für einen wahren Pappenstiel , und auch den hat der alle Schwindler nicht einmal bezahlt ! « – Sie unterbrach sich und fuhr mit der Hand in die Tasche . » Da guck her , Peter – was ich dir immer sage ! « wandte sie sich an ihren Mann und zerdrückte vor seinen Augen eine kleine gebratene Kartoffel , so daß das köstliche Eidottergelb des Innern appetitlich duftend hervorquoll . » Drüben im Grafenholz sammeln die Tillröder Jungen Erdbeeren , und da liegt diese Gottesgabe halbmetzenweise in der heißen Asche – « » Na und , Jettchen ? « » Na und , Mann ? « ahmte sie ihm ärgerlich nach . » Wie kommst du mir denn vor ? Mußten denn die Bengels gerade vom Allerbesten haben ? Waren da nicht große , rotschälige gerade gut genug ? ... Und wie ich frage › woher ? ‹ , da sagt die Rotte ganz frech : › Nicht von der Frau Griebel , aber von Amtmanns Magd ! ‹ ... Herr Markus , ich will ja den Leuten drüben nicht ins Gehege kommen – meinetwegen mögen sie bis in alle Ewigkeit auf dem Vorwerk sitzen und keinen Pacht zahlen , aber sie haben den allerbesten Kartoffelboden vom ganzen Gute – « » Jettchen , denk an dein Gewissen ! « fiel ihr Mann warnend ein . » Wir haben keine Ursache zu klagen , es geht uns gut – und von meiner Familie soll mir ja keines mitschieben und drängen , daß Herr Markus kurzen Prozeß macht mit den Leuten . Der Amtmann ist alt , und seine Frau liegt seit einem Jahre krank in ihrem Bette , und wenn die Magd nicht hauszuhalten versteht – « » Ja , die Magd – das ist mir die Allerschönste ! « sagte Frau Griebel mit verächtlichem Achselzucken . » Na , Sie haben sie ja gesehen , Herr Markus , das Mädchen in dem verhunzten Stadtkleide ! Jetzt trägt sie freilich ihr Grasbündel auf dem Kopfe , als wenn sie damit auf die Welt gekommen wäre ; aber im Anfang – daß sich Gott erbarm ' ! « » Ist sie nicht aus der Umgegend ? « fragte Herr Markus mit Interesse . » Bewahre ! Der Sprache nach muß sie weit her sein ... Sehen Sie , das war so ! Gleich nachdem unsere alte Dame gestorben war , da legte sich auch die Frau Amtmann , und die Magd lief davon , weil sie nie einen Heller Lohn zu sehen gekriegt hatte – das war schlimm , denn eine andere fand sich durchaus nicht . Ich sprach schon davon , daß ich ' nübergehen und nach der Ordnung sehen wollte – wenn auch die Leute sich niemals um unsereinen gekümmert hatten – ab da kam auf einmal eine Nichte vom Amtmann ; sie war Erzieherin in einer großen Stadt , wie mir die Frau Oberforstmeisterin einmal gesagt hat , und die hat das Mädchen zur Hilfe mitgebracht ... Auf der Magd liegt nun freilich die ganze Wirtschaft ; denn das Erziehungsfräulein wird wohl weder Kochtopf noch Kehrbesen anrühren – « » Brr ! « machte Herr Markus und schüttelte sich . » Na , was denn ? « fuhr Frau Griebel zurück und riß ihre kleinen Augen unter den verwundert emporgezogenen blonden Brauen weit auf . » Ja , sehen Sie , meine liebe Frau Griebel , ich bin ein nervenschwacher Mensch – ich leide an einer unbesieglichen Antipathie gegen Erzieherinnen . « Durch seine interessanten Züge ging ein humoristisches Jucken wie Wetterleuchten . » Das soll heißen , Sie können die Erzieherinnen nicht leiden ? ... Da kommen Sie mir aber schön an , Herr Markus ! Meine Luise will ja auch eine werden – freilich nicht so wie die auf dem Vorwerk ! Das leide ich schon nicht ! In den Ferien muß sie mir tüchtig mit an die Arbeit – da wird nicht gefackelt ! Sie kann fertig backen , einmachen und Geflügel stopfen , und in der Milchwirtschaft ist sie zu Zause wie ich selber ; und dabei hat sie rote Backen wie ein Stettiner Apfel und ist frisch und gesund – Gott behüt ' s – wie eine Ecker ... Sie soll mir auch nie in eine große Stadt , denn da bringen sie immer blasse Farbe und abgeschmacktes Getue mit , wie eben die Fräulein Franz auf dem Vorwerk . Ich hab ' sie nur ein einziges Mal in der Kirche in Tillroda gesehen , und da hatte ich schon genug . Sie ist eine ebenso lange Hopfenstange wie ihre Magd , tut schrecklich eigen , und ist blaß und schmal im Gesicht , soweit ich ' s von meinem Kirchenstuhl aus erkennen konnte – « Sie machte , sich selbst unterbrechend , eine plötzliche Schwenkung nach der Tür . » Ja , da stehe ich nun , ich alte Plappertasche , und vertue die Zeit , und weiß doch kaum , wo mir der Kopf steht vor Arbeit ! – Peterchen , du mußt mir gleich junge Tauben vom Schlag holen und nach frischen Eiern suchen , und ich gieße derweil den Kaffee auf . Nachher wird hier oben gefegt ! – Bis dahin vertreiben Sie sich ja wohl die Zeit , Herr Markus , und gucken sich ein bißchen um in den Raritäten hier oben ? « Damit ging sie hinaus ; ihr » Peterchen « folgte ihr auf dem Fuße , und » der neue Herr « trat vom Fenster weg , während seine Augen musternd durch das Zimmer glitten . Der Erker durchschnitt die Vorderwand dieses großen Raumes genau in der Mitte , so daß seine Glastür von je einem Stubenfenster eingeschlossen wurde . Auf diese Weise strömte viel Licht herein , leicht gefärbt durch grünblumige Kattunvorhänge , und beleuchtete voll zwei Gestalten , die von der tiefen Wand herabsahen . In Stirn und Wangen des jungen Mannes stieg die Röte innerer Erregung , und seine Stirn furchte