Prinzen Gustav sein ? Ihn soll der Teufel holen , wenn das nicht wahr ist ! « Aber Wilhelmi entgegnete ganz gelassen : » Wie würde ich es wagen , Ew . Majestät eine solche Unwahrheit zu sagen . « » Weiß es der General ? « forschte Friedrich weiter und setzte hinzu , als Wilhelmi die Frage bejaht hatte : » Gut ! Sag ' Er seinem General , daß er heute mittag bei mir speisen soll . « Bei Tafel bemerkte Friedrich wie von ungefähr : » Weiß Er nicht , lieber Hülsen , wo sein Leutnant Wilhelmi eigentlich her ist ? « » Nein , Majestät . Der Prinz Moritz hat ihn mir empfohlen . « » So ? « sagte Friedrich und sah Hülsen scharf an . » Er weiß also wirklich nicht , wo der Wilhelmi her ist . Nun , wenn Er ' s nicht weiß so will ich ' s Ihm sagen : der Leutnant Wilhelmi ist ein Sohn des Prinzen Gustav . « Hülsen , der sein Geheimnis entdeckt sah , gestand nun dem Könige , was er über Wilhelmis Abkunft wußte und erklärte , daß er durch Ehrenwort zum Schweigen verpflichtet worden sei . Jetzt verlangte Friedrich , daß er ihm den jungen Mann abträte . Hülsen tat dies ungern , wagte jedoch nicht , einen Einwand zu machen . Von der Tafel heimgekehrt , beschied der General den plötzlich zu Stellung und Ansehen gelangten Wilhelmi zu sich und machte ihm heftige Vorwürfe dar über , daß er ihm seine Unterredung mit dem Könige verheimlicht habe . Der junge Mann entgegnete aber dreist : » Herr General , Sie haben mir den Befehl des Königs , der mich zu sich beschied , ebenfalls verschwiegen , und da mich Majestät nach meinem Herkommen fragte , mußt ' ich ihm doch die Wahrheit sagen . Zudem hielt ich den günstigen Augenblick für gekommen , mein Glück zu machen . Warum sollt ' ich ihn nicht benutzen ? « Wilhelmi wurde nun ins Gefolge des Königs aufgenommen und auf dem Schlachtfelde von Liegnitz ( 1760 ) zum Hauptmann ernannt . Gleichzeitig beauftragte ihn Friedrich mit den Geschäften eines General-Quartiermeisters , in welcher Stellung er sich nützlich zu machen verstand . Er entwarf unter anderem dem Könige einen Plan zur Herstellung eines leichten Artilleriekorps . Friedrich konnte ihn indessen nicht hinreichend belohnen , weil höhere Militärchargen grundsätzlich Bürgerlichen verschlossen waren . Da sagte der Monarch eines Tages zu ihm : » Hör ' Er mal , so wie es mit Ihm steht , kann nichts aus Ihm werden . Ich werd ' Ihn adeln . Welchen Namen will Erführen ? « Wilhelmi wählte den Namen des anhaltischen Ortes Gröbzig , in dem er erzogen worden war » Gröbzig ? « wiederholte Friedrich , » nein , das ist ein häßlicher Name . Weiß Er was ? Er soll von Anhalt heißen . Damit aber die Fürsten dieses Namens nichts dagegen haben , so bewerb ' Er sich um ihre Einwilligung . « Diese Einwilligung . 23 seitens der fürstlichen Familie von Anhalt wurde Wilhelmi ohne weiteres erteilt , der von diesem Zeitpunkt an die Gunst des Königs immer mehr gewann . Unter anderen Kriegstaten erhielt sein kühner Angriff auf einen österreichischen Posten im Gebirge bei Leutmannsdorf , 1762 , des Königs vollste Anerkennung . Friedrich ernannte ihn infolge dieser Heldentat zum Oberstleutnant und händigte ihm acht Verdienstorden für seine Offiziere ein . Nach dem Friedensschlusse stieg er immer höher , wurde , nachdem er 1765 Plaue erstanden , drei Jahre später Generaladjutant und 1783 Generalleutnant und Gouverneur in Königsberg . Auf den Ausgang seines Lebens und seine Großtaten in Plaue komme ich weiterhin zurück . Aber was Mirabeau 1786 , kurze Zeit nach dem Tode des Königs , über von Anhalt schrieb , mag , als Ergänzung zu dem Vorstehenden , schon hier eine Stelle finden . » Der neue König « , so schreibt Mirabeau den 10. Oktober 1786 , » hat soeben dem Herrn von Anhalt den schwarzen Adlerorden verliehen . Herr von Anhalt ist von einer Köchin und sehr vielen Vätern geboren . 24 Er war erst Pferdeknecht und wußte sich dadurch seinen Lebensunterhalt zu verschaffen , daß er den Offizieren eingeschmuggelten Kaffee verkaufte . Dann wurde er Spion und hatte den Prinzen von Preußen , den jetzigen König , auf Schritt und Tritt zu bewachen . Er ging dabei weiter als nötig und wußte in seine gehässigen Erzählungen auch giftige Ratschläge zu mischen , was endlich die Vollziehung einer Grausamkeit veranlaßte , die man nicht Geschicklichkeit genug hatte zu bemänteln und nicht Mut genug voll auszuführen . « ( Diese ganze Stelle , völlig unverständlich , ist sehr wahrscheinlich mit Absicht in Dunkel gehalten . ) » General von Anhalt « , so fährt Mirabeau fort , » hat übrigens mehr Kriegstalent , als man bei seiner sonstigen Dummheit glauben sollte . Niemals ist er kaltblütiger , als an der Spitze seiner Soldaten . Und so stieg er denn bis zum Generalleutnant . Da er ohne Geist ist ( das Wenige , was er davon hatte , verlor er durch einen schrecklichen Sturz , infolgedessen er trepaniert werden mußte ) , so bleibt er mutmaßlich auch fernerhin in Gunst . In Königsberg , wo er bis jetzt das Kommando hatte , war er allgemein gehaßt , was ihm freilich in Potsdam , wo man die Ostpreußen seit sechsundvierzig Jahren verabscheut , eher zum Vorteil als Nachteil angerechnet wurde . Wenige Tage vor dem Tode des Königs wurde von Anhalt nach Sanssouci berufen . › Er hat eine von Seinen Töchtern verheiratet ? ‹ empfing ihn der König . › Ja , Sire ... Und ich fühle es . ‹ › Wieviel hat Er seiner Tochter mitgegeben ? ‹ › Zehntausend Taler . ‹ › Das ist viel für Ihn , da Er nichts hat . ‹ Den folgenden Tag empfing er vom Kämmerier eben diese Summe , zehntausend Taler , und