gefälligen Mann als seinen Begleiter vor . Indem er nun bald mit Charlotten und Ottilien , bald mit Gärtnern und Jägern , öfters mit seinem Begleiter und manchmal allein die Gegend durchstrich , so konnte man seinen Bemerkungen wohl ansehen , daß er ein Liebhaber und Kenner solcher Anlagen war , der wohl auch manche dergleichen selbst ausgeführt hatte . Obgleich in Jahren , nahm er auf eine heitere Weise an allem teil , was dem Leben zur Zierde gereichen und es bedeutend machen kann . In seiner Gegenwart genossen die Frauenzimmer erst vollkommen ihrer Umgebung . Sein geübtes Auge empfing jeden Effekt ganz frisch , und er hatte um so mehr Freude an dem Entstandenen , als er die Gegend vorher nicht gekannt und , was man daran getan , von dem , was die Natur geliefert , kaum zu unterscheiden wußte . Man kann wohl sagen , daß durch seine Bemerkungen der Park wuchs und sich bereicherte . Schon zum voraus erkannte er , was die neuen , heranstrebenden Pflanzungen versprachen . Keine Stelle blieb ihm unbemerkt , wo noch irgendeine Schönheit hervorzuheben oder anzubringen war . Hier deutete er auf eine Quelle , welche , gereinigt , die Zierde einer ganzen Buschpartie zu werden versprach , hier auf eine Höhle , die , ausgeräumt und erweitert , einen erwünschten Ruheplatz geben konnte , indessen man nur wenige Bäume zu fällen brauchte , um von ihr aus herrliche Felsenmassen aufgetürmt zu erblicken . Er wünschte den Bewohnern Glück , daß ihnen so manches nachzuarbeiten übrigblieb , und ersuchte sie , damit nicht zu eilen , sondern für folgende Jahre sich das Vergnügen des Schaffens und Einrichtens vorzubehalten . Übrigens war er außer den geselligen Stunden keineswegs lästig ; denn er beschäftigte sich die größte Zeit des Tags , die malerischen Aussichten des Parks in einer tragbaren dunklen Kammer aufzufangen und zu zeichnen , um dadurch sich und andern von seinen Reisen eine schöne Frucht zu gewinnen . Er hatte dieses schon seit mehreren Jahren in allen bedeutenden Gegenden getan und sich dadurch die angenehmste und interessanteste Sammlung verschafft . Ein großes Portefeuille , das er mit sich führte , zeigte er den Damen vor und unterhielt sie teils durch das Bild , teils durch die Auslegung . Sie freuten sich , hier in ihrer Einsamkeit die Welt so bequem zu durchreisen , Ufer und Häfen , Berge , Seen und Flüsse , Städte , Kastelle und manches andre Lokal , das in der Geschichte einen Namen hat , vor sich vorbeiziehen zu sehen . Jede von beiden Frauen hatte ein besonderes Interesse , Charlotte das allgemeinere , gerade an dem , wo sich etwas historisch Merkwürdiges fand , während Ottilie sich vorzüglich bei den Gegenden aufhielt , wovon Eduard viel zu erzählen pflegte , wo er gern verweilt , wohin er öfters zurückgekehrt ; denn jeder Mensch hat in der Nähe und in der Ferne gewisse örtliche Einzelheiten , die ihn anziehen , die ihm seinem Charakter nach , um des ersten Eindrucks , gewisser Umstände , der Gewohnheit willen besonders lieb und aufregend sind . Sie fragte daher den Lord , wo es ihm denn am besten gefalle und wo er nun seine Wohnung aufschlagen würde , wenn er zu wählen hätte . Da wußte er denn mehr als eine schöne Gegend vorzuzeigen und , was ihm dort widerfahren , um sie ihm lieb und wert zu machen , in seinem eigens akzentuierten Französisch gar behaglich mitzuteilen . Auf die Frage hingegen , wo er sich denn jetzt gewöhnlich aufhalte , wohin er am liebsten zurückkehre , ließ er sich ganz unbewunden , doch den Frauen unerwartet , also vernehmen : » Ich habe mir nun angewöhnt , überall zu Hause zu sein , und finde zuletzt nichts bequemer , als daß andre für mich bauen , pflanzen und sich häuslich bemühen . Nach meinen eigenen Besitzungen sehne ich mich nicht zurück , teils aus politischen Ursachen , vorzüglich aber , weil mein Sohn , für den ich alles eigentlich getan und eingerichtet , dem ich es zu übergeben , mit dem ich es noch zu genießen hoffte , an allem keinen Teil nimmt , sondern nach Indien gegangen ist , um sein Leben dort , wie mancher andere , höher zu nutzen oder gar zu vergeuden . Gewiß , wir machen viel zu viel vorarbeitenden Aufwand aufs Leben . Anstatt daß wir gleich anfingen , uns in einem mäßigen Zustand behaglich zu finden , so gehen wir immer mehr ins Breite , um es uns immer unbequemer zu machen . Wer genießt jetzt meine Gebäude , meinen Park , meine Gärten ? Nicht ich , nicht einmal die Meinigen : fremde Gäste , Neugierige , unruhige Reisende . Selbst bei vielen Mitteln sind wir immer nur halb und halb zu Hause , besonders auf dem Lande , wo uns manches Gewohnte der Stadt fehlt . Das Buch , das wir am eifrigsten wünschten , ist nicht zur Hand , und gerade , was wir am meisten bedürften , ist vergessen . Wir richten uns immer häuslich ein , um wieder auszuziehen , und wenn wir es nicht mit Willen und Willkür tun , so wirken Verhältnisse , Leidenschaften , Zufälle , Notwendigkeit und was nicht alles . « Der Lord ahnete nicht , wie tief durch seine Betrachtungen die Freundinnen getroffen wurden . Und wie oft kommt nicht jeder in diese Gefahr , der eine allgemeine Betrachtung selbst in einer Gesellschaft , deren Verhältnisse ihm sonst bekannt sind , ausspricht ! Charlotten war eine solche zufällige Verletzung auch durch Wohlwollende und Gutmeinende nichts Neues ; und die Welt lag ohnehin so deutlich vor ihren Augen , daß sie keinen besondern Schmerz empfand , wenngleich jemand sie unbedachtsam und unvorsichtig nötigte , ihren Blick da - oder dorthin auf eine unerfreuliche Stelle zu richten . Ottilie hingegen , die in halb bewußter Jugend mehr ahnete als sah und ihren Blick wegwenden durfte , ja mußte von dem