Vater fort ; › und ich wollte Euch nur bitten , mich das sehen zu lassen , was Ihr gefunden habt . ‹ › Die Leute reden nicht umsonst ‹ , sagte der Bauer ; › das Ding ist drin im Hahn gesessen ; meine Nachbarn haben beide das gesehen . ‹ › Nun , so zeigt es jetzt auch mir ! ‹ › Da hätten Sie früher kommen sollen ; ich weiß nicht , wo das Ding geblieben ist ! ‹ › Sievers ! ‹ rief mein Vater , › so sucht oder lasset suchen ; das ist Eure Schuldigkeit ! Denn dieser Finger steht als ein Kläger wider mich auf und drohet , mich zum armen Mann zu machen ; er muß mir Rede stehen , wie er in mein Gebräu gekommen ist ! ‹ Aber der Bauer sagte : › Das ist Ihre Sache , Herr Ohrtmann ; ich laß mein Bier bei einem anderen holen , und damit hopp und holla ! ‹ Mein Vater besann sich ein paar Augenblicke , während Marx Sievers seine Pfeife vom Haken nahm und aus dem zinnernen Tabakskasten stopfte . Als er schon angezündet hatte und die Rauchwolken trotzig vor sich hin blies , begann mein Vater wieder : › Ich hab doch recht vernommen , Sievers ? Ihr wollt mir diese letzte Tonne nicht bezahlen ? ‹ – › Ganz recht , Herr Ohrtmann ; ich denk , ich hab das deutlich genug gesagt ! ‹ › Nun , ich verlange das auch nicht ; aber wenn Ihr mein Bier nicht bezahlt , so gehört mir auch der Finger , der darin gewesen ist ! ‹ Der Bauer stutzte ; aber nicht lange , so zog er seinen vollen Lederbeutel aus der Tasche und zählte das Geld für die Tonne Bier in blanken Banktalern vor meinem Vater auf den Tisch . › Nun ist der Finger mein ‹ , sagte er , › und ich tu damit nach meinem Dünken . ‹ Es wäre wohl umsonst gewesen , daß mein Vater das Geld zurückschob , wenn nicht der Sohn sich jetzt hineingemischt hätte . › Vater ‹ , sagte er , › soll ich den Finger holen ? Ich mein , er liegt in unserm Nagelkasten . ‹ Der Alte brummte etwas in den Bart ; aber der Sohn ging hinaus und kam bald darauf mit einem Kasten voll alten Eisenzeuges wieder in die Stube . Als er darin umherkramte , gewahrte mein Vater ein gelblichgraues Ding , das er nicht anders als für den Daumen eines Menschen anerkennen konnte ; zwar schien er dick mit Gest oder , wie es auf hochdeutsch heißt , mit Hefe überzogen ; aber auch die Form des Nagels war noch deutlich sichtbar . › Und das hier ‹ , frug er den Bauern , › habt Ihr in meinem Bier gefunden ? ‹ › Ich sagt es schon ‹ , versetzte dieser ; › als wir das Letzte aus der Tonne zapfen wollten , da hat ' s den Hahn verstopft . ‹ › Nun , Marx Sievers , Ihr könnt wohl denken , daß ich mir dies Unheil nicht selber angerichtet habe ! Ihr seid sonst als ein gerechter Mann bekannt , so bitt ich Euch , fahrt jetzt gleich mit mir zum Bürgermeister und gebt da Zeugnis , wo und wann Ihr dieses Ding gefunden habt ; denn jeder neue Tag ist mir zu Spott und Schaden ! ‹ Der Bauer hatte sich breit in seinen Lehnstuhl niedergelassen . › Ins Gericht , Herr Ohrtmann ? Zum Bürgermeister ? – Ja , wenn meine eigene Obrigkeit mir das befiehlt ; sonst nicht . Ich habe Spott und Schaden auch in meinem Haus ; meine Frau ist heut noch krank vor lauter Abscheu ! ‹ Mein Vater mußte sich das alles bieten lassen ; denn der Finger lag leibhaftig vor ihm , und die Sievers waren als wahrhaftige Leute überall bekannt ; er stand , wie er selber sagte , da als ein geschlagener Mann . Endlich wurde dennoch ein Abkommen getroffen ; der Sohn durfte das unheimliche Ding in eine Schachtel packen und damit und mit meinem Vater in die Stadt zum Bürgermeister fahren . – – Daß dies geschehen war , aber von Weiterem auch nichts , erfuhren wir zu Hause schon durch Lorenz , der zu Fuße wieder ankam , während wir noch immer mit dem Mittag warteten und vor Angst und Spannung nicht wußten , wie wir unsere Zeit verbringen sollten . Endlich kam unser Vater , und ich sah , wie seine Hand zitterte , als er die unserer Mutter drückte und lange in der seinen hielt . › Übermorgen ‹ , sagte er , › soll ich wieder zum Bürgermeister kommen . Wenn es doch erst übermorgen wäre ! ‹ Als er sich dann nicht an den gedeckten Tisch , sondern an dem kalten Ofen in den Lehnstuhl gesetzt hatte , standen wir alle um ihn her , bis er endlich zu erzählen anhub . – In dem Studierzimmer des Bürgermeisters , als er mit dem jungen Sievers dorthin kam , war eben der alte lustige Apotheker Hennings zugegen gewesen . Der hatte geraten , den Finger erst ein paar Tage in Spiritus zu setzen , damit sich der Überzug von Hefe löse , und dann gründlich untersucht werden könne , ob er zu der Hand des Hingerichteten gehöre oder nicht . Nach der Zustimmung des Bürgermeisters war er selbst nebenan in seine Apotheke gelaufen und bald mit einem vollen Glashafen zurückgekommen . Sehr genau hatte er hierauf den Finger besehen , dann gerieben und geschabt und ihn um und um gewandt . › Aber ein wunderlicher Kauz ‹ , sagte mein Vater , › ist der alte Hennings doch ; denn er schmunzelte dabei , als ob er einen Allerweltsspaß in den Händen drehe ! ‹ – › Man sollte kaum meinen ‹ , hatte er zuletzt gesagt und dabei meinen Vater ganz listig