie haben früher nicht erwähnt , daß Sie auch in Frauenburg gewesen sind ? « » Weil ich es nicht der Mühe wert hielt , eines kurzen , wie mich dünkt , achttägigen Aufenthalts dort auf der Reise von Danzig nach Königsberg zu erwähnen . « » Also in Kwiecziczewo sind Sie geboren ? « Dies frug der Richter plötzlich in polnischer Sprache , und zwar in echt polnischem Dialekt , jedoch ebenfalls ganz leichthin . Ich wurde in der Tat einen Augenblick verwirrt , raffte mich jedoch zusammen , besann mich auf das wenige Polnische , was ich von meinem Freunde Krczynski im Seminar gelernt hatte , und antwortete : » Auf dem kleinen Gute meines Vaters bei Kwiecziczewo . « » Wie hieß dieses Gut ? « » Krcziniewo , das Stammgut meiner Familie . « » Sie sprechen für einen Nationalpolen das Polnische nicht sonderlich aus . Aufrichtig gesagt , in ziemlich deutschem Dialekt . Wie kommt das ? « » Schon seit vielen Jahren spreche ich nichts als Deutsch . Ja selbst schon in Krakau hatte ich viel Umgang mit Deutschen , die das Polnische von mir erlernen wollten ; unvermerkt mag ich ihren Dialekt mir angewöhnt haben , wie man leicht provinzielle Aussprache annimmt und die bessere , eigentümliche darüber vergißt . « Der Richter blickte mich an , ein leises Lächeln flog über sein Gesicht , dann wandte er sich zum Protokollführer und diktierte ihm leise etwas . Ich unterschied deutlich die Worte : » Sichtlich in Verlegenheit « und wollte mich eben noch mehr über mein schlechtes Polnisch auslassen , als der Richter frug : » Waren Sie niemals in B. ? « » Niemals ! « » Der Weg von Königsberg hieher kann Sie über den Ort geführt haben ? « » Ich habe eine andere Straße eingeschlagen . « » Haben Sie nie einen Mönch aus dem Kapuzinerkloster in B. kennen gelernt ? « » Nein ! « Der Richter klingelte und gab dem hereintretenden Gerichtsdiener leise einen Befehl . Bald darauf öffnete sich die Türe , und wie durchbebten mich Schreck und Entsetzen , als ich den Pater Cyrillus eintreten sah . Der Richter frug : » Kennen Sie diesen Mann ? « » Nein ! ... ich habe ihn früher niemals gesehen ! « Da heftete Cyrillus den starren Blick auf mich , dann trat er näher ; er schlug die Hände zusammen und rief laut , indem Tränen ihm aus den Augen gewaltsam hervorquollen : » Medardus , Bruder Medardus ... ! um Christus willen , wie muß ich dich wiederfinden , im Verbrechen teuflisch frevelnd . Bruder Medardus , gehe in dich , bekenne , bereue ... Gottes Langmut ist unendlich ! « - Der Richter schien mit Cyrillus ' Rede unzufrieden , er unterbrach ihn mit der Frage : » Erkennen Sie diesen Mann für den Mönch Medardus aus dem Kapuzinerkloster in B. ? « » So wahr mir Christus helfe zur Seligkeit , « erwiderte Cyrillus , » so kann ich nicht anders glauben , als daß dieser Mann , trägt er auch weltliche Kleidung , jener Medardus ist , der im Kapuzinerkloster zu B. unter meinen Augen Noviz war und die Weihe empfing . Doch hat Medardus das rote Zeichen eines Kreuzes an der linken Seite des Halses , und