ins Laborantentum hinein und trieb mich fünf oder sechs Jahre lang durch Süß und Sauer , von einer Epidemie in die andere , von einem nächtlichen Aufgeklingeltwerden zum andern , von einer Doktorpfote zur andern , bis ich nach * * * kam , wo ich meine Johanne kennen lernte . Da , Freund Ulebeule , habe ich wirklich etwas vor mich gebracht , nämlich die einzigen guten , glücklichen Tage meines Lebens ! « » Gratuliere auch dazu « , brummte der Förster . » Ja , in die glückliche Zeit meines Daseins war ich hineingeraten , und es stimmte alles zusammen – ein ganzes Jahr lang ! Ich hatte es in jeder Beziehung gut . Mein damaliger Prinzipal war ein drolliger alter Kauz , über den ich etwas mehr sagen muß ; denn er verdient das , meinet- wie seinethalben in jeder Beziehung . Er war Apotheker mit Liebe ; aber mit einem gewissen Wahnsinn ein Enthusiast für die hohe Wissenschaft Botanik , und er war in der Tat ein bedeutender Pflanzenkundiger . Solange es anging , hatte er seine Provisoren und Gehilfen die Offizin versorgen lassen und war selber in Wald und Feld seinem Lieblingsstudium nachgegangen . Als ich aber in sein Haus eintrat , hatte sich das eben geändert . Er war über sechzig Jahre alt , seine Augen waren allmählich schwach geworden , sein Rücken steif ; und wenn er sich zwischen Berg und Tal nach einem Gewächs bückte , so kam er nur mit Stöhnen und einem verdrießlichen Griff nach dem Kreuz wieder in die Höhe . Ich kam , und er stellte ein botanisches Examen mit mir an , das an Schärfe nichts zu wünschen übrig ließ , gottlob aber ziemlich gut ausfiel , und von dem all mein späteres Wohlsein in seinem Hause den Ausgang nahm . Nach dem Examen überreichte er mir als Zeichen seiner Zufriedenheit ein Exemplar von Stövers Leben des Ritters Karl von Linné und hielt mir eine Rede über die Märtyrer unserer › Göttin ‹ und empfahl mir vorzüglich zur Nachahmung das größte botanische Genie des sechzehnten Jahrhunderts , den Meister Charles de l ' Ecluse – Carolus Clusius aus Arras in den Niederlanden , der im Dienste der Wissenschaft im vierundzwanzigsten Jahre die Wassersucht bekam , im neununddreißigsten Jahre in Spanien mit dem Pferde stürzte und den Arm brach und gleich nach der Heilung den rechten Schenkel ; – der im fünfundfünfzigsten Jahre in Wien den linken Fuß brach und acht Jahre später sich die rechte Hüfte verrenkte – der fortan an Krücken gehen mußte , einen Bruch und Steinschmerzen bekam und doch das wundervolle Buch : Variarum plantarum historia schrieb und für alle kommenden Zeiten wie ein glorreich helles Licht aus dem dunklen Jahrhundert , in welchem er lebte und wirkte , herüberleuchtete . Darauf schickte er mich in re herbaria auf die Jagd und blieb selber seufzend zu Hause , versorgte die Praxis und durchblätterte seine Kräuterbücher , die wirklich merkwürdig in ihrer Art waren und nach seinem Tode sicherlich auf den Mist geworfen sind . Zu jeder Jahreszeit fast hatte ich für ihn das Land abzulaufen , denn er war auch in der Kenntnis der Moose bedeutend , und in den Monaten , wo die übrige Flora in ihrer Pracht steht , ging ich fast täglich meilenweit ins Land oder in die Berge , um irgendeine einzige Pflanze zu suchen , auf deren Besitz und Studium er augenblicklich sein Herz gewendet hatte . – Das war eine schöne Zeit ! Das waren Tage , wie ich sie seit Jahren nicht in so ununterbrochen glücklicher Folge durchlebt hatte , und da ich , wie gesagt , auch bald den Namen und das Bild meiner Braut mit mir auf die Höhen und sonnigen Halden und in die schattigen Täler nehmen konnte , so ist denn weiter nichts mit dem Scheine zu vergleichen , wie er mir damals über der Erde und in der Seele lag . Daß ich Rad durch den Sonnenglanz auf den Bergen geschlagen hätte , will ich aber nicht gesagt haben . Im Gegenteil ! In die Lust am Leben mischte sich immer ein bänglicher Zug . Kam ich aus meinen Wäldern zurück in die kleine , winklige Stadt , wieder hinein in das Gewirr und zänkische Durcheinander selbst dieser wenigen Menschen , so wurde mir oft sogar sehr bänglich zumute . « » Das geht allen Leuten so , die ihr Geschäft viel im Freien aufhält , mir auch ! « sagte der Förster Ulebeule . » Aber noch lange « , fuhr der Erzähler , ohne auf die Unterbrechung weiter zu achten , fort , » noch lange war und blieb im Freien alles für mich Gegenwart , und erst nach und nach wurde drinnen im Städtchen alles Zukunft , sorgenvolle , angstvolle , nebelige Zukunft : Was soll denn eigentlich zuletzt aus dir und deinem Mädchen werden ? Ich habe es schon gesagt , daß die richtige Schwerblütigkeit mich erst im zweiten Jahre meines dortigen Aufenthalts übermannte . Im Anfange blieben die trüben sorglosen Gedanken bei jedem Ausmarsche innerhalb der alten Mauern der Stadt eingeschlossen zurück ; erst nach und nach begleiteten sie mich über das Weichbild hinaus und folgten mir weiter und weiter , bis im dritten Frühlinge der dunkle Finger mir überall auf meinen Wegen drohte und der Prinzipal die Bemerkung machte , daß ich anfange , bedeutend abzumagern , und mich wohlmeinend und besorgt an verschiedene nerven- und magenstärkende Drogen unserer Materialkammer verwies . Ach , kein Arzneistoff konnte mir wieder zu vollerer Leibesrundung verhelfen ! Zwischen Hypochondrie und gutem Lebensmut hin und her geworfen , schweifte ich umher , bis ich den Mann fand , der mir half ! Meine Herren und lieben Freunde , in eben diesem Sommer machte ich eine Bekanntschaft , eine seltsame , geheimnisvolle und , wie Johanne sagte , eigentlich unheimliche Bekanntschaft . Ihr habe ich es zu danken , daß ich heute der Besitzer dieser Apotheke › Zum wilden Mann