d ' Ardizza - nichts blieb ungenannt ... Der unglückliche Pilger hatte Bogen vollgeschrieben mit Geständnissen , die dem Fürsten Rucca Gelegenheit zu einem Strafgericht geben sollten ... War nun dies Convolut mit Pasqualetto mitgekommen ? ... Wo befand es sich ? ... Es fehlte ... Hier fragte Lucinde , warum sich der Fürst diese Papiere nicht schon früher hätte zuschicken lassen ... Er erwiderte , er mistrauete der Post ... Wer kann sich auf Eure Post verlassen ! sagte er bitter und zornig ... Der Fürst , entgegnete Ceccone sich bekämpfend , wollte nur noch mehr vom Pasqualetto erfahren , als was dieser wagen würde niederschreiben zu lassen ... Lucinde sah , daß es den alten Fürsten mächtig gereizt hatte , gerade die Würdenträger der Kirche , die festesten Säulen der Prälatur , einer Aristokratie , die noch immer in ihm den Nachkommen eines Bäckers sah , wenn nicht zu compromittiren , doch necken und in Schach halten zu können ... Er glaubte nicht , daß der Räuber schriftlich diese und ähnliche Namen angeben würde ... Deshalb wünschte er das persönliche Erscheinen ... Vincente ' s Stimme erhöhte sich jetzt seltsam ... War es deshalb , weil sich die Zahl der Unglücklichen , die in den Händen der Räuber lebten , mehrte und es dem Frevel galt , daß sogar das gesalbte Haupt eines Bischofs in diese blutigen Dinge verwickelt wurde ? ... Lucinde hörte , daß Grizzifalcone endlich hatte kommen wollen ... Doch ließ er vorher noch den Bischof von Macerata verschwinden ... Vom Besuch eines Weinbergs , zwischen den Bergen dahinreitend , war der hohe Prälat nicht wieder nach Hause gekommen . Pasqualetto hatte sich seiner als einer Geisel versichert ... Im » Diario di Roma « wurde die Schuld dieses Ueberfalls allerdings nur dem Pasqualetto zugeschrieben ; aber wie sehr man versicherte , daß die bewaffnete Macht ausgezogen sei , den gefangenen Prälaten zu befreien , man konnte seiner nicht habhaft werden und wollte es auch nicht - das sagte sich Lucinde ... In der officiellen Zeitung stand nichts von diesem geheimen Zusammenhang eines so betrübenden Vorfalls mit einem großen Staatsact der dreifachen Krone ... Nun endlich erscheint Pasqualetto . Vielleicht , um sich noch sicherer zu stellen , raubt er vom Hochzeitsfest des Fürsten Rucca noch einen der Gäste ... Da unterliegt er selbst ! Alle Hoffnungen sind dahin ! Die Verhandlungen eines Jahres vereitelt ! ... Der Stand der ganzen Frage beruhte jetzt auf dem Leben und der Freiheit zweier Gefangenen , von denen der eine ein hoher kirchlicher Würdenträger war , der andre die Kenntniß der Liste hatte ... Wäre nur diese Liste gerettet ! seufzte der Fürst .... Die Gerichtspersonen hatten ausgesagt , daß sich , als man die Kleider des Erschossenen untersuchte , in den Taschen Amulete , Muttergottesbilder , geweihte Schaumünzen genug vorfanden , auch sämmtliche Briefe eines Kochs des Fürsten , der die Correspondenz geführt hatte ; aber weder in den Taschen , noch in der Spelunke , wo Pasqualetto abgestiegen war , noch bei gefangenen Complicen fand sich die Liste , auf die die ganze Sehnsucht des Fürsten brannte ... Nun bereuete er , den schriftlichen Verkehr durch die Post nicht vorgezogen zu haben . Nun bereuete er seine gestrige Angst , die ihn bestimmte , so eilends zu entfliehen ... Wie bitter deutete er dem Cardinal an , daß dieser die Liste wahrscheinlich gestern sogleich aus der Tasche des Ermordeten selbst zu sich gesteckt hätte ... Es waren freilich nur Blicke und Flüsterworte , die die in Demuth fern Stehenden nicht hörten ... Lucinde verstand sie aber ... Der Cardinal nannte in allem Ernst den Zischelnden jetzt einen Hanswursten und verlangte von ihm - ja von Ihnen , Altezza ! - den Bischof von Macerata heraus ... Pater Vincente hatte vom Schicksal des Bischofs mit bebendem Ton gesprochen ... Pasqualetto ist todt ! rief Ceccone . Wo finden wir das gesalbte Haupt eines der frommsten Priester der Christenheit wieder ! ... Und wo - wo find ' ich - die von dem Pilger geschriebene Liste ! fiel der ergrimmte Fürst ein ... Der Koller des Zorns ergriff den kleinen Mann zum Schlagtreffen . Wenn er den fremden Franciscanerbruder nicht um seine vorschnelle Art , hier in Rom auf Spitzbuben Pistolen abzuschießen , persönlich mishandelte , wenn er sich durch die Ankunft der Donna Lucinde hindern ließ , die Worte , die er vorhin gesprochen , zu wiederholen : » Ihr hättet eine Zofe wie diese , und wäre es auch Eure spanische Herzogin selbst gewesen , zehnmal sollen zum Teufel fahren lassen - ! Wo in aller Welt ergreifen hier Mönche die Waffen ! « so war es , weil er wiederholt von Hubertus verlangte , daß dieser seine Uebereilung durch eine That voll Muth , Entschlossenheit und Discretion wieder gut machen sollte ... Hubertus stand erwartungsvoll und im höchsten Grade bereit dazu ... » Wie soll ich es ? « fragte nur über die näheren Einzelheiten statt seiner Lucinde ... Sie hörte jetzt noch mehr von jenem Pilger ... Hubertus hatte erklärt , diesen Pilger zu kennen ... Unfehlbar müsse es derselbe gewesen sein , mit dem er über die Apenninen geklettert und zuerst beim Besuch der » heiligen Orte « des Sanct-Franciscus auf der Penna della Vernia zusammengetroffen war ... Das Leben dieses Pilgers hing ohne Zweifel von einem Haar ab , falls er noch unter den Räubern geblieben war und unter den Zollbedienten die Kunde seiner Beihülfe zum Verrath sich verbreitete , die Kunde seines vielleicht abschriftlichen Besitzes der Liste ... Hubertus hatte schon so viel von diesem Pilger erzählt , daß Lucinde begreifen konnte , warum auch Pater Vincente lebhaft für ihn eingenommen schien und einmal über das andere das Schicksal des armen Gefangenen beklagte ... Lucinde hörte das Gepolter des Fürsten ... Sie hörte , was sie übersetzen sollte ... Die Schilderung der unzugänglichen Schluchten am Meer , wo Pasqualetto zu hausen pflegte ... Die Schilderung der List und Verschlagenheit , mit