Dietrich von Quitzow war 60 Jahre alt , als er mit seinem einzigen Sohne Philipp , und zwar auf dem weiten Waldreviere , das sich von Sterbitz bis Breetz zieht , eine Jagd abhielt , zu der man den ganzen Adel der Umgegend geladen hatte . Reiche Beute wurde gewonnen , und als die Sonne niederging , zogen alle nach der Eldenburg zurück , um daselbst einen Nachttrunk einzunehmen . Beim ersten Freihofe von Seedorf war eine Furt und als man drüben an der anderen Seite der Elde hielt , schlug Kurt Dietrich vor , unmittelbar am Fluß hin , unter hohen Bäumen und Schilf und Rohr zur Seite , den Rest des Weges zurückzulegen . Und siehe da , während er noch so sprach , war man bis auf hundert Schritt an einen hoch in Schilf stehenden Sumpf gekommen , den die nicht länger mehr in Zucht und Ordnung gehaltenen Hunde sofort umspürten und umwitterten . Philipp von Quitzow eilte so rasch wie möglich den Hunden nach , um zu sehen , was es sei , und ward alsbald einer Wildsau gewahr , die sich mit klaffendem Rachen und glühenden Augen vor ihm aufrichtete , wenig bekümmert um die Rüden , die von allen Seiten her auf das Tier losfuhren . Philipp , einigermaßen erschreckt , suchte den Rest der Jagdgesellschaft wieder auf und erzählte , was er gesehen . Als er bei seiner Rückkehr aber verhöhnt und ein Feigling gescholten wurde , lief er in Aufregung nach der Sumpfstätte zurück , zog sein Weidmesser und stürzte sich auf das Wildschwein . Dabei glitt er zu seinem Unheil aus und wäre verloren gewesen , wenn ihm nicht der rasch hinzueilende Vater das Weidmesser aus der Hand gerissen und den Kampf mit dem Tiere nun seinerseits aufgenommen hätte . Des Alten Absicht ging ersichtlich dahin , dem Wildschwein die Faust in den Rachen zu stoßen und das Messer dabei so zu halten , daß das Tier , beim Zuschnappen , die Klinge sich in den Schlund pressen mußte ; leider aber mißlang das Wagnis , das Messer glitt seitwärts und die vorderen Zähne des Schweines zermalmten furchtbar des Ritters Hand und Arm . Was half es , daß sich inzwischen die ganze Jagdgesellschaft herangedrängt und den Alten aus seiner mißlichen Lage befreit hatte ? Die rechte Hand bildete nur noch einen unförmigen Stumpf und der Silberring war fort . In tiefer Niedergeschlagenheit legte man die letzte Strecke des Weges zurück und bettete den Alten auf sein Lager . Hier litt er unsäglich und als der andere Morgen da war , befahl er , einen Priester aus Lenzen zu holen . Und nun war es just wie damals , wo der Vater ihm und seinem älteren Bruder seine Sünde bekannt hatte . Denn kaum , daß der Priester erschienen , so mußte der Sohn mit hinzutreten und hörte nun die Beichte von dem Brudermord . Die Nacht darauf aber , als er mit seinem Sohne Philipp allein war und wohl fühlte , daß es zu Ende gehe , schob er sich in die Kissen höher und sagte : » Ja , Philipp , die Wildsau , das war der Teufel . Ich hab es deutlich an den Glutaugen und an dem heißen Atem gespürt . Und der Ring ist hin . Und ist auch gut so . Denn der Name der › Quitzows mit dem Silberringe ‹ hatte keinen guten Klang mehr , seitdem ihn erst mein Vater und danach ich selber entwürdigt hatte . So entweiht , hätte der Silberring unserem Geschlechte keinen Segen mehr gebracht . Und so will ich es denn mit einer frommen Stiftung versuchen , aber nicht von dem › Judengelde ‹ . Nein , nimm das , was ich sonst noch gespart , und laß das Röhricht abschneiden an der Sumpfstelle , wo der Teufel mich zu Tode getroffen , und laß Stein und Sand aufschütten und wenn du festen Baugrund hast , dann baue ein Pfarrhaus darauf , das der Eldenburger Gemeinde bis diese Stunde gefehlt hat , und zum Unterhalte nimm Peter Rogges Hof und laß das alles bestehen zu bleibender Erinnerung an mein Verbrechen und meine Reue . « Dieselbe Nacht noch ging Kurt Dietrich heim und Philipp von Quitzow legte den Grundstein zu der Eldenburger Pfarre . Die Pfarre selbst aber ( mehrere kleine Gemeinden umfassend ) empfing den Namen der » Pfarre zu Seedorf « , weil sie , nach Art einer Flußinsel , zwischen Löcknitz und Elde gelegen ist . Da steht sie bis diesen Tag als einziges Überbleibsel von dem Wirken und Walten eines alten Rittergeschlechts und erzählt , » daß die Sünde der Leute Verderben « , aber bekundet zugleich auch das andere , versöhnungsreiche Wort : » Lasset uns Gutes tun , solang es noch Zeit ist , allermeist aber an des Glaubens Genossen . « 15. Kapitel 15. Kapitel Die Johannisnacht in der Kirche zu Seedorf Rühstädt ist die Ruhstätte der Familie ( war es wenigstens ) , aber ihre » nächtliche Heerschau « haben die Quitzowschen Toten in der Kirche zu Seedorf . Da ruht Kuno Hartwig III. aus der Eldenburger Linie , Sohn oder Enkel Philipps , gestorben als ein Komtur des Johanniterordens , und in der Johannisnacht steigt er , in dem schwarzen Johannitermantel mit dem achtgespitzten Kreuz , aus seinem Grabe . Dann kommen alle Quitzows zusammen , » viele blanke Kerle « , wie sich das Volk erzählt , und haben ihren » Tag « und ihre Familienandacht . Und Kuno Hartwig , als Patron und Ordensherr , wartet seines Amtes und empfängt alle die , die herzukommen , in der von einem hellen Schein erfüllten Kirche . Der mit der Stumpfhand ist auch dabei , aber muß sich von den übrigen getrennt halten und seitab und unterhalb des Turmes bei der Totenbahre stehen , als einer , der der Kirchenbuße verfallen . Um ein Uhr dann erlischt der helle Schein wieder und mit ihm sind alle verschwunden . Plaue