Stall zu bringen , weil Trinette den Hundegeruch in den Stuben nicht leiden mochte ? Wie oft hatte Frau von Kosegarten früher darum gebeten , die Hunde draußen zu lassen , die so viel Schmutz auf die Dielen und den Teppich brachten und sich sogar auf die gestickten Kissen legten – aber das war ganz vergeblich gewesen , und Frau von Kosegarten war längst an ihr Geblaff und ihren Geruch und alle ihre Untaten gewöhnt worden . Der strohköpfige Dorfjunge , der eigentlich Zyprian hieß , nach dem Kalendertag , an dem er zur Welt gekommen war , der aber seit seiner Taufe auch schon den zierlichen Kosenamen Zipperjahn empfangen hatte , zeigte sein freundliches Gesicht , das wie ein Vollmond über der lederfarbenen Livree leuchtete , in der Tür und wurde bedeutet , die Hunde in den Stall zu führen . Während er in etwas ungeschickter Weise bemüht war , die drei Teckel in seine Gewalt zu bekommen , fragte die gnädige Frau nach der Posttasche , und das war zu viel für Zipperjahn . Er ließ die Dackel wieder los , worauf sie mit lautem Gebell durch den Saal jagten , legte die Hände an die Hosennaht , stellte sich in Positur und antwortete feierlich : » Herr Schottenmaier hat die Posttasche an sich genommen . « Er wurde zu seiner äußersten Befriedigung beauftragt , von Herrn Schottenmaier die Posttasche zu verlangen – aber dieser seinem Ehrgeiz so schmeichelhafte Auftrag wurde durch das Erscheinen des Herrn Schottenmaier leider vereitelt . Der alte Diener , weißhaarig , mit geistlicher Würde in der Haltung seines Kopfes über der weißen Halsbinde , öffnete die Tür zum Flur und meldete ernsthaft : » Herr Theodor Debberitz wünscht den gnädigen Herrn zu sprechen ! « Kosegarten richtete einen kindlich bekümmerten Blick auf seinen Sohn . » Du meinst also , ich soll den Kerl empfangen ? « » Aber gewiß , Papa , hören , was er sagt – natürlich ! Mein Gott – nichts gegen die Ehre – aber zahlungsfähig soll er ja sein ! « » Na also – dann führen Sie ihn ins Büro , « sagte Kosegarten , ergeben in alle Unglücksfälle , die das Schicksal über ihn hereinwälzte . Hilde fühlte in diesem Augenblick ein großes Mitleid mit dem alten Herrn . Sie trat auf ihn zu , strich ihm liebkosend über die Schulter . » Onkelchen , der Mann will gewiß nur protzen – hat gewiß gar keine ernsten Absichten ... « » Meinst du , Mädel ? « rief Kosegarten erleichtert . » Du wirst recht haben . Na , dem Kerl will ich aber heimleuchten – der soll sich nicht noch mal unterstehen , mich zum Narren zu haben ! « Die Streitlust fachte auch den Lebensmut wieder an . Zipperjahn hatte sich inzwischen mit den Hunden herumgebalgt . Plötzlich fuhren die Tiere sämtlich laut bellend auf einen Mann los , der – niemand hatte gesehen , wie er dort hingekommen war – auf der Rampe vor der geöffneten Glastür stand . Nicht nur Kosegarten , auch die andern Anwesenden wußten sofort , daß dies der prachtvolle Theodor Debberitz war . Sein Gesicht schimmerte mild von einem leichten Fettglanz , als sei es mit Freudenöl gesalbt , indem er , ungeniert eintretend , es der Gruppe am Frühstückstisch entgegenwandte . Die Sonnenstrahlen ergriffen sofort die sich auf dem gerundeten Leib seiner weißen Weste leicht wiegenden Gehänge seiner goldenen Uhrkette als geeigneten Gegenstand , um auf ihnen ein anmutig glitzerndes kleines Feuerwerk zu entzünden . Die Krücke seines Spazierstockes blitzte ebenfalls in einem herausfordernden Silberglanz . Er lüftete den Hut mit weltmännischer Sicherheit . » Morgen , gnädige Frau ! Morgen , gnädiges Fräulein , « ertönte sein jovialer Gruß in die erwartungsvolle Stille , die sein Erscheinen hervorgerufen hatte . Frau von Kosegarten neigte kühl ihr Haupt – o , sie konnte auch die große Dame sein , wenn sie wollte . Der alte Herr , der dunkelrot vor Aufregung geworden war , bemerkte mit beleidigender Trockenheit : » Schottenmaier sollte Sie ins Büro führen . Geschäfte pflege ich nicht in Gegenwart der Damen zu erledigen . « » Ah , bitte sehr um Verzeihung , wenn ich hier unberufen eindringe . Der Diener kam nicht wieder , da wollte ich doch in meinem zukünftigen Besitztum mal ' n bißchen Umschau halten ! « » Nun , das ist etwas vorzeitig Beschlag auf den Besitzertitel gelegt , « rief August heftig . Der Vater hatte recht : dieser Mann war unerträglich dreist . Debberitz lächelte zu Augusts Bemerkung und antwortete ruhig : » Da haben Sie recht , Herr von Kosegarten , abgemacht ist die Geschichte noch lange nicht . Ne Katze im Sack kauft Thete Debberitz nicht – nee , nee ! Die Rampe draußen muß neu fundiert werden , Herr von Kosegarten – fällt Ihnen sonst eines Tags zusammen ! « » Das ist meine Sache , « brummte der alte Herr . » Nun kommen Sie , Debberitz . « Der prachtvolle Herr Debberitz schien noch nicht gewillt zu sein , diesem Wunsche Folge zu leisten . Er blieb stehen , breitbeinig , stemmte die Arme in die Seiten , so daß seine gewaltige Gestalt förmlich eine dunkle Masse in dem hellen Raum bildete , und sah durch die Glastüren in den Park hinaus . » Ein feiner Blick , « reflektierte er seelenruhig , » entschieden hochherrschaftlich ! Für den Gartensaal habe ich immer was übriggehabt . Thete , habe ich mir immer gesagt , hier zu frühstücken , so mit ' n Blick ins Jrüne , ne feine Sache ! Na ja , wenn einer Glück haben will , da hat er ' s ! Das ist mein Wahlspruch , Herr von Kosegarten . Ja , gnädige Frau , so ändern sich die Zeiten . Es ist schon lange her , daß wir uns nicht gesehen haben . Wissen Sie noch , wie ich und Fritz Ihnen mal die halbe