nach einer flüchtigen Eidechse stieß , mit ruhigen Worten : » Wie ich den Grafen Contrario kenne , taugt er nimmermehr für eine Borgia , denn er ist ein armer Mensch , zusammengesetzt aus peinlichen Tugenden und ewigem Widerspruch , ein Berg rechthaberischer Grundsätze , der die Maus einer knickerischen Rechenkunst gebiert , gänzlich unfähig , eine Frau um ihrer selbst willen mit Größe und Verschwendung zu lieben ! Ich behaupte , seiner Werbung um dieses Schöne , dieses Liebe hier liegt ein grobes Rechenexempel zugrunde . Hier auf diese Tafel will ich es niederschreiben ! « Er zog ein Täfelchen hervor , schrieb mit dem Stift und las zugleich : » Graf Ettore Contrario freit um die hochherzige Angela Borgia , weil er mit dem Fiskus in Ferrara einen von seinem Vater geerbten Prozeß über bedeutende , auf ferraresischem Boden gelegene Ländereien führt , den er aller Wahrscheinlichkeit nach bei den zuständigen ferraresischen Gerichten verlieren würde ohne den Schutz eines höchsten Einflusses , wie der , zum Beispiel , unserer erlauchten Fürstin , für deren einziges Lächeln der verliebte Großrichter Herkules Strozzi Ehre und Seele verkauft . Unsre Herzogin aber und ihr Sklave Herkules wären zu bestechen , wenn der vollkommene Graf die Hand dieser Unschuld begehrt , welche Donna Lucrezia aus Ferrara entfernen will , weil das junge Mädchen aufs zärtlichste und rasendste von dem Kardinal Ippolito geliebt wird , während sie selbst , als echtes Weib , unwissend und hoffnungslos für den größten Taugenichts der Erde entflammt ist . Ohne innern Kampf wird der mäßig tapfere Graf sich nicht entschließen , zwischen diese lodernden Feuer zu greifen . Aber es ist möglich , daß seine Habsucht stärker ist als seine Feigheit . Beurteilt Ihr ihn anders , Herzogin ? « Lucrezia wunderte sich über dies freche Bekenntnis und diese verwegene Bloßlegung der Tatsachen , die ihrer eigenen Wertung der Dinge und Personen nicht allzu fernlag , welche aber nicht gelten durfte , weil sie es nicht wollte . Ehe sie indessen antworten konnte , ergriff Ippolito , der sich nach einer von Angela aus leichten Grashalmen zusammengefügten Kette gebückt hatte , die eben ihren zitternden Händen entglitten war , wiederum das Wort : » Wie diese Ringe , verkettet sich Absicht mit Absicht , um Euch zu kuppeln , Angela Borgia ; aber wie ich Euch kenne und liebe , werdet Ihr diese Kette zerreißen , wie ich dieses nichtige Geflecht ! Denn « , flüsterte er heiß , » Angela ließe sich eher von einem Dämon in die Hölle ziehen , wenn er sie liebte , als daß sie sich dazu darböte , die Summe eines Rechenexempels zu werden ! – So rede ich , wie redet Ihr , Schwägerin ? « Er wandte sich mit einem Antlitz , das drohte und trauerte , gegen Lucrezia . Sie antwortete fest : » Ich aber vermähle diese mit dem Grafen Contrario . Berechnend ist er – zugestanden – wie es das Leben erfordert , doch nicht unadelig . Diese aber wird er behüten , besser als ich es vermöchte . Und was wollt denn Ihr mit Angela , Kardinal ? – Euer Weib kann sie nicht werden , solange Ihr den Purpur tragt , und den werdet Ihr nicht verschleudern wollen einem Mädchen zuliebe ! « » Wer weiß , Fürstin ! « entgegnete er wegwerfend . » Euer Bruder vertauschte ihn gegen ein Herzogtum , und ich achte diese für ein neidenswerteres Gut ! Auch ist mir minder darum bange , daß sie sich Eurem Günstling , dem Contrario , zuwende , sie wird es nicht über sich bringen – sie versuche es nur , es wird nicht gehen ! Selbst nicht , um sich vor mir zu retten ! ... Denn sie gibt mir innerlich recht und findet sein Bildnis getroffen ! Das Dreihellergesicht ist ihr ein Ekel . Dieser tugendsame Graf also kümmert mich nicht . Eine andere Marter peinigt mich und dreht sich Tag und Nacht mit mir , wie das Rad des Ixion . – Höre mich , Mädchen ! « Angela hielt seinen fieberscharfen Blick mit erstaunten , aber mutigen Augen aus . » Weigerst du dich meiner Liebe , so verbiete ich dir auch die jenes andern , bei seinem und deinem Leben ! – Wie du wild errötest ! ... Ich hasse den , welchen du in deinem Herzen verbirgst ! Reiße ihn heraus ! ... er beschmutzt den edlen Schrein ... ich kann es nicht ertragen ! ... Erinnere dich , wer du bist , und wende dich mit Verachtung von dem , der dich in den Armen der Coramba , oder wie sonst die Dirne seines heutigen Tages heißt , beschimpft und vergißt ! – Gehorche , oder es wächst Unheil ! « Mitten in dieser erhitzten Szene betrat ein Page den verlorenen Schattenplatz und bat die Herrschaften , in den Park zurückzukehren . Der versammelte Hof harre der Herzogin , und der Herzog wünsche , in seinem Kabinette den venezianischen Herrn zu beurlauben , dann aber die Eminenz zu sprechen . Den Großrichter habe er eben zu seiner Hoheit gerufen und Don Giulio auf später bescheiden müssen . 3. Kapitel Drittes Kapitel Im Schatten der herrlichsten Bäume wandelte die kleine Gesellschaft , die Frauen voran , der Kardinal mit Bembo harmlos plaudernd , gegen die Mitte des Parkes , wo sie den in gerader Linie dem Schlosse zulaufenden Zypressengang betraten . Dieses , ein schlichtes Gebäude von nur mäßigen Verhältnissen , erhob sich auf dem Grunde eines schwülen , bleiernen Julihimmels . Eben wurde ein neuer , befestigter Seitenpavillon angebaut , von dem die hölzernen Gerüste der Maurer noch nicht entfernt worden waren . Zu der hellen , kleinen Fassade stieg eine breite Doppeltreppe empor , und der in den Parkanlagen sich ergehende Hofstaat erblickte oben auf der Rampe den unermüdlichen Herzog , wie er , seinen müßigen Hof auf sich warten lassend , den Neubau besichtigte und , von den Werkleuten zurückgehalten , mit ihnen