und ein rechter Kavalier war . Aber nachher wurde er der Gräfin ihr Narr , er spielte und trank mit dem Baron Fleury und dergleichen Gelichter die Nächte durch und machte alle ihre › noblen Nichtsnutzigkeiten ‹ mit ; er mißhandelte seine Frau – die Frau , die ihr Herzblut tropfenweise für ihn hingegeben hätte – , und da kam mir der Grimm , ich hab ' ihn gehaßt und verachtet , und es war sein und mein Glück , daß er mich fortschickte ... Ja , ja , da heißt ' s : › Er ist auf dem Felde der Ehre gestorben ! ‹ Das klingt gar gewaltig und löscht alle Sünden aus ; wenn aber einer Bankrott macht und geht in der Verzweiflung sich selbst ans Leben , da ist er verurteilt für alle Zeiten . Herr , es war alles fort und verjubelt bis auf die elende Baracke , das Waldhaus ; die Frau Gräfin wollte mit dem Bettler auch nichts mehr zu schaffen haben , und da ging der letzte Zweiflingen nach Schleswig-Holstein , stürzte sich in den dichtesten Kugelregen und ließ sich niederschießen . Aber das ist beileibe kein Selbstmord – sollte mal einer sich unterstehen , das Ding so zu nennen ! Die Kavalier-Ehre ist gerettet , und nun sieh zu , Witwe , wie du zurechtkommst ! Seine adligen Hände konnten wohl Geld ausgeben , aber rechtschaffen arbeiten und das gutmachen , was sie gesündigt hatten , das durften sie nicht – dazu waren sie zu vornehm ! « Er warf den Mantelzipfel über die Schulter und griff nach der Laterne . » So , nun hab ' ich einmal meinem Herzen Luft gemacht ! « sagte er nach einem tiefen Atemzug . » Hätten Sie den Namen › Eschebach ‹ nicht genannt , wär ' s nicht geschehen ... Und nun gehe ich heim und schleppe mein Joch weiter ! ... Aber noch eins , Hüttenmeister : Nennen Sie mich nie wieder den getreuen Eckart ! Zu dem Posten gehört ein Herz voll Liebe und Geduld , und das hab ' ich nicht , absolut nicht ... Der Major hätte mir zehn solcher Briefe hinterlassen können , wie sie nach der Schlacht bei Idstedt einen bei ihm gefunden haben , ich wär ' deshalb noch lange nicht zu seiner Frau und Tochter gegangen , denn die Liebe war ausgelöscht ; aber es war einmal eine Zeit , wo mein Vater sein Bauerngütchen durch einen nichtsnutzigen Prozeß verlieren sollte ; da nahm der Major den besten Advokaten im Lande an und bezahlte ihn , und mein Alter blieb auf seinem rechtmäßig ererbten Eigentum . An die Zeit dachte ich , packte meine sieben Sachen zusammen und wurde wohlbestallter Haushofmeister , das heißt Küchenmagd , Holzlieferant , Scheuerfrau und so weiter bei Frau von Zweiflingen . « Der Ausdruck beißenden Hohnes in der Stimme des alten Soldaten wurde noch verstärkt durch die ironische Würde in Haltung und Gebärden , die er bei Aufzählung seiner Funktionen einnahm . Auf den Hüttenmeister aber wirkte diese Art und Weise peinlich und verletzend . Er kniff die Lippen unter dem Vollbart fest aufeinander , seine Brauen falteten sich noch düsterer als zuvor , und stillschweigend legte er die Papiertüte , die er bis dahin in der Hand gehalten hatte , auf einen Seitentisch . Sievert trat jedoch mit zwei raschen Schritten zu ihm . » Geben Sie nur her ! « sagte er , indem er die Tüte ergriff und auf das Brot in seinem Korbe legte . » Den Gefallen tu ' ich Ihnen schon ... Ändern kann ich doch nichts mehr , und die armen Dinger da sollen nicht umsonst abgeschnitten sein ... Will ' s schon ausrichten , weshalb Sie heute nicht zur › Teegesellschaft ‹ kommen können . Und nun gute Nacht und gute Besserung für den Herrn Studenten ! « Damit verließ er das Zimmer und trat wieder hinaus in den stürmischen Abend . 2 Er schlug denselben Weg ein wie die Pfarrerin – nach dem Dorfe Neuenfeld , das ungefähr einen Büchsenschuß weit vom Hüttenwerk lag . Aber der Weg war unterdessen ein sehr mühseliger geworden ; der Sturm hatte fußhohe Schneewälle zusammengefegt und quer über die Landstraße geworfen , und der Flockenwirbel erfüllte die Luft so dicht und undurchdringlich , daß auch nicht eine Spur der Ebereschenbäume zu beiden Seiten der Straße sichtbar war . Der alte Soldat stampfte mit Todesverachtung im förmlichen Sturmschritt vorwärts ; ihm wurde wohl inmitten des Tumultes . Er schob die wohlbefestigte Mütze nach dem Hinterkopf zurück und ließ sich von dem kalten Schnee die Stirn bestäuben , hinter der die plötzlich wachgerüttelten alten , bösen Erinnerungen brannten . Das Knirschen und Krachen unter seinen Füßen erfüllte ihn mit einer fast kindischen Befriedigung ; er trat noch einmal so fest auf und dachte an seinen Lebensweg , den er mit Mißbehagen und tiefem Widerwillen ging , da durfte er ja nie auftreten , wie er wollte , und wurde unter der Einlösung alter Verpflichtungen grau , verbittert und menschenfeindlich . Neuenfeld , eines jener armseligen Gebirgsdörfer , wie der Thüringer Wald deren genug auf seinem Rücken trägt , lag in lautloser Stille vor ihm ; es sah aus , als habe es sich geduldig und willenlos ergeben in die kleine Talsenkung hingestreckt , um sich nun bis an seine Schindeldächer einschneien und einsargen zu lassen . Am Tage erschienen die elenden , unregelmäßig durcheinander gestreuten Häuser mit den verwahrlosten Gärtchen an ihrer Seite nichts weniger als einladend ; in diesem Augenblick jedoch , wo Schnee und Nacht die Lehmwände und grauen Schindeln deckten , fiel der matte Lichtschein der kleinen Fenster gastlich und anmutend in das Schneewetter draußen . Die Glasscheiben bedurften keiner Läden oder verhüllenden Vorhänge – das besorgte der wohlgeheizte Ofen , der ja tröstlicherweise selbst im ärmsten Hause nicht fehlt ; er behauchte sie mit einer dicken Dunstschicht , und so konnte kein Nachbar bei dem anderen sehen , ob er seine Abendkartoffeln