eines Zwillingspaares genas , änderte sich ihre Haltung und sie bewies von nun an ihrem Gatten ebensoviel Liebe , wie sie früher nur Spott und Übelwollen für ihn gehabt hatte . Die Zwillinge wurden Hans und Kurt Dietrich getauft und wuchsen zur Freude beider Eltern heran . Hans , der ältere , war ernsteren , Kurt Dietrich übermütigen Sinnes . Als der Vater aber zu sterben kam , rief er beide zu sich heran und erzählte , weil er sein Gewissen befreien wollte , daß er in seinen jungen Jahren ein großer Sünder vor Gott gewesen sei , dieweilen er den flüchtigen Juden , die vor seinem Schlosse vorbei mußten , einen schweren Damm- und Wegezoll abgepreßt habe . Das war das eine , was der Alte sagte . Danach aber kam das zweite , wonach er beide Brüder zu Erben in der Eldenburg einsetzte , dem älteren nur ein Aufsichts- und Entscheidungsrecht einräumend , zum Zeichen dessen er ihm den so genannten Quitzowring überreichte . Dieser Ring war seit 1308 bei der Familie , wo Markgraf Waldemar einen damaligen Kuno Hartwig von Quitzow mit der eben erbauten Eldenburg belehnt hatte . Zur Weihe der neuen Burg aber war ein Priester aus Havelberg erschienen und hatte zu dem vor ihm Knieenden die Worte gesprochen : » Und nun , Kuno Hartwig von Quitzow , um dich fester zu binden an das dir anvertraute Schloß , verlobe ich dich im Auftrage des hochwürdigen Landesbischofs zu Havelberg mit der Eldenburg und stecke diesen Ring aus geweihtem Silber vom Tempel aus der heiligen Gottesstadt Jerusalem an deine Hand . Der Bischof hat es befohlen , der Markgraf hat es gnädig genehmigt . Nun laß Gott walten . « Das war der » Silberring der Quitzows « , der sich , Talisman und Zeichen der Herrschaft zugleich , durch zwei Jahrhunderte hin von Geschlecht zu Geschlecht weiter vererbt hatte . Jetzt befand er sich am Ringfinger des älteren Bruders Hans . Die Zwillinge lebten sorglos in den Tag hinein , vor allem der Jüngere , der zur Verschwendung neigte , was dem Älteren endlich Veranlassung gab , ihm Vorhaltungen zu machen . Das verdroß aber den jüngeren Kurt Dietrich und böser Neid begann sich in seiner Seele festzusetzen . Wie , wenn ihn schließlich der Bruder , der Erbe des Ringes , kraft dieses Herrschafts-und Besitzeszeichen von der Eldenburg ein für allemal vertriebe ? Vielleicht unter dem Vorwande , zuviel Geld vergeudet oder es in diesem und jenem zu toll getrieben zu haben ? Das durfte nicht sein , und diesen und ähnlichen Grübeleien hingegeben , kam ihm ein teuflischer Plan . Ein Jahr mochte seit des Vaters Tode vergangen sein . Beide saßen beim Frühmahle , die Knechte waren nach dem Priemerwald auf Arbeit geschickt , während die Mägde mit der Schaffnerin bei der Wäsche waren . Kurt lenkte das Gespräch auf den Vater und sagte : » Ja , die Judenklemme . Warum uns der Vater dies nützliche Werkzeug nur immer verborgen gehalten hat ! Wir sollten einmal hinaufsteigen und uns das Ding ansehen . « Hans , der ältere , war es zufrieden und so kletterten sie die Leiter bis in das Turmgemach hinauf . Hier oben überkam sie momentan ein Grausen beim Anblick der Klemme , bis sich Kurt , der Anwandlung Herr werdend , nach einer Weile lachend auf das Hufeisen setzte : » Schön sitzt sich ' s nicht darauf ! Die Hispanischen haben es wirklich verstanden , die Juden zahlungslustig zu machen . Willst du ' s nicht auch einmal versuchen ? « Hans ging auf den Scherz ein . » Warum nicht ? « Und er setzte sich hinein , preßte selbst das Quereisen über die Knie und schob das Schloß vor die Öse der Stange . Gleich darauf aber sprang Kurt in scheinbarer Ausgelassenheit hinzu , befestigte die gespreizten Arme des Bruders an der Hinterwand und nestelte ihm die Ketten von beiden Seiten her um den Leib . Und dabei zog er verstohlen den Schlüssel aus dem Schloß der Querstange . Nun gab es ein Lachen über den » Juden in der Klemme « , bis Hans , des Probierens müde , wieder aufzustehen begehrte . » Gewiß , gewiß . Aber wo ist nur der Schlüssel ? « Und nun begann Kurt zum Schein am Fußboden zu suchen . » Oder sollte ich ihn unachtsamerweise mit dem Fuße beiseite geschoben haben ? Vielleicht daß er unten liegt . « Und bei diesen Worten stieg er hinab und nahm die Leiter und versteckte sie hinter Strauchwerk und Gebüsch und horchte , bis das leise Wimmern , das er vernahm , ihn von seiner Horcherstelle vertrieb . Endlich , den dritten Tag , war Hans seiner Qual erlegen und Kurt streifte kaltblütig den Silberring von der Hand des Toten , den Toten selbst aber begrub er im Sande nahe dem Turm . Und nun ließ er Boten ausreiten , die nach dem Verschwundenen suchen mußten . Als aber alle wieder daheim waren und den so nah im Sande Verscharrten auf ihrer Suche nur zu gewiß nicht gefunden hatten , tat er , was äußerlich Rechtens war , und meldete dem Kurfürsten , daß der Bruder spurlos verschwunden , des Verschwundenen Silberring aber in seiner Lade gefunden sei . Da wurde denn Kurt Dietrich der Jüngere mit der Eldenburg belehnt und empfing in einem feierlichen Belehnungsakte den Quitzowring . Er trug ihn auch von Stund an und stand in Ansehen und ritterlichen Ehren , aber die mit ihm unter einem Dache lebten , bemerkten doch allerlei Sonderbares an ihm . Immer zur Zeit der Tag- und Nachtgleiche war er eine Woche lang unstet und ruhelos und erhob sich von seinem Lager und ging auf den Turm zu . Da stand er eine Weile , richtete das geschlossene Auge nach oben und kehrte dann erst nach dem Schlosse zurück . Tags darauf sah er verstört aus und mochte während der Zeit den Silberring nicht tragen . * Kurt