dem Erfolge des Tages zufrieden , und sah ihn ruhig Abschied nehmen , als er , zum Augustus berufen , dem unwillkommenen Befehl ziemlich unmuthig gehorchte . So stehen nun die Sachen . Die nähere Beschreibung des Festes , und eine Zeichnung , die ich bis jetzt nur entworfen , und nächstens auszuführen im Sinne habe , bringe ich dir selbst mit , sobald meines Bruders Geschäfte ihm erlauben , mich zu dir zu begleiten . Der Entwurf ist gelungen , ich hoffe , die Vollendung soll es auch werden . Aber nun auch kein Wort weiter . Die Sonne ist längst hinab , und die Dämmerung macht alle Buchstaben vor meinen müden Augen verschwinden . Schlaf wohl ! 48. Theophania an Junia Marcella . Nicäa , im September 302 . Mit welchen Empfindungen , geliebte Freundin ! wirst du dieses Blatt in die Hand nehmen , das dir Nachricht von dem Leben , von dem Schicksale eines Wesens gibt , dessen Tod deine Freundschaft seit acht Monaten als gewiß beweint hat ? Ja , ich lebe noch ! Es hat der Vorsicht gefallen , mein Daseyn auf eine unverhoffte , wunderbare Weise zu erhalten ; aber ich würde mich dieser wunderbaren Fügung durch eine Falschheit unwürdig machen , wenn ich sagen wollte , daß ich sie für ein Glück erkenne , und jetzt in dieser Lage , in der ich mich befinde , mein verlängertes Leben für ein wünschenswerthes Gut halte . Ich kann mir die tausenderlei Empfindungen und Fragen vorstellen , die sich aus deinem liebevollen Herzen nach meinen Schicksalen , meiner Erhaltung , meinem jetzigen Zustande hervordrängen ; aber da ich sie nicht alle zugleich beantworten kann , so genüge dir indeß zu wissen , daß ich gesund und ruhig bin , daß ich zu Nicäa im Schooße einer sehr rechtschaffenen Familie bei Heliodors Bruder , dem achtungswürdigen Lysias , lebe , und - laß mich nun langsam und ordentlich die sonderbaren Zufälle erzählen , die mein Leben erhielten , und bis jetzt fristeten . In jener Schreckensnacht , als plötzlich ein gräßlicher verwirrter Lärmen die Bewohner unserer Villa aus dem Schlafe aufschreckte , und Demetrius durch kein Flehen von seinem Vorhaben , sich den Barbaren zu widersetzen , abzubringen , und zur Flucht zu bereden war , sah ich mich , nachdem er alle waffenfähigen Männer mit sich genommen hatte , mit ein paar alten Sclaven und meinen Weibern ganz allein . Mir war diese Lage nicht unerwartet , ich hatte sie vorher sehen können , und war darauf vorbereitet . Ich kann nicht sagen , daß ich sehr erschrocken oder verwirrt gewesen wäre ; denn mein Vorsatz war gefaßt . Ich ließ meine Leute zu mir kommen , stellte ihnen die Lage der Dinge vor , und überließ es ihrer Wahl , was sie thun , ob sie den Ausgang des Gefechtes abwarten , oder sich noch in Zeiten retten wollten . Ich selbst erklärte für mich , daß ich bis zum entscheidenden Augenblicke meinen Gemahl und die Villa nicht verlassen , und mich nur in der höchsten Noth durch die Flucht retten würde . Nachdem ich ihnen dieses verkündet hatte , ergriffen Einige die Flucht auf der Stelle , Einige verbargen sich in dem Garten , Einige blieben im Hause , unter ihnen Melyte , die schönste und jüngste meiner Sclavinnen , indem sie , verführt durch allerlei Gerüchte , daß die Gothen nichts weniger als unempfindlich gegen die Schönheit wären , und manches gefangene Mädchen ein glänzendes Glück bei ihnen gemacht habe , nichts befürchtete . Ich versuchte vergebens , ihr die Thorheit dieser Hoffnung begreiflich zu machen ; sie beharrte auf ihrem Entschluß , und von allen meinen Leuten blieb nur eine Einzige , die treue Evadne , bei mir . Mit dieser begab ich mich in eines der Gartenhäuser , von wo aus uns im schlimmsten Falle die Rettung auf das Feld , und dann durch Auen und Gebüsche , die ich wohl kannte , bis zu einem eine Stunde weit entlegenen Dorfe offen stand . Wir zogen männliche Sclavenkleider an , steckten einige Kostbarkeiten , und jede ein kurzes Schwert und einen Dolch zu uns , und so harrten wir , betend in banger Erwartung , der Entscheidung unsers Schicksals . Ein alter Sclave gab uns von Zeit zu Zeit Kunde von dem Gefecht , das länger zweifelhaft blieb , als ich Anfangs gedacht hatte . Endlich überzeugte uns die schreckliche Nachricht , daß mein Gemahl mit den meisten seiner Leute erschlagen sey , und nur einige Wenige sich durch die Flucht zu retten suchten , von unsrer drohenden Gefahr . Trotz aller Leiden , die meine Verbindung mit Demetrius über mich gebracht hatte , erschütterte mich sein Tod doch auf ' s Aeusserste , ich brach in Thränen aus , und wollte auf ' s Schlachtfeld , zu sehen , oh noch Rettung , noch Hoffnung für ihn übrig war . Meine Leute hielten mich ab , sie stellten mir die Gefahr , ja die Unmöglichkeit des Schrittes vor , sie drangen in mich , zu entfliehen . Ich folgte ihnen zuletzt . Wir entflohen , und kamen glücklich beinahe eine Viertelstunde weit durch das Dickicht fort . Wie mir damals war , kann ich nicht sagen . Tausend schmerzliche Gefühle strebten in meiner Seele empor , aber das mächtigere der gegenwärtigen Gefahr hielt sie alle nieder , und richtete alle meine Gedanken nur auf den einzigen Punkt meiner Rettung . Schon singen wir an einige Hoffnung zu nähren , als plötzlich einige Barbaren , die sich während des Gefechts in der Gegend zerstreut hatten , uns von der Seite überfielen . Flucht war unmöglich ; wir suchten uns also zu wehren , so lange wir konnten . Noch begreife ich nicht , woher mir diese Entschlossenheit kam . Es war nicht der Muth der Verzweiflung , denn ich behielt eine ziemlich klare Ansicht meiner Lage ; aber ich schreibe sie zuerst der Güte Gottes zu , der ja