zugesagt . Kommst du ein Stündchen ? « » Ich danke ! « versetzte das junge Mädchen , neben der Schwester zur mütterlichen Wohnung emporsteigend ; » schicke mir den Kleinen ein wenig , ich spiele so gern mit ihm . « » Gewiß , der Gentleman soll erscheinen « , nickte Frau Jenny , » vorausgesetzt , daß er nicht wie ein kleines Murmeltier schläft . « » Geh hinein zur Mama « , bat Trudchen , » ich will mich nur umziehen , dann komme ich . « Es waren die nämlichen Räume wie im unteren 30 Gestock , ebenfalls reich möbliert , aber nicht in der neuen stilvollen Weise , wenngleich nicht minder vornehm und behaglich . Die Schwestern trennten sich im Vorzimmer und Trudchen Baumhagen suchte ihre Stube auf . Sie bewohnte das Gemach mit dem Erker . Aber hier brach das Tageslicht nicht durch kostbare bunte Glasmalereien – es konnte ungehindert durch die Spiegelscheiben fluten , vor denen draußen im leisen Westwind unzählige Blumenkelche schwankten . Gerade gegenüber erhoben sich die Giebel des Rathauses . Wie luftige Spitzengewebe zeichneten sich die durchbrochenen Sandsteinverzierungen von dem rotglühenden Abendhimmel ab . Er war ein unendlich anmutiges Plätzchen , dieser Erker . Der Nähtisch befand sich hier und hinter ihm auf einer Staffelei das Bild des verstorbenen Herrn Baumhagen . Beim ersten Blick mußte man die Ähnlichkeit zwischen Vater und Tochter erkennen . Dasselbe lichtbraune Haar , die kräftige Stirn , die kurze schmale Nase , und dann die Augen . Sie war auch immer sein Liebling gewesen und sie sorgte , daß stets eine frische Blume in dem goldenen Blattwerk des Rahmens steckte . Und wenn sie bei der Arbeit saß , dann ruhten zuweilen die Hände und ihre Augen suchten das Bild . » Guter , guter Papa ! « pflegte sie dann hinüberzuflüstern , als müsse er es verstehen . Auch heute schritt sie rasch zum Erker hinüber und schaute lange das Bild an . » Das hättest du 31 auch getan « , sagte sie leise , » nicht wahr , Papa ? « – Es lag plötzlich ein ernster Ausdruck in den zwei Mädchenaugen , etwas wie grenzenlose Sehnsucht . » Nein , alle sind sie nicht so wie Mama und Jenny , es gibt noch warme Menschenherzen , es gibt noch Herzen , die Mitleid haben mit fremder Not , denen das verhaßte – – « Sie stockte plötzlich , ihre schmalen Hände hatten sich geballt und nun funkelten die Augen in Tränen . Sie begann im Zimmer auf und ab zu schreiten . Der weiche Teppich dämpfte den leisen Schritt zwar bis zur Unhörbarkeit , aber die schwere Seide rauschte hinter ihr drein , aufregend und beängstigend . Welche Demütigungen brachte ihr täglich und stündlich die Tatsache , daß sie ein reiches Mädchen war ! Alles , alles sollte sie dem Umstande verdanken , daß sie Geld besaß . Jenny hatte ihr ja eben erst wieder erklärt , daß sie nur Pate geworden sei , weil – – Ach , das war egal , das wußte sie besser ; Johanne war zu bescheiden . Aber das andere hatte sie noch nicht verwunden . – Da war vor einer Woche Manöver in der Umgegend gewesen , und ein Oberst mit dem Adjutanten hatte zwei Tage im Baumhagenschen Hause in Quartier gelegen . Sie erinnerte sich in der Tat nicht , daß sie mehr mit dem Adjutanten gesprochen als einige alltägliche Worte ; und vierundzwanzig Stunden , nachdem die Truppen die Stadt verlassen hatten – gestern – lag ein Brief vor ihr , angefüllt mit den glühendsten 32 Liebesversicherungen und der Bitte um ihre Hand . Sie hatte das Schreiben genommen und war hinübergegangen zur Mutter , um ihr das Schriftstück zu übergeben mit den Worten : » Es will da einer mein Geld heiraten ! Schreib du ihm Antwort , Mama , ich kann es nicht . « Nun bangte ihr vor der Erörterung dieses Schreibens . Sie fürchtete nicht , daß die Mutter ihr zureden würde – nein , nein , sie war stets selbständig genug gewesen , um von vornherein ihr Empfinden nicht einem fremden Willen unterzuordnen . Aber man sprach doch darüber , und wie unendlich weit gingen die Wege auseinander zwischen Mutter und Kind ! Sie schrak zusammen ! Die Tür war aufgegangen , und die Stimme der Schwester rief : » Aber so komm doch , Trudchen , ich kann mich gar nicht zu dem modernen Rot entschließen ! « Das Mädchen schritt hinüber und stand gleich darauf in dem Salon vor ihrer Mutter , einer kleinen Dame mit etwas zu rosigem Gesicht und einem unendlich eigensinnigen Zuge um den vollen Mund . Auf dem Sofa , unter der großen Schweizerlandschaft , dem Bilde eines berühmten Düsseldorfer Meisters – Frau Baumhagen pflegte mit Genugtuung zu erzählen , daß sie zweitausend Mark dafür bezahlt habe – saß sie und wühlte mit ihren fetten kleinen Händen , an denen es von Brillanten blitzte , in einer Menge Stoffproben . 33 » Oh , Gertrud « , rief sie , » das wäre für dich ! « und sie hielt ihr ein blaues Zeugfleckchen hin . » Schade , daß ihr so ungleich seid , es ist sonst so hübsch , wenn zwei Schwestern gleich gekleidet sind . « » Was sich für eine Frau paßt « , erklärte Frau Jenny , » schickt sich nicht für ein Mädchen . Trudchen soll machen , daß sie unter die Haube kommt , sie ist zwanzig Jahre . « » Ach , da fällt mir ein « , die Mama suchte noch immer unter den Proben während des Sprechens , » da ist noch der Brief von deinem letzten Freier , ich muß ihm ja wohl antworten – was soll man denn da wieder schreiben ? Sieh mal , Jenny , das ist niedlich , dieser braune Grund , mit den blauen Tupfen , nicht ? « unterbrach sie sich , »