, und auf die Hochzeit sei das ganze Freikorps des Obersten Bauer geladen , dazu aus Böhmen viele schöne Fräulein ; wer aber zuallererst gebeten sei , das sei die Müllerstochter oben im Harz , die auch an der Innerste sitze und tagtäglich ihre Grüße mit dem Wasser herunterschicke , wie der arme Barthold Dörries das ja hundertmal erzählt habe . Dem sei nun , wie ihm wolle , gelacht mußte Lieschen Papenberg haben : wer das Mädchen lachen sehen wollte , der konnte überhaupt leicht dazu kommen . Es war ein fröhliches Ding von den Kinderschuhen an gewesen , brachte von Natur ein vergnügt geduldig Herz mit zu allem , was die Frauen erleben können auf dieser Erde ; die Innerste hüpfte da oben in den Bergen , an ihrem Geburtsorte im Walde nicht unschuldiger , klarer und lieblicher in die Welt hinaus . Gegen Ende Februars , als es in Schlesien und Sachsen wieder lebendig wurde und überall das Eis aufging , schrie die Innerste im neuen Jahre 1760 zum ersten Male , aber die junge Braut hat sie damals noch nicht schreien hören . Viertes Kapitel Es war ein Sonntag , und die Kirche war überall zu Ende im Lande . Der Tag war regnerisch , doch konnte man gerade nicht sagen , daß es regne ; es war eben ein Tag im Hornung , und man mußte das Wetter nehmen , wie es sich gab . Der junge Müller befand sich allein zu Hause , beide Alten mit den Mägden waren nach Sarstedt zur Kirche und konnten kaum vor Mittage zurück sein . Das Rad war gestellt , und der junge Müller lag faul auf der Bank am Ofen und hörte der Uhr zu , die hinter seinem Kopfe im Winkel tickte . Die Hauskatze saß zu seinen Füßen auf der Bank und putzte sich über die Ohren , denn es war Feiertag , und dazu sollte am Nachmittage Besuch kommen : Jungfer Lieschen mit Vater und Mutter , der Vetter und die Base aus Harsum , ja , auch die Verwandtschaft aus Groß- und Klein-Algermissen wollte kommen , und am Abend sollte es hoch hergehen in der Mühle . Der Haushund kam von Zeit zu Zeit und leckte dem Träumer auf der Bank die Hand ; dann sagte der junge Müller : » Nieder , Laudon ! Gib dich zu Ruhe ; ich habe mich auch zu Ruhe geben müssen . « Er gähnte schläfrig , und doch zogen ihm allerlei bunte Bilder durch den Kopf . Da dachte er , daß er nun bald ein junges Weib haben werde , und lächelte . Dann fragte er sich , wie es dem Alten und der Alten wohl auf dem Altenteil gefallen werde , und kratzte sich hinter dem Ohre . Nun richtete er sich auf dem Ellenbogen halb empor und drehte sich gegen das Fenster , um nach dem grauen Gewölk zu sehen , und da mußte er an die Kriegsvölker im Westen und Osten denken , mit denen er ' s vor einem Jahre noch hatte Frühjahr werden sehen , – es war ihm , als höre er fern die Trommeln und die Trompeten und auf einmal die ersten Schüsse von den Vorposten her . Er schüttelte sich , schob von neuem die Hände unter den Hinterkopf und seufzte : » Uh ! « – Mit einem Male aber setzte er sich aufrecht , daß die Katze erschreckt von der Bank sprang und Laudon am Ofen verwundert den Kopf erhob . Es war so still in der Stube , daß man außer dem Picken der Uhr nichts weiter hörte , als dann und wann ein lauteres Rauschen der Innerste , und die Innerste war ' s eben , die den jungen Müller Albrecht Bodenhagen so jach aufgejagt hatte . Er war in seinen schläfrigen Phantasien , anfangs ohne darauf zu achten , an dem Wasser hinaufgeschritten , und plötzlich – Der Hund stand und bellte gegen die Tür , und der Müller sah verstört darauf hin ; es hatte gepocht , und es pochte jetzt noch einmal . » Herein ! « rief Albrecht , doch es kostete ihm Mühe , das kleine Wort hervorzubringen . Mit stieren Augen sah er auf die Tür – » Bonjour ! « sagte der eintretende Besuch , den Hut abnehmend , und zwar mit der linken Hand . Rechts trug er nur einen an die Jacke geknöpften Ärmel . » Bonjour ! Richt euch ! Na , Musketier , hat Er ' s so schnell verschwitzt , wie der Soldat sich gegen seinen Vorgesetzten zu behaben hat ? Tausend Donnerwetter , soll ich Ihm die Hände an die Naht bringen , Musketier Bodenhagen ? Jaja , so sieht die Kuh das neue Tor an , aber Seinen alten Unteroffizier sollte Er doch noch kennen , Albrecht ! Schockschwerenot , da sieht man wieder , was es nützt , mit einem Esel Freundschaft zu schließen und an tausend Beiwachtfeuern ihn zu Sittsamkeit und Tugend anzuhalten ! Kerl , so dumm sah Er nicht aus , als ich Ihn zum erstenmal in Reih und Glied stellte . Na , geht Ihm endlich ein Licht auf , Kamerad ? Es hat mich lange nichts so sehr gefreut ! Guten Morgen , Albrecht ; es ist wirklich ein Pläsier , daß du endlich den Mund zumachst . Ich bin es und – da bin ich und verhoffe , daß du es für einen Affront genommen hättest , wenn ich heute an deiner Tür vorbeimarschiert wäre , ohne vorzusprechen . Ich bleibe auch zu Mittag und nehme mit einem Strohsack zur Nacht vorlieb : du weißt , verwöhnen tut unsereinen weder Seine Königliche Majestät noch Seine Herzogliche Durchlaucht ; aber ein Vivat wirft ' s doch noch für beide ab , vorzüglich wenn das Getränk danach ist . Gewehr ab ! Rührt euch ! Musketier , auf das Wiedersehen hattest du dich wohl auch nicht eingerichtet , als die Glocke heute morgen