so an , als wenn sie eines Tages seine Beute werden sollte - ... Sie dachte über die Bedingungen eines so außerordentlichen Sieges nach ... Hätte sie sich je dergleichen von Rom träumen lassen ! ... Nur die Herzogin von Amarillas wurde ihr mit einem jeweiligen sonderbaren Lächeln bedenklich ... Den Lebensbeziehungen Bonaventura ' s war sie wieder in einem Grade nahe , der ihr die glänzendste Genugthuung werden mußte ... Sie sah , daß er sein Amt mit einem auffallenden Streit gegen den Erzbischof von Coni begonnen hatte ... Der Gegenstand desselben gehörte den Gerechtsamen der Inquisition an , die zwar nicht mehr mit Scheiterhaufen , aber immer noch mit Einkerkerungen strafen kann ... Die Dominicaner sind die Wächter des Glaubens ; sie halten auf ihre Vorrechte um so eifriger , als die Jesuiten sie im übrigen überflügelt haben ... Der gestürzte , von Bonaventura befehdete Fefelotti war nicht im mindesten in dem Grade unterlegen , wie Ceccone gewünscht hatte ... Gegen einen unruhigen Bischof seiner Diöcese konnte ihn Rom vollends nicht fallen lassen ... Noch mehr ; Fefelotti kam in die unmittelbarste Nähe des Vaticans zurück . Er wurde der erste geistliche Minister Sr. Heiligkeit , während Ceccone der weltliche war ... Jetzt wurde Bonaventura ' s Lage vollends schwierig - ... Noch ein anderer Schlag gegen ihn war in Vorbereitung , die Verurtheilung der dem apostolischen Stuhl aus Witoborn vorgelegten Frage über den Magnetismus - » ob sich ein Priester nicht durch magnetisches Handauflegen verunreinige « 1 ? ... Mitten im Gewirr dieser sich durchkreuzenden Gerüchte und leider nur halbverbürgten Nachrichten , hörte Lucinde , daß Paula ' s Bund mit dem Grafen Hugo wirklich im Frühjahr war geschlossen worden ... Resi Kuchelmeister schrieb ihr authentisch diese Nachricht ... Resi schilderte , was sie gehört von der in der Libori-Kapelle bei Westerhof stattgefundenen Trauung ... Sie schilderte Paula ' s erstes Auftreten - in Wien - wie die geisterbleiche , mehr dem Himmel , als der Erde angehörende Gräfin ein Aufsehen sondergleichen mache , wie sie alle Schichten der Gesellschaft in Bewegung setze ... Lucinde befand sich im Glück ; das machte ihr Urtheil milder ... Bonaventura hatte Paula aufgeben müssen ; das ließ eine Weile ihre Eifersucht schweigen ... Auf der Höhe des Verständnisses dieser unglücklichen Liebe stand sie ohnehin und wohl empfand sie , was in Paula ' s Seele vorgehen mußte ... Graf Hugo hatte ihr einmal eine schreckhafte Stunde des Lebens bereitet , er hatte zornig und drohend mit ihr gesprochen und so schrieb sie denn an Resi : » Das ist unser Frauenloos ! Die Lilie vom See in einen Stall verpflanzt ! Veilchenkränze vom Bachesufer in ein mit Tabacksqualm durchzogenes Zimmer ! Hände , weich und weiß wie Schwanenflaum , blätternd jetzt in einem abgegriffenen Lebensbuch ! Aber gewiß ! Der Graf wird sie schonen ! All die Künste der Egards , mit denen die Männer sich zu verstellen wissen , wird er entfalten ... Er wird sich auf den Ton der Tugend und Achtung vor dem Schönen stimmen ! Wie wird er um sie her einen Tempel aus bunten Lügen-Wolken bauen , einen Tempel mit schönen Säulen und Vorhängen , die undurchsichtig sind , um - den Stall , die Cigarre , den Wein , die Untreue zu verbergen ! ... Aber manchmal verwickelt sich denn doch der Sporn des plumpen Fußes in die zarten Teppiche , die auf dem Boden gebreitet sind ; manchmal reißt er die Herrlichkeit der Lüge zusammen . Da stürzen die alabasternen Vasen , zerbrechen die kleinen Hausgötter des Friedens , der erlogene Seladon wird zum schnurrbärtigen Barbaren , wie ich sie alle gefunden habe , diese Erlauchts , diese Excellenzen , diese Durchlauchts ... Dann kommen Dinge zu Tage , die für uns Frauen wie Offenbarungen aus der Welt des Mondes sind ! Seit dem Anfang der Welt belügen so die Männer die Frauen , misbrauchen mit ungroßmüthiger Kraft unsere urewige Schwäche , die immer wieder die Füße küßt , die uns getreten ... Vielleicht führt der Graf seine Rolle wenigstens durch bis zum stillen Verlöschen des Lichts , das ihm der Himmel zu hüten beschieden hat . Vielleicht besitzt er , da sie ihn gutmüthig nennen , wenigstens die Geduld des Ausharrens bis zum Ende ... Ich kann mir den Glauben der Aerzte nicht geben , die diese Paula wie eine welk gewordene Blume an solchen Küssen und Umarmungen aufleben sehen und eine gesunde Mutter mit sechs pausbackigen Jungen in Perspective dieser Ehe erblicken . Zieht der Graf nach Schloß Salem , so fällt aus der dortigen Luft allein schon ein Mehlthau auf die zarte Pflanze ; selbst wenn sie nie erfährt , wer die andre arme Seele war , die einst dort in den kleinen Entresols des Casinos gehaust hat « ... Resi Kuchelmeister nahm diesen Brief sehr übel und antwortete nicht mehr ... Es war eben in der Welt nur Ein Mann , der Lucinden liebenswerth erschien ... Hochthronender denn je unter allem Elend und aller Schwäche dieser Erde lebte er in seinem einsamen Alpenthale ... Wie gern hätte sie ihn in seinem jetzigen Glanz erblickt ! In seiner langen weißen Dalmatica , mit seinem silbernen Bischofsstab , unter seiner spitzen Bischofskrone , die ein Haar bedeckte , das schon , wie sie bei ihrer Beichte zu Maria-Schnee gesehen , zu ergrauen anfing ! ... Wie gegenwärtig war ihr alles , was Bonaventura über diesen Bund Paula ' s empfinden mußte ... Sie ängstigte sich um die Gefahren , die ihn bedrohten ... Hätte sie nur mehr davon erfahren ... Sollte sie sich an den Cardinal wenden ? ... Ceccone hatte den Kopf mit dem » Jungen Italien « und den Vorwürfen des Staatskanzlers voll und Olympia sprach nur selten noch anders , als mit Hohn über den von ihr zum » Heiligsten der Christen « und zum Bischof ernannten Deutschen ... Die Herzogin schien ihr eher eine Bundsgenossin ; doch mußte sie mit dieser - » erst einen Vertrag abschließen