, daß alles ohne mich gerade eben so ist und fortgeht , ich nur neben , nicht mit meinen Freunden lebe , ach , und daß keiner ahnet , oder ahnen will , welche eine Welt voll Liebe ich in meinem Herzen trage . Ich bleibe allen fremd , auch dir , Rodrich , glaube nicht , ich wolle dir einen Vorwurf machen , du kannst nicht anders , daher kehre ich auch in meine Berge zurück , da leben die frommen Eltern und alle freudigen Erinnerungen der Kindheit . Vielleicht suchst du mich dort auf , wenn dir alles einmal mißlingt , und die Welt dir keinen Ersatz bietet . « Rodrich mochte nicht lange bei den wehmüthigen Klagen seines Freundes verweilen . Er scheuete in diesem Augenblick jede tiefere Rührung , und eilte daher zu dem andern Briefe , dessen Ausschrift ihn lebhaft an das geheimnißvolle Billet nach dem Maskenballe erinnerte . Allein , wie erstaunte er , als er Viormona ' s Unterschrift entdeckte , und Blick und Mienen ihm sogleich aus den ersten Worten entgegen blitzten . Der Karnaval , schrieb sie , ist vorüber , eine Larve nach der andern fällt , so mögen Sie mich denn in diesen Zügen immerhin erkennen . Es war ein Augenblick , in welchem wir uns verstanden . Sie fühlten meine Schmach , und der Flug unserer Gedanken berührte sich . Damals erkannte ich in dem großherzigen Jüngling nur das Mittel , meine Pläne durchzusetzen , ich mußte Ihnen noch unbekannt bleiben . Jetzt ist es bei weitem anders . Ihr beschimpftes , bis auf den Schein vernichtetes Daseyn wird Zweck meines Lebens . Könnte ich doch in ein Wort alles zusammendrängen , was mich seit zwölf Stunden unaufhörlich mit Abscheu , Lust , Rache , ja , mit allen gewaltigen Leidenschaften erfüllt , aber ich darf nicht . Fliegen Sie zu mir , die Brieftasche des Kardinals ist in meinen Händen , ohne daß er sie vermißt . Rodrich , ich kann so nicht schließen , was sind alle abgemessene Regeln der Klugheit , gegen die tosende Flut eines überwallenden Herzens . Nun denn , mein Unglücksgefährte , ich grüße in Ihnen den Neffen des Herzogs . Um Gotteswillen , bezähmen Sie die losbrechenden Flammen , Sie brauchen Besonnenheit , die Gewalt ist in den Händen Ihrer Feinde , List und Gewandheit können es allein rächen , daß man Sie über zwanzig Jahr um den stolzen Genuß hoher Geburt betrog , und den Zweig königlichen Stammes in die Gemeinheit niederer Naturen verstieß . Rodrich schlug hier zähneknirschend den Brief zusammen . Aline fuhr in die Höhe , er bemerkte erst jetzt , daß sie weinend zu seinen Füßen lag , und niemand als sie im Zimmer war . Armes , armes Kind , rief er bewegt . Ja wohl , sagte sie , die Mutter wird nun alles erfahren , sie ist bei dem Onkel , der uns zuverlässig in der Nacht gesehen hat . Laß nur , erwiederte Rodrich gedankenlos , es kann ja noch alles gut werden ! Ja ? fragte sie halb getröstet , und drückte seine Hand an ihr Herz , ach , mein lieber , lieber Rodrich , könntest du die Angst fühlen , die mich - ich fühle sie , Aline , unterbrach er sie heftig , ich fühle sie , daher laß mich fort , ich könnte mich sonst in Gegenwart deiner Familie verrathen . Er reichte ihr flüchtig die Hand , und eilte , ohne ihre Antwort abzuwarten , zur Thür . So willst du gehen ? fragte Aline betroffen . - Lebe wohl , Engel , rief er schnell , ich höre draußen Jemand . - Ach Gott ! sagte sie , und wandte sich langsam von ihm ab . Er stürzte fort , ohne noch zu wissen , was er eigentlich wollte und durfte . Es kochte und wüthete in seiner Brust . Alles was er je erlebte , träumte und fühlte , ging verwirrend an ihm vorüber . Nur vorwärts , vorwärts , sagte er halb laut , es muß jetzt alles klar werden . Er beschloß , noch in dieser Nacht zu reisen , und da der Friede unterzeichnet war , so hielt es weiter nicht schwer , Urlaub nach der Hauptstadt zu bekommen . Als er deshalb von dem General zurückkehrte , fand er Stephano auf einem freien Platz der Stadt gedankenvoll auf und niedergehen . Er wollte ihn Anfangs nicht bemerken , indeß sein Blick , in welchem eine Thräne glänzte , traf ihn , und er rief unwillkührlich , ist dir etwas begegnet ? Nein , es ist alles schön und gut , sagte Stephano , halb bitter halb ergeben , uns erwarten Friedensfeste und Hochzeitfeiern . - Hochzeitfeiern ? wiederholte Rodrich . Ja , ja , was denkst du denn , erwiederte jener , soll der Herzog etwa den Staat noch länger ohne Erben lassen ? Miranda ' s schöne Hand wird ihn beglücken . Der Kardinal betreibt es recht angelegentlich , und es kann ja auch nicht fehlen , wer wird ein Herzogthum ausschlagen ? Du träumst , sagte Rodrich halb sinnlos , drückte den Hut in die Stirn , und eilte in seine Wohnung . Mehrere Stunden saß er hier ohne einen zusammenhängenden Gedanken zu fassen . Die innere Angst stieg fast in jedem Augenblick . Die Zeit ist gekommen , rief er endlich voll Grimm , bei Gott und allen Heiligen , er soll mir Rechenschaft geben . - Er rief seine Leute , sie mußten schnell das Gepäck ordnen , und er ging , seinem Wirthe einen flüchtigen Besuch zu machen , um bei den Alltagsgesichtern Gleichmuth für die letzten Augenblicke zu gewinnen . Mitternacht kam indeß heran . In einer Stunde wollte er reisen . Sein Herz klopfte bang , er öffnete das Fenster , überall war es still . Ob Aline wohl schläft ! dachte er mit wehmüthiger Rührung . Die Kirche neben ihrer Wohnung ragte