auf wenig mehr drin als auf den Günstling des Maecenas , den Liebhaber Glycerens , den Freund des Quincilius Varus – auf den alten sonnigen Schäker , den Flaccus . So stand er in der beginnenden deutschen Winternacht , als plötzlich der weiße Benediktinermönch , der Bruder Henricus , abermals an ihm vorbeiging . Der Frater hatte noch einen Besuch bei dem Minoritenprediger , den der Fürstbischof Bernhard von Galen der katholischen Kirche in Höxter als Hirten vorgesetzt , abgestattet , hatte ihn jedoch nicht zu Hause angetroffen und war , vom Küster zu Sankt Peter beschieden , ihm nach dem Hause des Bürgermeisters Thönis Merz nachgegangen . Er hatte seinen Minoriten richtig gefunden und sein Wort mit ihm ausgetauscht , und nun war er auf dem Wege zum Corveytor . » Salve Domine ! « sagte der Student recht freundlich ; und der Mönch schreckte auf , wie es schien , aus recht unbehaglichem Gedankenspiel . Er grüßte aber auch freundlich mit einer Verneigung und wollte damit ruhig an dem jungen Gelehrten vorüber ; aber so glatt ging dieses doch nicht . Herr Lambert Tewes ging sofort mit ihm und führte die Unterhaltung weiter . » Sie gehen nach Hause , ehrwürdiger Herr Pater ? « » Ich gehe nach einer langen , mühsamen Wanderung durch die arge Welt heim in meine Zelle . « » Und Sie wissen also wohl gar nicht , wie gut Sie es haben , mein Pater ? « Trotz seiner Verstimmung mußte der Alte doch lächeln , und , seinen Schritt mäßigend , fragte er : » Sie gehen bei diesem übeln Wetter noch nicht heim , gelahrter Herr Studiosus ? « » Wie gerne ! « seufzte der Student ; » aber haben Sie auch einmal , Herr Pater , einen Onkel und eine Tante gehabt ? O heiliger Kilianus , in welche Hände ist dein Haus übergegangen ! Ich hatte so sicher da auf eine Abendmahlzeit und einen Strohsack unter dem Schutze deines Marterzeugs gezählt ! Ehrwürdiger Herr , sehet hier : als sie mich von Helmstedt wegtrieben , ließ ich ihnen meine Schulden und nahm ihnen diesen Göttersohn in Schweinsleder aus ihrer Bibliotheca mit . Den werde ich nun bei dieser lieblichen Witterung die Nacht über in einer dieser Höxterischen Ruinen an einem eingefallenen Herde als Kopfkissen nehmen müssen . Was meinen Sie aber , mein Pater , wenn Sie ihn mir abhandelten um ein billiges ? Wenn Phöbus nicht längst diesem niederträchtigen Erdenwinkel den Rücken gewendet hätte , würde ich ihn Ihnen gern zur genauen Besichtigung ad oculos rücken . Es ist eine treffliche Edition – Amstelodami , ex officina Henrici et Theodori Boom – mit einem Frontispicium vom berühmten Maler und Kupferstecher Romeyn de Hooghe ; – he ? ! « » Ich war ein Reitersmann in meiner Jungheit und habe schon und leider als Junker Heinrich von Herstelle meines Informators Latein an den Büschen hängen lassen « , erwiderte der Mönch . » Ich danke Euch herzlich , mein lieber junger Freund , und befehle Euch dem Schutze des Allerhöchsten . Sonsten haben wir auch zu Corvey eine mächtige , fürtreffliche Bücherei , und sie würden mich weidlich auslachen , wenn ich von der Reise dergleichen ihnen mitbrächte und zutrüge . « » Eulen nach Athen « , murmelte der Student . » Ich will ' s aus Höflichkeit glauben ; also – vergnügliche gute Nacht , mein Pater . « Der Mönch verneigte sich abermals und ging ; der Helmstädtische Studiosus blieb und rief , als der Bruder Henricus ihm aus Gehörweite entfernt zu sein schien . » Also wiederum abgeblitzt ! Da lohnt es sich in Wahrheit , seinen Muskedonner oder seine Schnapphahnflinte zu laden ! Pulver und Blei ! Palsambleu ! mille millions tonnerres ! Kein Fluch in teutscher Zunge kann da ausreichen , um einem Menschenkind Luft zu machen . Da nimmt der Pfaff meinen warmen Sitz am Corvey ' schen Stiftsküchenfeuer in seiner Kutte mit hin ; aber das ist die Zeit , so ist die Zeit ! So sind sie alle – gleichviel ob katholisch oder luth ' risch aufgewichst ! o du heiliger Simson von der Kollegienkirche ! o ihr Fleischtöpfe der alma mater Julia ! o du lange Burschenbank im Ducksteinkeller ! ... Und solch einem Böotier hab ' ich meinen Lauriger für ein Nachtessen angeboten ? ! Schäme dich , Lambertus , und geh in dich . Bei den Unsterblichen , es bleibt also bei einem Nachtquartier in den Ruderibus des Herrn Feldzeugmeisters von Wrangel . Gesegnet sei sein Angedenken ! gesegnet sei sein Durchmarsch nach dem Allgäu zum Bregenzer Sturm ! Gesegnet seien seine Kartaunen und Bombarden von Anno Sechsundvierzig ! Da kriegte man doch wahrlich Lust , selbst den Tilly und den Generalfeldmarschall von Gleen und das Jahr Vierunddreißig mit seinem › Salzkotter Quartier ! ‹ hochleben zu lassen . Was finge nun heute unsereiner an ohne die Ruinen vom Höxter ' schen Blutbad ? ! « – Ei ja , aber wer hatte sonst in dieser Nacht ein ruhig , warm Quartier , ein sicheres und behagliches Kopfkissen und Deckbett in Huxar an der Weser ? Eigentlich niemand . Es kam keiner zu einem gesunden Schlaf außer den gesunden Kindern . Es war eben in der Woche nach der Sündflut , und wie die übriggebliebene Familie Noäh sehr bald in Gezänk und Hohn gegeneinander ihrem Unbehagen in der verwüsteten Welt Raum gab , so lag die Höxter ' sche Bürgerschaft jetzt schon im Hader untereinander und sich im Haar . Sie hatten sich – beide , Katholiken wie Lutheraner , – manches von der fremdländischen Besatzung gefallen lassen müssen , von dem Herrn von Turenne und dem Herrn von Fougerais . Nun waren die Franzosen abgezogen , aber das Gift in den Herzen und Köpfen war geblieben . Ein jeglicher suchte nach jemand , an dem er seine Galle , gestraft oder ungestraft – freilich am liebsten in letzterer Weise – loswerden konnte , und