Pest ! ‹ Und sie übergab mir – meine Fazetien ! Obwohl diese Überraschung eine Bosheit eher des Zufalls als des geistlichen Weibchens war , fühlte ich mich doch gekränkt und verstimmt . Ich begann die kleine Äbtissin zu hassen . Denn unsere Schriften sind unser Fleisch und Blut und ich schmeichle mir , in den meinigen mit leichten Sohlen zu schreiten , weder die züchtigen Musen noch die unfehlbare Kirche beleidigend . › Gut ‹ , sagte ich . › Möchtest du , Äbtissin , auch in dem zweiten und wesentlicheren Punkt unsträflich erfunden werden ! Dem versammelten Volke hast du in der Nähe und unter den Augen des Konzils ‹ , sprach ich vorwurfsvoll , › ein Wunder versprochen , so marktschreierisch , daß du es jetzt nicht mehr rückgängig machen kannst . Ich weiß nicht ob das klug war . Erstaune nicht , Äbtissin , daß dein Wunder geprüft wird ! Du hast dein Urteil gefordert ! ‹ Die Knie des Weibchens schlotterten , und seine Augen gingen irre . › Folge mir ‹ , sagte ich streng , › und besichtigen wir die Organe des Wunders ! ‹ Sie folgte niedergeschlagen , und wir betraten die Sakristei , wohin das echte Kreuz zurückgekehrt war und in dem weiten Halbdunkel des edlen Raumes mit seinen Rissen und Sprüngen und mit seinem gigantischen Schlagschatten so gewaltig an der Mauer lehnte , als hätte heute erst eine verzweifelnde große Sünderin es ergriffen und wäre darunter ins Knie gesunken , die Steinplatte schon mit der Stirne berührend in dem Augenblicke da die Himmelskönigin erschien und ihr beistand . Ich wog es , konnte es aber nicht einen Augenblick heben . Um so lächerlicher schien mir der Frevel , diese erdrückende Bürde mit einem Spielzeuge zu vertauschen . Ich wendete mich entschlossen gegen das hohe , schmale Pförtchen , dahinter ich dieses vermutete . › Den Schlüssel , Äbtissin ! ‹ befahl ich . Das Weibchen starrte mich mit entsetzten Augen an , aber antwortete frech : › Verlorengegangen , Herr Bischof ! Seit mehr als einem Jahrzehnt ! ‹ › Frau ‹ , sprach ich mit furchtbarem Ernste , › dein Leben steht auf dem Spiel ! Dort gegenüber haust ein Dienstmann des mir befreundeten Grafen von Doccaburgo . Dorthin schicke oder gehe ich nach Hilfe . Findet sich hier ein dem echten nachgebildetes Scheinkreuz von leichterem Gewichte , so flammst und loderst du , Sünderin , wie der Ketzer Huß , und nicht minder schuldig als er ! ‹ Nun trat eine Stille ein . Dann zog das Weibchen – ich weiß nicht ob zähneklappernd oder zähneknirschend – einen altertümlichen Schlüssel mit krausem Barte hervor und öffnete . Schmeichelhaft – mein Verstand hatte mich nicht betrogen . Da lehnte an der Mauer des hohen kaminähnlichen Kämmerchens ein schwarzes Kreuz mit Rissen und Sprüngen , welches ich gleich ergriff und mit meinen schwächlichen Armen ohne Schwierigkeit in die Lüfte hob . In jeder seiner Erhöhungen und Vertiefungen , in allen Einzelheiten war das falsche nach dem Vorbilde des echten Kreuzes geformt , diesem auch für ein scharfes Auge zum Verwechseln ähnlich , nur das es zehnmal leichter wog . Ob es gehöhlt , ob es aus Kork oder einem anderen leichtesten Stoffe verfertigt sein mochte , habe ich , bei dem raschen Gang und der Überstürzung der Ereignisse , niemals in Erfahrung gebracht . Ich bewunderte die Vollkommenheit der Nachahmung , und der Gedanke stieg in mir auf : Nur ein großer Künstler , nur ein Welscher kann dieses zustande gebracht haben : und da ich für den Ruhm meines Vaterlandes begeistert bin , brach ich in die Worte aus : › Vollendet ! Meisterhaft ! ‹ – wahrlich nicht den Betrug , sondern die darauf verwendete Kunst lobend . › Schäker , Schäker ‹ , grinste mit gehobenem Finger das schamlose Weibchen , welches mich aufmerksam beobachtet hatte : › Ihr habet mich überlistet , und ich weiß , was es mich kostet ! Nehmet Euern Possenreißer , den ich Euch stracks holen werde , unter den Arm , haltet reinen Mund und ziehet mit Gott ! ‹ Wann auf den sieben Hügeln zwei Auguren sich begegneten und , nach einem antiken geflügelten Worte , sich zulächelten , wird es ein feineres Spiel gewesen sein , als das unreinliche Gelächter , welches die Züge meiner Äbtissin verzerrte und sich in die zynischen Worte übersetzen ließ : › Wir alle wissen , wo Bartolo den Most holt , wir sind Schelme allesamt und keiner braucht sich zu zieren . ‹ Ich aber sann inzwischen auf die Bestrafung des nichtsnutzigen Weibchens . Da vernahmen wir bei der plötzlich eingetretenen Stille ein Trippeln , ein Wispern , ein Kichern aus dem nahen Chore und errieten , daß wir von den müßigen und neugierigen Nonnen belauscht wurden . › Bei meinem teuern Magdtum ‹ , beschwor mich das Weibchen , › verlassen wir uns , Herr Bischof ! Um keine Güter der Erde möchte ich mit Euch von meinen Nonnen betroffen werden ; denn Ihr seid ein wohlgebildeter Mann , und die Zungen meiner Schwestern schneiden wie Scheren und Messer ! ‹ Dieses Bedenken fand ich begründet . Ich hieß sie sich entfernen und ihre Nonnen mit sich nehmen . Nach einer Weile dann räumte auch ich die Sakristei . Die Tür zu der Kammer des Gaukelkreuzes aber legte ich nur behutsam ins Schloß , ohne den Schlüssel darin umzudrehen . Diesen zog ich , steckte ihn unter mein Gewand und ließ ihn im Chore in eine Spalte zwischen zwei Stühlen gleiten , wo er heute noch stecken mag . So aber tat ich ohne bestimmten Plan auf die Einflüsterung irgendeines Gottes oder einer Göttin . Wie ich in der niederen äbtlichen Stube mit meiner Äbtissin und einem Klostergerüchlein zusammensaß , empfand ich eine solche Sehnsucht nach dem unschuldigen Spiele der Muse und einen solchen Widerwillen gegen die Drehungen und Windungen der ertappten Lüge , daß ich beschloß , es kurz zu machen