Volksjubel sollte nicht enden ... Der Fürst war in der That schon nach Santa-Maria zum General der Franciscaner gefahren ... Die Benfratellen befanden sich im Nebenbau , um den Pater Sebastus zu holen ... Pater Vincente leitete das bequemere Heraustragen ... Hubertus suchte noch einen Moment Lucinden beizukommen , der sich eben Bischof Camuzzi genähert hatte ... Lucinde verbeugte sich ausweichend dem Priester , der sie gestern eine » Creolin « genannt , und versicherte Hubertus , soweit es in der Eile ging , daß er sich aus seiner Haft als entlassen betrachten dürfte . Den Brief an Bonaventura gab sie darum nicht zurück ... Eine Gelegenheit , sich dem Bischof in Erinnerung zu bringen , behielt sie fest ... Und konnte sie ihm doch auch jetzt Aufklärungen und Warnungen über den Bruder Federigo schreiben ... Sie forderte Hubertus auf , sie erst noch im Palazzo Rucca zu besuchen , wenn er wirklich den Bischof von Macerata und den Pilger entdecken und befreien gehen wollte ... Ihr unternehmt das Kühnste und doch thut ihr , als rieth ich in Witoborn gut , als ich damals sagte : Flieht in einen hohlen Baumstamm ? fragte sie lächelnd ... Hubertus , der unruhige Waldbruder , hätte die endlich errungene Freiheit des Wanderns und des Lebens wieder in freier Luft laut ausjubeln mögen ... Ohne die mindeste Furcht bejahte er und zeigte nur traurig auf den verdeckten Tragkorb , den eben die schwarzen Söhne des heiligen » Johannes von Gott « aus dem Hause brachten ... Lucinde zuckte bedauerlich die Achseln und neigte sich auch diesen Mönchen ... Der Cardinal sprengte in seinem Wagen mit den weißen , purpurgeschirrten Rossen zur Porta Laterana hin ... Die » Caudatarien « fuhren in einem zweiten Wagen ... In einem dritten mußte Monsignore Camuzzi , Bischof in partibus , der erste Secretär des Cardinals , folgen ... Lucinde wartete , bis das Glöcklein der Benfratellen verklungen war ... Hinter dem verdeckten Korbe , der ebenso eilends dahingetragen wurde , wie Klingsohr in letzter , Nacht die Leiche hatte tragen sehen , trottete der vorher erwähnte , von Ceccone ' s Majorduomo besorgte Esel mit den zwei mächtig gefüllten Säcken ... Pater Vincente schritt mit demüthig gesenktem Haupt und hielt den Esel an einem einfachen Zügel ... Hubertus hatte einen Jasminblütenzweig am Portal der Villa gebrochen und wehrte damit , gedankenvoll in sich selbst verloren , dem Thier die Fliegen ab ... Nun setzte Lucinde sich in ihren Wagen und fuhr mit blitzschneller Eile an dem unheimlichen Tragkorb und dem Esel vorüber ... Unter dem weißen ausgespannten Leintuch des Korbes lag Klingsohr - ! ... Sie schauderte - als sie im Vorüberfahren wie auf ein Leichentuch blinzelte ... Der Wagen fuhr am Coliseum vorüber , durch den Bogen des Titus , die Basilika entlang ... Der Kutscher ließ das Capitol links und lenkte zur Säule des Trajan ... Lucinde lebte innenwärts ... Sie merkte nicht , daß sie schon an Piazza Sciarra , dicht in der Nähe des » Schatzes der guten Werke « war ... Hier hielt der Wagen ... Der Kutscher blickte sich fragend um , ob sie nicht zur Herzogin von Amarillas wollte , die hier wohnte ... Sie winkte : Weiter ! Weiter ! ... Sie mußte zu Olympien ... Die höchste Zeit war es , diese nach ihrer Brautnacht zu begrüßen ... Sie durfte nicht fehlen zur Chocolade , die heute das junge Paar allen Gästen , die ihre Aufwartung machten und die Neuverbundenen mit lächelnder Zweideutigkeit nach ihrem Befinden fragten , in goldenen und silbernen Tassen mit eigner Hand zu credenzen hatte . Fußnoten 1 Thatsache . 5. In dieser » Stadt der Wunder « bewohnte die Herzogin von Amarillas einen dem Cardinal gehörenden , äußerlich dunkeln und ganz unansehnlichen Palast in einer der den Corso durchschneidenden Straßen zwischen Piazza Sciarra und der Gegend um Fontana Trevi ... Mit seiner verschwärzten Außenseite stand aber das heitere und bequeme Innere in Widerspruch ... War der Thorweg geöffnet , so sah man wol erst einen kleinen düstern Hof , umgeben von einem hier und da von Marmorkaryatiden geschmückten viereckten Arcadengang von Travertingestein , sah in der Mitte ein kleines blumengeschmücktes Bassin , das ein wasserspritzender Triton aus Bronze dürftig belebte , sah Remise und Stallung kaum von den Arcaden bedeckt ; aber die hinteren Fenster des einen Flügels gingen in einen hier ungeahnten kleinen Hausgarten von Rosen , Myrten und Orangen hinaus . Sie hatten ein volles , schönes Licht und gewährten im geräuschvollsten Theil der Stadt ein friedlich beschauliches Daheim . Zudem war in der Einrichtung dieser hohen und geräumigen Zimmer nichts gespart . Es war eine Wohnung , die verlassen zu müssen Schmerz verursachen durfte ... Und doch konnte die Herzogin dies Ende voraussehen ... ... Der Cardinal behauptete seit einiger Zeit , ihre Augen nicht mehr ertragen zu können . Was Olympia von ihm gesagt , das sagte er von der Herzogin ... Ihre Augen hätten für ihn die Wirkung des » Malocchio « ... Der Italiener hat vor dem » bösen Blick « eine selbst von Aufgeklärten nicht überwundene Furcht ... Diese üble Wirkung ihrer Augen , von der sie hörte , erläuterte die Herzogin nur aus Ceccone ' s Gewissen . Wol müssen meine Augen einen giftigen Eindruck auf ihn machen , sagte sie ihrem alten Diener Marco , der schon früher im Unglück bei ihr gewesen und nur des Alters wegen nicht damals mit nach Wien gefolgt war ... Meine Augen nennen ihn undankbar ... Keineswegs wollte die Herzogin sagen , daß der » böse Blick « eine Fabel ist . Als echte Italienerin glaubte auch sie an Menschen , die » Jettatore « heißen . Diese können Krankheit und Tod » anblicken « ... Sie hatte ihre alte Freundin und Gesellschafterin Marietta Zurboni schon lange begraben , aber die Fabel- und Traumbücher derselben waren ihr und dem alten Marco geblieben ... Konnte sie doch zittern vor Angst , als eines Tages Olympia , die ebenso dachte