nächtigen Stunden ängstigte sich der Page furchtbar , bis zur Zerrüttung , über seine Larve und sein Geschlecht . Der richtigste Umstand konnte die Entdeckung herbeiführen . Dieser Schande zu entgehen , beschloß der Ärmste zehnmal im Abenddunkel oder in der Morgenfrühe , sein Roß zu satteln , bis an das Ende der Welt zu reiten , und zehnmal wurde er zurückgehalten durch eine unschuldige Liebkosung des Königs , der keine Ahnung hatte , daß ein Weib um ihn war . Leicht zumute wurde ihm nur im Pulverdampfe . Da blitzten seine Augen und fröhlich ritt er der tödlichen Kugel entgegen , welche er herausforderte , seinen bangen Traum zu endigen . Und wann der König hernach in seiner Abendstunde beim trauten Lichtschein seinen Pagen über einer Dummheit oder Unwissenheit ertappte , beim Kopfe kriegte und ihm mit einem ehrlichen Gelächter durch das krause Haar fuhr , sagte sich dieser in herzlicher Lust und Angst er bebend : » Es ist das letztemal ! « So fristete er sich und genoß das höchste Leben mit der Hülfe des Todes . Es war seltsam . Leubelfing fühlte es : auch der König lebte mit dem Tode auf einem vertrauten Fuße . Der Friedländer hatte den Angriff an sich gerissen und den Eroberer in die unerträgliche Lage eines Weichenden , beinahe Flüchtigen gebracht . So legte der christliche Held sein Schicksal täglich , ja stündlich und fast herausfordernd in die Hände seines Gottes . Den Brustharnisch , welchen ihm der Page zu bieten pflegte , wies er beharrlich zurück unter dem Vorwand einer Schulterwunde , welche der anliegende Stahl drücke . Ein schmiegsames feines Panzerhemde , wie die Klugen und Vorsichtigen es auf bloßem Leibe trugen , ein Meisterstück niederländischer Schmiedekunst , langte an und die Königin schrieb dazu , sie hätte erfahren , der Friedländer trage ein solches , ihr Herr und Gemahl dürfe nicht schlechter beschirmt in den Kampf gehen . Dies feine Geschmiede warf Gustav als eine Feigheit verächtlich in einen Winkel . Einmal in der Stille der Nacht hörte Leubelfing , dessen Haupt von demjenigen des Königs nur durch die Wand getrennt war , sich dicht an dieselbe drückend , wie Gustav inbrünstig betete und seinen Gott bestürmte , ihn im Vollwerte hinwegzunehmen , wenn seine Stunde da sei , bevor er ein Unnötiger oder Unmöglicher werde . Zuerst quollen der Lauscherin die Tränen , dann erfüllte sie vom Wirbel zur Zehe eine selbstsüchtige Freude , ein verstohlener Jubel , ein Sieg , ein Triumph über die Ähnlichkeit ihres kleinen mit diesem großen Lose , der dann mit dem albernen Kindergedanken , eine gemeinsame Silbe beendigte ihren Namen und beginne den des Königs , sich in Schlummer verlor . Aber der Page träumte schlecht , denn er träumte mit seinem Gewissen . In den richtenden Bildern , welche vor seinen Traumaugen aufstiegen , geschah es bald , daß der König den Entdeckten mit flammendem Blick und verurteilender Gebärde von sich wies , bald verjagte ihn die Königin mit einem Besenstiel und den derbsten Scheltworten , wie die gebildete Frau solche am Tage nie über die Lippen ließ , ja welche sie wohl gar nicht kannte . Einmal träumte dem Pagen , seine Fuchsstute gehe mit ihm durch und rase durch eine nackte von einer zornigen Spätglut gerötete Gegend einer Schlucht zu , der König setze ihm nach , er aber stürze vor den Augen seines Retters oder Verfolgers in die zerschmetternde Tiefe , von einem höllischen Gelächter umklungen . III III Leubelfing erwachte mit einem jähen Schrei . Der Morgen dämmerte und der Page fand seinen König , der sich in einem Zuge kühl und hell geschlafen hatte , in der gelassensten und leutseligsten Laune von der Welt . Ein Brief der Königin langte an , der eben nichts Dringliches enthielt , wenn nicht die Nachschrift , worin sie ihren Gemahl bat , zum Rechten zu sehen in einem Fall und in einer Nöte , welche der hilfreichen Frau naheging . Der Herzog von Lauenburg , ein unsittlicher Mensch , der vor kaum ein – paar Monaten eine der vielen Basen der Königin aus politischen Gründen geheiratet hatte , gab öffentliches Ärgernis , indem er , von den blonden Flechten und wasserblauen Augen seines Weibes gelangweilt , seine Flitterwochen abgekürzt , hatte und , in das schwedische Lager zurückgeeilt , eine blutjunge Slavonierin neben sich hielt . Diese hatte er , als ein Wegelagerer der er war , aus der Mitte einer niedergerittenen friedländischen Eskorte weggefangen . Nun ersuchte die Königin ihren Gemahl , diesem prahlerischen Ehebruch ein rasches Ende zu machen ; denn der Lauenburger , die Blicke nur des Königs ausweichend , prunkte vor seinen Standesgenossen mit der hübschen Beute und gönnte sich , als einem Reichsfürsten , die Sünde und den Skandal dazu . Gustav Adolf faßte die Sache als eine einfache Pflichterfüllung auf und gab kurzweg den Befehl , die Slavonierin – man nannte sie die Corinna – zu ergreifen und ihm vorzuführen in der achten Stunde , wo er von einem kurzen Rekognoszierungsritte zurück zu sein glaubte . Streng und menschlich zugleich , dachte er das Mädchen , dem er , den Lauenburger kennend , den kleinern Teil der Schuld beimaß , zu ermahnen und dann ihrem Vater in das wallensteinische Lager zuzusenden . Er verritt , den Pagen Leubelfing zurücklassend mit der Weisung , die Königin brieflich zu beruhigen ; er werde eine eigenhändige Zeile beifügen . Acht Uhr verstrich und der König war noch nicht wieder angelangt , wohl aber die Corinna , von ein paar grimmigen schwedischen Pikenieren begleitet , welche sie dem Pagen , der im Vorzimmer über seinem Briefe saß , Degen und Pistolen neben sich auf den Tisch gelegt , überlieferten . Vor dem Tore des Schlößchens stand ja eine Wache . Neugierig schickte der Page einen Blick über seine Buchstaben hinweg nach der Gefangenen , die er sich setzen hieß , und erstaunte über ihre Schönheit . Nur von mittlerer Größe , trug sie über vollen