Weibe lag , das die Hände über der Brust faltete . » Ei , da hält ja unsere liebe Frau neben ihrem Alten stille Andacht « , spaßte der Lombarde , » und trübt kein Wässerchen , während sie zugleich in ihrer grünen Kraft bergauf bergab reitet und hängen und köpfen läßt . « Er blickte bedenklich zu dem prächtig gebildeten leuchterförmigen Ast eines Ahorns empor . » Hier würde ich ungerne prangen « , sagte er . » In Kürze : ich bin Rachis der Goldschmied und habe ein Geschäftchen mit dir . Liebst du deinen Bruder , junge Herrin ? « Diese plötzliche Frage setzte das Mädchen kaum in Erstaunen , das sich heute und gestern mit nichts anderem als nur mit diesem selben Gegenstande beschäftigt hatte . » Wie mein Leben « , sagte sie . » Das ist schön von dir , aber wenig fehlt , so liebst du einen Toten . Wulfrin der Höfling ist in unsere Gewalt geraten . « » Er lebt ? « schrie das Mädchen angstvoll . » Zur Not . Herzog Witigis zielt auf sein Herz – aber wird uns die Richterin nicht überraschen ? « » Nein , nein , sie ist nach Chur verritten . Rede ! schnell ! « » Nun , ich habe ein feines Ohr und weiß auch ein Loch in der Mauer , denn ich bin hier nicht unbekannter als der Marder im Hühnerhof . Also : dein Bruder ist in einen Hinterhalt gefallen . Er schlug um sich wie ein Rasender und unser sechse wichen vor ihm , die einen verwundet , die andern um es nicht zu werden . Doch sein Pferd rollte in den Abgrund und er selbst verirrte sich auf eine leere Felsplatte , wo wir ein Treiben auf ihn anstellten und ihm hinterrücks ein langes Jagdnetz über den Kopf warfen . Denn der Herzog wollte ihn lebendig fangen , um ihn über die Wege des Franken unsers Verderbers auszufragen . Der Trotzkopf aber verschwieg alles , auch den eigenen Namen . Da legte der Herzog den Pfeil auf den Bogen und – « Rachis tat einen grausamen Pfiff . » Du lügst ! er lebt ! « rief das Mädchen mutig . » Vorläufig . Der Herzog drückte nicht ab , denn – jetzt wird die Geschichte lustig – das junge Weib eines der Unsrigen , eine freigegebene Eigene der Richterin , wenig älter als du – « » Mein Gespiel Brunetta , das Kind Faustinens – « » Gerade diese sprang dazwischen . › Bei der durchlöcherten Seite Gottes ‹ , heulte sie , › der arme Herr trägt das Wulfenhorn und ist kein anderer als der Sohn des Comes , der im Steinbild auf Malmort liegt . Seine leibliche Schwester , Herrin Palma , hat mir von ihm erzählt , von klein an und in einem fort ohne Aufhören . Du darfst nicht sterben ‹ , wendete sie sich an den Gebundenen , › das wäre ihr ein großes Leid und tötete ihr das Herzchen . Denn wisse , du bist ihr Herzkäfer , wenngleich sie dich noch nie mit Augen gesehen hat . Sende hin und sie löst dich mit ihrem ganzen Geschmeide . Es sind köstliche Sachen . All ihr Kleinod hat die Richterin dem Kinde , sobald es seinen Wuchs hatte , gespendet und dahingegeben . ‹ So erfuhr Herzog Witigis den Namen seines Gefangenen und die blonde Rosmunde , die er um sich hat , das Dasein eines herrlichen Schatzes . Sie umhalste den Herzog und erflehte sich das Geschmeide von Malmort . Ihr Stirnband habe seine Perlen und ihr elfenbeinerner Kamm die Hälfte seiner Zähne verloren . Kurz , Goldschmied Rachis wurde an dich geschickt und bietet dir den Tausch . Wähle : Schmuck oder Bruder ! « Ehe noch der Lombarde geendigt hatte , stürzte das Mädchen gegen die Burg , die steile Treppe hinauf , verschwand in der Pforte und kam atemlos wieder , Schimmerndes und Klingendes in dem zur Schürze gefaßten hellen Oberkleide tragend . Dieses hielt sie mit der Linken , während die Rechte Stück um Stück wie aus einem Horte emporhob und den gekrümmten Fingern des Goldschmieds überantwortete . Spangen , Stirnbänder , Gürtel , Perlschnüre verschwanden in dem Sacke , welchen Rachis geöffnet hatte , auch für die blonden Flechten Rosmundens ein kunstvoller Kamm von Elfenbein mit dem Heiland und den Aposteln in erhabener Arbeit . Jedes durch seine Hände wandernde Stück begleitete der Goldschmied mit dem Lobe des Kenners , nicht ohne ein bißchen Bosheit , die dem begeisterten Mädchen seine Verluste fühlbar machen wollte . Sie zuckte nicht einmal mit dem Mund , sie leuchtete vor Freude bei der Hingabe alles ihres Besitzes . Da kam ihr denn doch ein Zweifel . » Du bist redlich ? « sagte sie . » Du schickst mir den Bruder ? Es ist besser , ich begleite dich ! « und sie machte sich wegfertig . » Unmöglich , Herrin « , widersprach der Lombarde , » das geht nicht ! Du entdecktest unsere Schlupfwinkel und gefährdetest mit dem Leben des Bruders auch das deinige . Die Richterin aber würde dich von uns geraubt glauben . Sei nicht unklug und gib dich nicht in fremde Gewalt ! « Er belud sich mit dem Sacke . » Ein Schlummerchen , Fräulein ! und wenn du die Augen wieder öffnest , hast du den Bruder , der dich Gold und Gut kostet . Das schwöre ich dir ! « Er senkte die drei Finger mit einem grimmigen Blicke gegen den Erdboden . » Bei dem da unten ! « gelobte er . » Ein glaubhafter Schwur ! « sprach eine weibliche Stimme . Rachis wendete sich erschrocken und bog das Knie vor einer behelmten Frau mit strengen Zügen , die den Speer , den sie in der Hand getragen , einem bewaffneten Knechte reichte . Die Richterin mochte aus Schonung für ihr ermüdetes Tier den steilen Burgweg zu Fuß