Herr Schadau wird seinem harten Urteile über den Mariendienst in Zukunft nicht vergessen die Klausel anzuhängen : mit ehrenvoller Ausnahme der lieben Frau von Einsiedeln . « » Dazu bin ich gerne bereit « , sagte ich auf den Ton des alten Herrn eingehend , freilich nicht ohne eine innere Wallung gegen seinen Leichtsinn . Da ergriff der gutmütige Boccard meine Hand und schüttelte sie treuherzig . Das Gespräch nahm eine andere Wendung und bald erhob sich der junge Fryburger gute Nacht wünschend und sich beurlaubend , da er morgen in der ersten Frühe aufzubrechen gedenke . Nun erst , da das erregte Hin- und Herreden ein Ende genommen hatte , richtete ich meine Blicke aufmerksamer auf das junge Mädchen , das unserm Gespräch stillschweigend mit großer Spannung gefolgt war , und erstaunte über ihre Unähnlichkeit mit ihrem Vater oder Oheim . Der alte Rat hatte ein feingeschnittenes , fast furchtsames Gesicht , welches kluge , dunkle Augen bald wehmütig , bald spöttisch , immer geistvoll beleuchteten ; die junge Dame dagegen war blond und ihr unschuldiges , aber entschlossenes Antlitz beseelten wunderbar strahlende blaue Augen . » Darf ich Euch fragen , junger Mann « , begann der Parlamentrat , » was Euch nach Paris führt ? Wir sind Glaubensgenossen und wenn ich Euch einen Dienst leisten kann , so verfügt über mich . « » Herr « , erwiderte ich , » als Ihr den Namen Chatillon ausspracht , geriet mein Herz in Bewegung . Ich bin ein Soldatenkind und will den Krieg , mein väterliches Handwerk , erlernen . Ich bin ein eifriger Protestant und möchte für die gute Sache so viel tun , als in meinen Kräften steht . Diese beiden Ziele habe ich erreicht , wenn mir vergönnt ist unter den Augen des Admirals zu dienen und zu fechten . Könnt Ihr mir dazu verhelfen , so erweist Ihr mir den größten Dienst . « – Jetzt öffnete das Mädchen den Mund und fragte : » Habt Ihr denn eine so große Verehrung für den Herrn Admiral ? « » Er ist der erste Mann der Welt ! « antwortete ich feurig . – » Nun , Gasparde « , fiel der Alte ein , » bei so vortrefflichen Gesinnungen dürfest du für den jungen Herrn ein Fürwort bei deinem Paten einlegen . « » Warum nicht ? « sagte Gasparde ruhig , » wenn er so brav ist , wie er das Aussehen hat . Ob aber mein Fürwort fruchten wird , das ist die Frage . Der Herr Admiral ist jetzt , am Vorabend des flandrischen Krieges , vom Morgen bis in die Nacht in Anspruch genommen , belagert , ruhelos , und ich weiß nicht , ob nicht schon alle Stellen vergeben sind , über die er zu verfügen hat . Bringt Ihr nicht eine Empfehlung mit , die besser wäre als die meinige ? « » Der Name meines Vaters « , versetzte ich etwas eingeschüchtert , » ist vielleicht dem Admiral nicht unbekannt . « – Jetzt fiel mir aufs Herz , wie schwer es dem unempfohlenen Fremdling werden könnte , bei dem großen Feldherrn Zutritt zu erlangen , und ich fuhr niedergeschlagen fort : » Ihr habt recht , Fräulein , ich fühle , daß ich ihm wenig bringe : ein Herz und einen Degen , wie er über deren tausende gebietet . Lebte nur sein Bruder Dandelot noch ! Der stünde mir näher , an den würde ich mich wagen ! War er doch von Jugend auf in allen Dingen mein Vorbild : Kein Feldherr , aber ein tapferer Krieger ; kein Staatsmann , aber ein standhafter Parteigenosse ; kein Heiliger , aber ein warmes treues Herz ! « – Während ich diese Worte sprach , begann Fräulein Gasparde zu meinem Erstaunen erst leise zu erröten und ihre mir rätselhafte Verlegenheit steigerte sich , bis sie mit Rot wie übergossen war . Auch der alte Herr wurde sonderbarerweise verstimmt und sagte spitz : » Was werdet Ihr wissen , ob Herr Dandelot ein Heiliger war oder nicht ! Doch ich bin schläfrig , heben wir die Sitzung auf . Kommt Ihr nach Paris , Herr Schadau , so beehrt mich mit Euerm Besuche . Ich wohne auf der Insel St. Louis . Morgen werden wir uns wohl nicht mehr sehen . Wir halten Rasttag und bleiben in Melun . Jetzt aber schreibt mir noch Euern Namen in diese Brieftasche . So ! Gehabt Euch wohl , gute Nacht . « – Viertes Kapitel Viertes Kapitel Am zweiten Abende nach diesem Zusammentreffen ritt ich durch das Tor St. Honoré in Paris ein und klopfte müde , wie ich war , an die Pforte der nächsten , kaum hundert Schritte vom Tor entfernten Herberge . Die erste Woche verging mir in der Betrachtung der mächtigen Stadt und im vergeblichen Aufsuchen eines Waffengenossen meines Vaters , dessen Tod ich erst nach mancher Anfrage in Erfahrung brachte . Am achten Tage machte ich mich mit pochendem Herzen auf den Weg nach der Wohnung des Admirals , die mir unfern vom Louvre in einer engen Straße gewiesen wurde . Es war ein finsteres , altertümliches Gebäude und der Pförtner empfing mich unfreundlich , ja mißtrauisch . Ich mußte meinen Namen auf ein Stück Papier schreiben , das er zu seinem Herrn trug , dann wurde ich eingelassen und trat durch ein großes Vorgemach , das mit vielen Menschen gefüllt war , Kriegern und Hofleuten , die den durch ihre Reihen Gehenden mit scharfen Blicken musterten , in das kleine Arbeitszimmer des Admirals . Er war mit Schreiben beschäftigt und winkte mir zu warten , während er einen Brief beendigte . Ich hatte Muße , sein Antlitz , welches sich mir durch einen gelungenen , ausdrucksvollen Holzschnitt , der bis in die Schweiz gelangt war , unauslöschlich eingeprägt , mit Rührung zu betrachten . Der Admiral mochte damals fünfzig Jahre zählen , aber seine Haare waren schneeweiß und eine fieberische Röte durchglühte die abgezehrten