an ... Lucinde würde zur Verzweiflung gekommen sein , hätte ihr jenes Bild der Jugend nicht auch Treudchen Ley als freundlichere Erinnerung vorgeführt ... Durch diese beschloß sie sich zu helfen ... Sie schrieb an » Madame Piter Kattendyk « nach Paris , erzählte , daß sie in der größten Noth wäre , und bat um Hülfe ... Da kam ein unorthographischer , liebevoller Brief , der einen Wechsel auf hundert Dukaten einschloß ... » Das Glück liegt irgendwo , sagte sich Lucinde - wer es nur fände ! « ... In einem kurzen Sonnenschein des Glücks suchen wir die zuerst auf , denen wir gefallen möchten ... So eilte Lucinde zu Resi Kuchelmeister , deren gesunder Ton ihr in freundlicher Erinnerung geblieben war ... Sie fand diese in ausdauernder schmerzlichster Trauer über das Schicksal der beiden alten Männer aus der Currentgasse ... Resi war an sich so loyal , daß sie jedes dem Kaiserhause und ihrem großen schönen Vaterlande bedrohliche Unternehmen für eine Ausgeburt absoluter Nichtswürdigkeit erklärte ; seitdem sich aber Dalschefski und Biancchi auf geheimen Umtrieben hatten betreten lassen , anerkannte sie wenigstens psychologische Möglichkeiten solcher Verirrungen - Frauen beurtheilen alles aus dem Herzen ... Biancchi war denn nur geizig gewesen zum besten der Conspirationen ! ... Ein weitverzweigtes Netz von London über Paris , nach Italien , Ungarn , Polen hatte sich auch um ihn geschlungen ! ... Und Dalschefski lächelte nur deshalb so ironisch , weil ein Greis mit Jugendmuth in den schmerzlichen Nachklängen des Finis Poloniae lebte ... Emissäre hatte » das arme Lamm « nach Krakau und Galizien befördert , Flüchtlinge , Mitverbundene - Spione ... Dem » elenden Pötzl « schrieb Resi , vielleicht mit Unrecht , das Unglück der beiden alten Männer zu , die mit ihren verwöhnten Bedürfnissen , mit ihren großen edlen Fähigkeiten jetzt in grauen Kitteln zwischen den Wällen des Spielbergs leben mußten ... Resi ' s Unmuth war ebenso groß , wie ihre Erbitterung über die Gesinnungslosigkeit der Zickeles , wo Jenny plötzlich that , als erinnerte sie sich kaum des » Schöpfers ihrer Stimme « - sie hatte inzwischen einen neuen Maestro gefunden , der die Methode des vorigen verwarf , wunderbare Enthüllungen machte über den falschen Gang ihrer bisherigen Tonbildung und ihres Stimmansatzes - » eine dilettantische Sängerin ist zu allem fähig ! « sagte Resi ... Aber auch die Bühne gab sie inzwischen jetzt selbst auf ... Wer kann den unglücklichen Männern helfen ! ... dachte Resi ... Sie hatte so vielfache Beziehungen - die einflußreichste , Graf Hugo , war nicht anwesend ... Da fiel ihr ein : Die Herzogin von Amarillas hatte so treu ausgeharrt bei Angiolinens Seelenmetten ... Zu dieser ging sie in den Palatinus ... Olympia , die sie immer noch die Mörderin Angiolinens nannte , war glücklicherweise nicht anwesend ... Als die Herzogin die Bitte vernommen , die darauf hinausging , daß sie sich für einen Landsmann beim Cardinal , dieser aber beim Staatskanzler verwenden möchte , sagte sie voll Staunen : Luigi Biancchi ! ... Sie hörte allem , was Resi in leidlichem Italienisch von einem ihr so wohlbekannten Namen erzählte , mit größtem Interesse und versprach auch das Möglichste zu thun ... Die Herzogin konnte nichts thun ... Zu Olympien durfte kaum der Name Biancchi ausgesprochen werden , ebenso wenig wie zu Ceccone ... Resi vergab ihr den Nichterfolg um des Antheils willen , den die weiche Seele um Angiolinen zeigte ... Resi erzählte das Leben ihrer Freundin , soweit es ihr bekannt war ... Die Herzogin war über jede ihrer Mittheilungen zu Thränen gerührt ... Resi ' s leidliche Gewandtheit im Italienischen bestimmte die Herzogin , von einem Verlangen der Gräfin zu sprechen , eine Deutsche als Gesellschafterin zu engagiren und sie vielleicht mit nach Rom zu nehmen ... Olympia glühte noch ganz für Benno und Bonaventura ... Die Herzogin trug ihr diese Stellung an ... Resi ergriff anfangs den Vorschlag und schien nicht abgeneigt ... Zuletzt legte sich die Anhänglichkeit der Wienerin an ihre Vaterstadt verhindernd dazwischen und so brachte sie » eine Schülerin Biancchi ' s « , ein Fräulein Lucinde Schwarz für diese Stellung in Vorschlag ... Diese bewarb sich und reussirte ... Das System , sich anspruchslos , unbedeutend , vorzugsweise nur an den Uebungen der Religion betheiligt zu stellen , stand Lucinden bei allen Anfängen ihrer Unternehmungen bei ... So sehr es aufregt , stets in einer fremden Sprache reden zu müssen ; so mächtig Phantasie und Herz von den Zaubern Italiens ergriffen wurden , sie beherrschte sich ; sie suchte weder Mistrauen noch Eifersucht zu erregen ... Der Cardinal reiste erst später nach in Begleitung des jungen Fürsten Rucca ... Olympia , die Herzogin und Lucinde gingen voraus ... Lucinde erkannte bald die Natur der Gräfin , die man flüsternd die Tochter des Cardinals nannte ... Sie erstaunte über die Leidenschaft , die sie für Benno von Asselyn zur Schau trug ... Jetzt erst erfuhr sie den eigentlichen Zusammenhang , wie Bonaventura zu einem Bisthum in Italien hatte kommen können ... Benno wurde in Rom erwartet ; die Gräfin sprach von ihm , als sollte ihre Vermählung nicht mit Ercolano Rucca , sondern mit Benno stattfinden ... Nun - war er aber wieder entflohen ... Jetzt wurde sein Name mit Verwünschungen genannt ... Sie hütete sich wol , von ihrer Bekanntschaft mit Benno zu viel zu verrathen ... Bald war ihr der junge Principe Rucca eine Art Piter Kattendyk ; der alte Rucca ein Stück Kronsyndikus ; die Fürstin Mutter eine der vielen alternden Koketten , die sie in ihrem Leben schon kennen gelernt hatte ... Der allmächtige Cardinal hatte geistig alles von Nück ; nur in seinen Manieren war das Streben nach Glanz und Anmuth vorherrschend ... Sie hatte einigemal scharfe Urtheile gefällt , Ansichten über die Zeit , die Verhältnisse Deutschlands ausgesprochen ; bei einigen Festen ging sie in gewählter Toilette ; da merkte sie - Ceccone warf verstohlene , glühende Blicke auf sie ... Es ließ sich ganz