Werke ? Was hast du denn vor ? Komm ' , Täubchen ! Komm ' ! sagte die Alte mit künstlichem Scherz und zog ihre Gebieterin , ihre Freundin , ihr Kind durch das Zwischenkabinet in das türkische Zelt . Komm ' in deine Sphäre ! Laß mir die meine ! Du weißt , ich krame gern ! Erst unter den lachenden , rauschenden , streitenden , neckenden Eindrücken ihrer heut ' überfüllten Salons sammelte sich Pauline von Harder , die einen von den Todten Erstandenen , eine der grauenhaftesten Erinnerungen ihres Lebens gesehen zu haben glaubte ... Die Ludmer sorgte für die Bedienung ... Hackert ging , von den Bedienten wegen seiner langen Entrevue mit der allmächtigen Frau Ludmer ( auch » Hausdrache « genannt ) , mit vieler Rücksicht behandelt ... Es war kalt ... Er hatte einen Paletot unten hängen , den ihm Franz selber anziehen half ... Vor ' m Hause suchte er unter den Wägen den des Justizraths Schlurck , in den er einst vor diesem eisernen Portal so listig eingeschlüpft war ... Er fand ihn nicht und besann sich , daß Schlurck seine Equipage abgeschafft hatte ... So wird sie der Prinz Egon nach Hause fahren ! dachte er ... Er wandte noch einen Blick auf die hellen Fenster zurück , dann ging er der Stadt zu , heute für seine träge und gleichgültig gestimmte Natur fast überfüllt mit Anregungen und den merkwürdigsten Thatsachen ... Die Geheimräthin aber hatte für den Abend alle Fassung verloren und benahm sich so verwirrt , so beängstigt , daß Schlurck hätte sagen können , auch sie hätte wol Gespenster gesehen . Er sagte es aber nicht . Er war schon längst nach seiner geheimnißvollen Unterredung mit dem Premierminister aus dem türkischen Zelte blaß und ernst hervorgetreten , hatte einen wehmüthigen , von Melanien mitten unter Scherzen wohlaufgefaßten , wohlverstandenen Blick auf sie geworfen und war in einem gemietheten Fiaker in aller Stille nach Hause gefahren ... Melanie folgte ihm eine Stunde später , nicht im Wagen des Prinzen Egon , sondern in dem der Geheimräthin , den diese ihrer jungen Freundin für diese Abende regelmäßig zu Gebote stellte . Siebentes Capitel Zerbrochene Ringe Louis Armand , der mit Murray und dessen polizeilicher Eskorte fast zu gleicher Zeit in der Residenz angekommen war , ging vom Profoßhaus voll Betrübniß zwar , doch nicht ganz ohne Hoffnung für Murray ' s ferneres Schicksal in seine bescheidenen Zimmer zurück , die sich inzwischen nach seinem Wunsche durch das von Rafflard innegehabte noch vermehrten . In der Werkstatt fand er alle seine Anordnungen befolgt . Diejenigen Gesellen , welchen er , unterbrochen zwar von den vielen in sein Leben eingreifenden Begebenheiten , doch mit gründlichster Anleitung seine Art zu arbeiten mitgetheilt hatte , waren in der Befriedigung seiner strengen Ansprüche vorgeschritten . Er fand , daß man die Modelle zu Holzarbeiten , die er aus Thon geformt zurückgelassen , wohlgelungen in Holz nachgeahmt hatte und freute sich , daß sein auf Märtens ' Namen gehendes Geschäft inzwischen einen unerwarteten Aufschwung genommen hatte . Waren auch die Zeiten für Kunsttischlerei und Modellirarbeit , einen Luxuszweig der Gewerbe , nicht eben günstig , stockten ohnehin bei dem politischen Drucke , der auf den Gemüthern lastete , alle Industrieen , so waren doch die Leistungen , die Louis Armand in seinem Fache aus Paris mitbrachte , zu auffallend gewesen , als daß sie ihm nicht eine reichliche Nachfrage dennoch hätten zuwenden sollen . Frau Märtens war » kurios « , wie sie sagte , wie Fränzchen lebe , ob sie nicht grüßen lasse , ob der alte Sandrart nichts dem jungen sagen lasse , ob Heunisch » allegro « wäre . Louis war so rasch , so übereilt von Hohenberg abgereist , daß er alle diese Fragen nur unvollständig beantworten konnte . Höchlichst verwundert war Frau Märtens , daß Fränzchen nicht bei ' m Onkel , sondern mit dessen » Permission « im Hause eines dem alten Sandrart so nahewohnenden Ökonomen , des Generalpächters der Fürstlich Hohenbergischen Besitzungen , lebte . Sie malte sich das Verhältniß in großartigsten Umrissen aus und freute sich , dem jungen Sergeanten , der ein treufleißiger Besucher der alten Leute geblieben war , eine so neue Mittheilung stecken zu können . Ei , sagte sie , in der Küche ist sie nicht perfekt , aber einen Böfflamoth , einen Bissteck und einen Amuleth kann sie machen . Von einem Verhältnisse zwischen Louis selbst und diesem des Boeuf à la mode , des Beafsteaks und der Omeletten kundigen Fränzchen war nicht die Rede . Der sonderbare kleine platonische Roman , der sich zwischen Louis und Franziska angesponnen hatte , war von Frau Märtens und ihrer Brille völlig unbeachtet geblieben . Die halbwüchsige Gelehrte bemerkte in Liebessachen nur das Auffallende , das Hochromantische , durchschlagend Tragische und in Holzschnitten Darstellbare , ja selbst dem jungen Sandrart » schwante « nur etwas und einige Tage später , als Louis in der Werkstatt stand , nahte er sich Diesem ganz zutraulich mit der Frage nach Heunisch , seinem Vater , nach Fränzchen , dem ganzen Ullagrund und wünschte zu wissen , wie er Alle verlassen hätte . Louis war tief verdüstert . Er war bei Egon gewesen und hatte ihn nur zwischen Thür und Angel sprechen können . Was hatte er gehört : Da bist du schon ? Louis du bist zurück ! Was hat dich heimgejagt ? Dein Geschäft ? Deine Bestellungen ? Sieh ! Sieh ! Du fandest Alles vortrefflich - du schriebst mir , daß Ackermann ein Tausendkünstler ist - Gott gebe seinen Segen - nun willkommen , Louis - ah , Louis - wo nehm ' ich Tage her , die mehr Stunden zählen als vierundzwanzig ! Wann werd ' ich dich ordentlich sprechen können ? Siehst du , Das hab ' ich von Eurer politischen Laufbahn - nun bin ich mitten im Gewühl - vergib die Eile , Louis - Und mit diesen Worten hatte sich Egon an Sollizitanten