umherspähend und beinahe laurend ; seine Miene , sobald er will , einnehmend , aber , so wie er sich vergißt , kalt , finster , abschreckend , und wenn er zum Zorn gereizt wird , fürchterlich . Daß er überhaupt eher das Ansehen eines Demagogen als eines Königs hat , scheint ihm in seiner Lage vielmehr vortheilhaft als nachtheilig , und ist eine eben so natürliche Folge des Standes worin er geboren und der Bestimmung , für welche er erzogen wurde und sich selbst ausbildete , als daß er unendlich mehr Kenntnisse besitzt , und alles was er weiß viel gründlicher weiß , als bei Personen gewöhnlich ist , die das durch den Zufall der Geburt sind , was er durch sich selbst geworden ist . Aus eben diesem Grunde kann ihm , däucht mich , zu keinem besondern Verdienst angerechnet werden , daß er , der selbst ein Gelehrter und ein Mann von Talenten ist , Wissenschaft und Kunst liebt , Gelehrte und Künstler ehrt , und sich besser in ihrem Umgang gefällt als unter Leuten , die sich durch ihren Stammbaum oder ihre glänzenden Glücksumstände über die Nothwendigkeit eines persönlichen Werths erhaben glauben . Hingegen scheint es mir auch unbillig , ihm ( wie viele thun ) einen Vorwurf daraus zu machen , daß er in seinen Erhohlungsstunden - Verse macht , und vielleicht bessere als von königlichen Versen gefordert werden kann . Bis jetzt wenigstens scheint er seinen Umgang mit der tragischen Muse , in die er stark verliebt seyn soll , noch sehr geheim zu halten ; und in der That fordert die große Tragödie , die er selbst zu spielen vorhat , seine ganze Thätigkeit in einem so hohen Grade , daß ihm weder Zeit noch Lust übrig bleiben kann , sich in einen Wettlauf mit Sophokles und Euripides einzulassen . Ueber seinen Charakter urtheilen zu wollen , würde von mir in zweifacher Rücksicht verwegen seyn ; nur dieß wage ich zu behaupten , daß er von Natur nichts weniger als so gefühllos und grausam ist , wie ihn seine Gegner schildern . Um ihn zu dem kühnen Entschluß zu bringen , dessen guten Erfolg er viel weniger dem Glück als seiner Klugheit und Geschicklichkeit zu danken hat , brauchte es nur zwei Blicke , einen auf Syrakus und Sicilien überhaupt , und einen in sich selbst . Jenen war nur durch Vereinigung unter Einen unbeschränkten Herrscher zu helfen , und das Talent , dieser Herrscher zu seyn , fühlte er in sich . Als der Entschluß einmal gefaßt und das Spiel angefangen war , mußte er nun alles darauf setzen . Alles gewinnen oder alles verlieren ! ein Drittes gab es jetzt nicht mehr für ihn . Natürlich war das erste sein Zweck , und wer den Zweck will , will die Mittel . In seiner Vorstellungsart konnten die Kämpfe mit den Aristokraten und Demagogen , wenn sie auch noch weit mehr Köpfe und Proscriptionen gekostet hätten als sie wirklich kosteten , kein Grund seyn , der reizenden Basileia nicht nachzustreben . Aber daraus schließen zu wollen , er müsse nothwendig grausam , blutdürstig und der unmenschlichsten Gräuel fähig seyn , wäre ein eben so falscher als unbilliger Schluß . Was er that , war nicht mehr als wozu er theils durch den wüthenden Widerstand der Gegenpartei gezwungen , theils durch ihre mehr als barbarische Mißhandlung seiner Gemahlin121 auf eine Art gereizt wurde , die den sanftesten aller Menschen zum Wütherich gemacht hätte . Auch ist gewiß , daß seine Feinde das , was wirklich geschah , sehr übertrieben haben ; und ich zweifle sehr , ob unter denen , die er auf seinem Wege zum Thron , weil sie sich selbst unter die Räder seines Wagens warfen , zertreten mußte , oder den racheschreienden Manen einer geliebten Gattin opferte , nur ein einziger war , dessen Tod ein Verlust für den Staat gewesen ist . Wie dem aber auch seyn möchte , daß er , seitdem man ihn ruhiger regieren läßt , seinen höchsten Stolz darein setzt , zum Glück Siciliens zu regieren , beweisen alle seine Handlungen , und ( wie ich neulich dem Syrakusaner sagte ) wofern er in der Folge mehr in Hierons als in Gelons Fußstapfen treten sollte , so wird niemand Schuld daran seyn als die Syrakusaner selbst . Dieß , edler Learch , ist dermalen alles , was ich dir vom Dionysius zu sagen weiß , und ich setze nur hinzu , daß Hippias über dieß alles mit mir gleicher Meinung ist . Ob die Griechen des festen Landes Ursache haben , über die immer wachsende Macht dieses Fürsten eifersüchtig zu seyn , zumal wenn es ihm ( was vielleicht bei seiner Unternehmung gegen Carthago seine Hauptabsicht ist ) gelingen sollte sich von ganz Sicilien Meister zu machen - überlasse ich deiner tiefer sehenden Staatsklugheit . Mir ( wenn ich im Vorbeigehen meine unbedeutende Meinung sagen darf ) scheint Korinth bei seinen ehrgeizigen Planen am wenigsten gefährdet zu seyn , aber wohl im Gegentheil sich , durch eine gelegenheitliche Verbindung mit ihm , eine kräftige Stütze gegen die Uebermacht und die Anmaßungen der Athener und Spartaner verschaffen zu können . Uebrigens bedarf es bei dir wohl keiner Versicherung , daß ich nicht den geringsten Vortheil dabei suche noch finde , wenn ich den Syrakusischen Tyrannen aus der düstern , verzerrenden und grausenhaften Beleuchtung , in welche sein Charakter mit absichtlich bösem Willen von seinen Feinden gesetzt wird , in das reine , nichts verbergende noch verfälschende Sonnenlicht gestellt habe . Er bedarf meiner so wenig als ich seiner , und da ich im Begriff bin Sicilien wieder zu verlassen , was könnte mich bewegen , mich des Vorrechts eines Ausländers , unparteiisch zu seyn , von freien Stücken zu begeben ? Die neuesten Nachrichten , die mir aus Cyrene zugekommen sind , melden mir , daß Ariston den übel bedachten Versuch , den Dionysius nachzuahmen ohne ein Dionysius zu seyn , bereits mit seinem Leben bezahlt