, Monsieur , “ sagte sie , und warf den Mantel ab ; dann nahm sie den nassen Schleier vom Kopfe , setzte sich in den Lehnstuhl am Kamin und lockete meinen Cäsar ; der legete zutraulich den Kopf auf ihre Kniee , und sie streichelte ihn mit ihren weißen zarten Händlein . Ich stand in Gedanken verloren vor ihr und schaute sie an ; seltsamlich kam es über mich , da in meinem einsamen Stüblein ein Weib saß . Fremd , und doch so süß vertraut dünkete es mich , und ich vergaß Alles über solch ' anmuthig Bild , bis sie mich bat , ich solle ihrem Kutscher Hülfe senden . Da hastete ich fort in Schreck und Verlegenheit und gebot dem Jobst , er solle die fremden Mähren sorglich verpflegen und den Kutscher mit Bier und Imbiß laben , und im oberen Gestock solle sein , des Jobsten , Weib ein Kämmerlein herrichten für die Dame , da sich zeigete , daß das Gefährt zu arg beschädigt und sie in diesem Wettergraus nicht weiter könne . Und es kam , daß ich mich nicht in mein eigen Gemach getrauete vor Herzklopfen und Verlegenheit , als ich mich aber dennoch überwand und vor ihr stand , da dankte sie mit süßen Worten , und ihre Augen sahen holdselig zu mir empor , bis sie sich senketen vor den meinen und ihr lilienweiß Antlitz sich röthete . Und so saßen wir stumm bei einander , und draußen tobete das Wetter und riß ungestüm in dem Geäst der hohen Linden . Ich bin ein unbeholfener Gesell ; ich konnt ' nicht reden , sah sie nur an und wehrete dem Hunde , der nicht von ihr gewichen und nun zu ihren Füßen sich gestrecket . Sie aber merkte es kaum ; ihre Augen hielt sie geschlossen , und ein schmerzlich Sinnen grub ihr ein Fältlein auf die weiße Stirn . Dann kam des Jobstens Frau und brachte Wein und Imbiß , aber sie rührte kaum die Speisen an , und dann begehrete sie zur Ruhe . Ich aber fand solche nicht . Ich lief hinaus in Sturm und Regen und starrete zu ihrem hellen Fensterlein hinauf , und die halbe Nacht wanderte ich unstät umher , und da konnt ' ich sprechen zu ihr , halblaut , lange Reden , daß die Hunde mich verwundert und blöde anstarrten . Am andern Morgen aber war das schöne Vöglein vor Thau und Tag ausgeflogen , so früh ich auch aufstand . Auf dem Tisch vor ihrem Lager aber fand ich ein offen Brieflein , und darinnen mit zierlicher Schrift die Worte : „ Friederike von Babenberg danket Euch für die Gastfreundschaft und hoffet , sie vergelten zu können . “ Das Zettelchen lieget noch im Kasten meines Tisches mit anderem Tand , Löcklein , Bändern und getrockneten Blumen , vergriffen und morsch zum Zerfallen . Nun wußt ' ich ' s ; sie war die Tochter des alten Generals Babenberg aus Mansdorf , kaum ein Stündlein von hier , und von [ 610 ] Jobsten erfuhr ich , daß sie vom Begräbniß ihres Bruders zurückgekehrt sei , der , ein toller Raufbold , auf der Mensur sein Leben gelassen habe . Nun falle das große Majorat nach dem Tode ihres sehr alten , schier kindischen Vaters an eine entfernte Seitenlinie zurück , und dann müsse sie Mansdorf verlassen . Der Kutscher , der dies erzählet , habe hinzugefüget , er möge wohl wissen , was dereinst noch aus ihr werde ; denn nach einem armen Edelfräulein renneten sich die Freier just nicht die Hacken ab . Ich aber hatt ' fortan kein ruhig Stündlein mehr . Wohin ich sah , stund vor mir das schlanke Weib in dem dunklen Trauergewand ; wohin ich ging , wandelte sie neben mir und blickte mich an aus den blauen Augen , und Nachts beugte sich ihr blasses Antlitz über mein Lager . Die Liebe war über mich gekommen mit schier zauberhafter Macht ; ich war vierundzwanzig Jahr , Johannes , und hatte bisher noch niemalen in eines Weibes Auge geschauet . Und es kam so ; es kam das Unglaubliche , kaum zu hoffen Gewagte : Friederike von Babenberg ward meine Braut . Ei , das ging Alles ordentlich zu ; kein Teufelsspuk , kein Hexenwerk , aber mich dünkete es das lieblichste Wunder der Welt in dem Augenblick , als ich sie im Arme hielt an des kranken Vaters Bette . „ Friederike , mein Leben lang will ich Dir ' s danken “ – weiter konnt ' ich nichts sagen , alles Andere wär ' arm und klein erschienen in so feierlicher Stunde . Und sie mußt ' es ja auch , zum Donnerwetter ! fühlen , daß ich mein Leben für sie gelassen hätte . So meinete ich . Und nun kam wieder Ruhe über mich ; ich wußt ' ja , sie war mein . Und so trieb es mich tagelang im Forst umher , immer mit dem einen wunderseligen Gedanken , daß ich nur ein Viertelstündlein des Weges brauchte , um in ihre räthselvollen Augen zu schauen . Und sie saß daheim am Bette ihres siechen Vaters , und wenn ich eintrat in das dunkel verhängete Gemach , dann leuchteten ihre Augen , und zwo feine , weiße Händlein streckten sich mir entgegen . Vorbei ! Alter Freud , vorbei ! Ich habe niemalen Anlage gehabt für sentiments , wie es just die Mode wollte ; es lag nicht in mir ; das Leben in Gottes freier , gesunder Natur ließ auch Solches nicht aufkommen ; schnurgrade wuchsen meine Gedanken aus dem Herzen wie die weißleuchtenden Stämme unserer heimatlichen Buchenwälder , und so klar , wie die köstliche Bergluft , sagte ich , was ich wollte , ohne Deuteln und Drehen . Freilich , die Luft hier herum weht manch ' Einem scharf in ' s Gesicht , aber ich merkte es nicht , ich war sie gewöhnt ; mir