, wandert immerhin ! Leiht dem Vorschlag eines Eurer drolligen Ohren ! Laßt für Euch in Santa-Maria Seine Hoheit jenen Fußfall thun ! Euch wird es Segen bringen und einem so vornehmen Mann , wie ihm , nichts schaden ! ... Ceccone hatte sich lächelnd erhoben und schüttelte Hubertus , dessen Augen vom Feuer seines Unternehmungseifers blitzten , die Hand ... Dieser küßte die seinige voll Demuth ... Pater Vincente stand aufhorchend und feierlich ... Lucinde staunte des Zusammenhangs aller dieser seltsamen Unternehmungen ... Nur der alte Rucca zweifelte - Ceccone schien ihm auf alle Fälle eine doppelte , ihm wahrscheinlich nur feindliche Rolle zu spielen ... In diesem Augenblick hörte man in der Ferne das Läuten einer kleinen Handglocke ... Das Glöcklein der Benfratellen ! sagte der Cardinal . Sie kommen mit der Tragbahre , den zweiten unsrer tapfern deutschen Lanzknechte des Heilands abzuholen ! ... Frater Hubertus , gebt ihm vorläufig das Geleite ; grüßt Euern Guardian in San-Pietro und dann - ans Werk ! Ihr seid , bei Sanct-Peter , der rechte Mann für diese Aufgabe , die ich Niemand in Rom so gut wie Euch anzuvertrauen wüßte ... Ihr aber , Pater Vincente , wandte sich Ceccone ehrerbietig zu diesem ; - die junge Fürstin Rucca hatte gestern das dringendste Verlangen nach Euerm Segen ... Ich hoffe , Euer Kloster wird mit dem Thier nicht unzufrieden sein , das , statt Eines Sackes , Euch jetzt zwei zu tragen draußen empfangen soll ! ... Die Zeiten müssen wiederkehren , wo unsere rothen Hüte auf die Stirn von Priestern gedrückt werden , die dem Volk das Schauspiel der Demuth geben ... Laßt mir die Ehre , den rothen Zaum von einem meiner Rosse zu nehmen und den Esel zu schmücken , den Eure Hand durch die Straßen Roms führen wird ! ... Dies war keine jener südländischen Artigkeiten , nach denen der Spanier sein eigenes Haus demjenigen anbietet , der dessen Lage reizend findet ; es versteht sich von selbst , daß das Anerbieten abgelehnt wird ... Bei Pater Vincente lag in der That eine Bezüglichkeit des Ernstes nahe . Er durfte voll Erröthen und mit Nachdruck die angebotene Auszeichnung ablehnen ... Grüßen Sie die junge Fürstin , sprach er leise zum Cardinal , und sagen Sie ihr , daß ich oft für das Heil ihres neuen Bundes beten werde ... Er faltete die Hände ... Das Glöcklein der Benfratellen erklang düster und traurig ... Vincente ' s Auge erhob sich , wie von einem sanften Liebesstrahl entzündet ... Die beiden so weltlichgesinnten Männer mußten erleben , daß Pater Vincente sie zum Beten zwang ... Ecce , Domine , sprach er mit dem Psalmisten in einer eigenthümlich erhöhten Stimmung , tu cognovisti omnia , novissima et antiqua ! Quo ibo a Spiritu tuo ? Et quo a facie tua fugiam ? Si ascendero in coelum , tu illic es ! Si descendero in infernum , ades ! Vide , si via iniquitatis in me est et deduc me in viam aeternam ! Amen ! ... Es war ein Gebet wie die Sühne für die sündhafte Weltlichkeit aller dieser Verhandlungen ... Vincente ' s Augen blieben gehoben wie mit der Bitte , ein Strafgericht des Himmels abzuwenden ... Der Geist Bartolomeo ' s von Saluzzo , der Geist des Philippo Neri schien über ihn gekommen ... Sein schöner , weicher Mund betonte scharf die Worte : » Via iniquitatis ! « ... Er richtete damit die Falschheit und Unreinheit dieser Welt und schüttelte fast den Staub von seinen Füßen , als er dann Hubertus ' Hand ergriff und ihn fast fortführte , als würde ihm eine Seele abwendig gemacht , die ihm anvertraut war ... Bei alledem blieb es entschieden , daß der Fürst zum General der Franciscaner fuhr und diesen unternehmenden Mönch sich auserbat , der den Grizzifalcone getödtet hatte und nichtsdestoweniger den Muth besaß , noch den Bischof von Macerata und den Pilger von Loretto retten zu wollen ... In dem Muth , der zu einer solchen Unternehmung gehörte , lag allein schon die Bürgschaft des Erfolgs ... Dem Italiener imponirt jede Kühnheit ... Bald mußten über den » Bruder Todtenkopf in der braunen Kutte « Sagen hinausgehen - märchenhaft und wie ein entwaffnender Schrecken ... Ceccone starrte mehr noch dem Pater Vincente ... Ist das Papst Sixtus V. , der sich als Cardinal solange unbedeutend stellte , bis er als Papst die Maske abwarf ? dachte er ... Nun sah er sogar den alten Heuchler , den Fürsten Rucca , beim Abschied an der Villa den Strick des Paters ergreifen , diesen küssen , dann sogar niederknieen , Hubertus und Lucinden gleichfalls , alle um den Segen des begeisterten Sprechers zu empfangen ... Diesen Segen ertheilte Pater Vincente mit dem verzückten Liebesblick des Sanct-Franciscus ... Die Jesuiten haben ihren Popanz für den Stuhl der Apostel gefunden ! sagte sich Ceccone ... Er blickte staunend den beiden Mönchen nach , die sich jetzt empfahlen , begleitet von dem alten , gleich einem Aal sich bis in die Villa windenden Fürsten Rucca ... Das Glöcklein der Benfratellen tönte draußen fort , und fort ... Miracolo ! rief Ceccone Lucinden zu und pries galant die Dienste , die sie geleistet ... Lucinde stand gedankenverloren ... Sie sah nun die Gefahren , die den Bischof von Castellungo umgaben ... Der Cardinal konnte jetzt sich nicht weiter aussprechen ... Die » Caudatarien « , die ihn an eine Sitzung im Vatican und die Anwesenheit seines Secretärs zu erinnern hatten , standen harrend in der Nähe ... Ceccone plauderte , wie gleichgültig , von der heutigen Speisestunde im Palazzo Rucca und seufzte über seine Sorgen ... Eine » Hochzeitsreise « hatte Olympia abgelehnt . Sie feierte ihren » Lendemain « nach italischer Sitte .... Vor hunderttausend Zeugen ... Heute Abend sollten zwei Musikchöre die halbe Nacht hindurch am » Pasquino « spielen ... Große Feuerbecken beleuchteten dann den Platz ... Fässer , mit Reisholz gefüllt , Pechkränze wurden abgebrannt ... Der