braunen Augen , die sehr klug in die Welt blickten . Kühle , vornehme Ruhe war überhaupt der hervorstechende Zug in ihrem Aeußeren , und dazu gesellte sich eine gewisse Herablassung gegen alles , was ihr nicht als ebenbürtig erschien . Sie war im hellen Morgenkleide , das braune Haar nur lose aufgesteckt , aber sie verleugnete selbst hier , in dieser zwanglosen Umgebung , nicht die Weltdame . Wilma von Maiendorf stand dagegen schon am Ende der Zwanzig , sah aber noch sehr jugendlich aus . Die zierliche Gestalt mit dem blonden Haar und den hellen Augen konnte freilich nicht auf Schönheit Anspruch machen , aber es lag ein eigener Reiz in diesen weichen Zügen , der selbst neben der blendenden Erscheinung ihrer Cousine noch standhielt . » Du wohnst recht behaglich hier , « hob die letztere wieder an . » Gernsbach ist ein sehr hübscher Sommersitz , aber wie hältst du es nur das ganze Jahr hier aus ? « » Ich komme ja in jedem Jahre nach Berlin , « warf Wilma ein . » Auf sechs oder acht Wochen , und dann sitzest du wieder allein hier in Schnee und Einsamkeit . Weshalb denn ? Dein Vermögen erlaubt dir doch einen regelmäßigen Winteraufenthalt in Berlin . Papa meint überhaupt , du solltest dich wieder vermählen , du bist ja seit fünf Jahren Witwe . Es hat sich schon so mancher um dich bemüht , aber du läßt es nie zu einer Bewerbung und Aussprache kommen . « » Weil ich stets im Zweifel war , ob diese Bewerbung mir oder Gernsbach galt . « » Vermutlich beiden ! Das ist nun einmal nicht anders in unserer Zeit . Die Männer rechnen alle , müssen es meist thun , deine Eltern haben es auch gethan , als sie dir Maiendorf zum Gatten auswählten . Er rechnete allerdings nicht , denn das Vermögen war auf seiner Seite , aber – warst du denn so glücklich mit dem Manne , der dich nur um deiner selbst willen nahm ? « Wilma blieb die Antwort schuldig auf diese kluge , kühle Auseinandersetzung . Edith war ja noch ein Kind gewesen , als ihre Cousine sich vermählte , aber sie wußte durch ihren Vater , daß jene kurze Ehe keine glückliche gewesen war . Der derbe , rohe Landjunker , dem das junge Mädchen auf Andrängen der Eltern die Hand gereicht hatte , war ein sehr tyrannischer Ehemann gewesen . Er hatte die Zeit mit Trinken und Spielen vergeudet und , nachdem die erste verliebte Tändelei vorüber war , sich kaum mehr um Frau und Kind gekümmert . Die junge Frau hatte das schweigend getragen , ohne zu klagen , aber ein Geheimnis war es auch für ihre Verwandten nicht geblieben , und die Erinnerung that ihr noch jetzt weh , das sah man an dem schmerzlichen Zucken ihrer Lippen , auch Edith sah es und lenkte ein . » Verzeih , ich wollte dich nicht kränken , aber du bist achtundzwanzig Jahre , da hat man doch noch ein Anrecht an das Leben . « » Soll ich meiner Lisbeth einen Stiefvater geben , der kein Herz für sie hat , dem sie vielleicht sogar im Wege ist , mit ihren Ansprüchen an Gernsbach ? « fragte Wilma gepreßt . » Um keinen Preis ! Dein Vater meint es gut , ich weiß es – er kommt also erst übermorgen ? « » Jawohl , er ist erst noch mit Herrn Ronald nach Steinfeld gefahren , in Geschäften natürlich . Die Werke sollen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden , und Papa wird die Finanzierung übernehmen , sie haben da weitgehende Pläne . Vermutlich kommt Ronald auch einmal nach Gernsbach herüber , wenigstens sprach er davon bei seiner Abreise . Du hast ihn ja in unserem Hause kennen gelernt , da wird er dir wohl einen Besuch machen . « » Mir ? « die junge Frau lächelte . » Nein . Edith , so eitel bin ich nicht , zu glauben , der Mann , der eine solche Rolle in der Welt spielt und nie eine Stunde übrig hat , würde mich in meinem einfachen Hause aufsuchen . Er kennt mich ja nur ganz flüchtig , aber freilich , du bist hier – das ändert die Sache . « » Hat dir Papa etwa schon eine Andeutung gemacht ? « fragte Edith mit einem raschen Aufblick . » Nein , aber ich sah ja selbst , wie Ronald dich auszeichnete , und der Onkel ist offenbar ganz von ihm eingenommen . « » Gewiß , er schätzt seine Thatkraft und Energie sehr hoch , er nennt ihn eine geniale Kraft , die das Glück zu zwingen versteht und in Zukunft noch weit mehr leisten wird . Bis jetzt ist Ronald freilich nur ein kühner glücklicher Spekulant gewesen ; vielleicht läßt er sich zu Größerem spornen . « » Und dieser Sporn wirst du sein ? « neckte Wilma . » Ich dachte es mir , daß diese Verbindung der Wunsch und Wille des Onkels war . « » Hier kommt es doch wohl auf meinen Willen an , « sagte die junge Dame hoheitsvoll . » Ich lasse mir darin nichts vorschreiben . Das weiß mein Vater . Uebrigens hat sich Ronald noch nicht erklärt , wenigstens mir gegenüber nicht . « » Ist er denn wirklich ein solcher Krösus ? « fragte die junge Frau . » Man spricht von , ich weiß nicht wie vielen Millionen . « Die Lippen des schönen Mädchens kräuselten sich verächtlich und ihre Augen blitzten auf . » Denkst du , daß mich das bestimmt ? Ich will nicht nur die Frau eines reichen Mannes heißen . Der Mann , dessen Namen ich trage , soll mehr sein als all die anderen . Er soll sich und mich emportragen zu den Höhen des Lebens , ich muß auf ihn stolz sein können . Ronald steht bereits auf einer Höhe , wo ihm