was an ihr hängen geblieben von der Glut der Abendsonne . Es war kein Zweifel , heute mußte sich etwas ereignen ! Die Stunde bis zwölf Uhr , wo die Schloßfeste , dem hohen Alter der Herzogin zulieb , ihren Schluß fanden , verging , Tante Emilie , die ein klein wenig eingenickt war in der Sofaecke , hörte die Hausthür aufschließen wischte den Schlaf aus den Augenn und sah den Eintretenden entgegen , ihre Blicke suchten natürlich Aenne . Ein blasses müdes Antlitz blickte an ihr vorüber . „ Engelchen , bist du krank ? “ rief sie . „ Nein , nur müde , “ war die tonlose Antwort . Dann ein flüchtiges Kopfnicken zur Tante hinüber , ein ebenso tonloses „ Gute Nacht ! “ und sie war verschwunden . „ Was ist ' s denn mit der Aenne ? “ fragte die Erschreckte die Eltern . „ Sie hat sich vielleicht beim Singen zu sehr angegriffen , “ meinte der Herr Rat und gähnte . „ Gott bewahre ! Als ob sie das spürte ! Nein sie hat vielleicht zu viel getanzt ! “ „ Ach , du liebe Zeit , “ sagte die kleine dicken Rätin , „ einmal mit Günther , dem Oberförster , die Polonaise , und eine Extratour mit Kerkow , sonst habe ich sie nicht gesehen . Es wimmelte so von Damen , und die paar Herren hatten genug zu thun , die Komtessen herum zu schwenken , die vollzählig angelangt waren . “ „ Aber Kerkow konnte doch – “ ereiferte sich die Tante , „ der konnte doch öfter mit ihr tanzen , wo er jede Woche ein paarmal hier an unserm Tische sitzt ! “ „ Ei , der hatte genug mit der Ribbeneck zu thun , . “ lachte gutmütig die Frau Rätin , der es endlich gelungen war , sich aus ihren Mänteln und Tüchern herauszuschälen , und die jetzt ihrem Gatten half . „ Aber nun wollen wir schlafen , gelt , May . Wer weiß , ob die Herzogin dich nicht noch herausklingeln läßt ! Daß du nicht vergißt , die fünfundsiebzig Pfennige , die du im Whist gewonnen hast , in die Sparbüchse zu thun - Aenne braucht notwendig um Weihnacht ein neues Gesellschaftskleid . “ Der Rat nickte . Ihm war von dem langen Stehen an der Saalwand während des Konzertes , des Singsangs und Klaviergetrommels , wie er es nannte , schon ganz elend geworden . Die Hummermayonnaise sowie die Kaviarsemmeln des Büffetts hatten auch nicht gewartet , bis an ihn die Reihe kam , er hatte mit ein wenig kaltem Rehbraten und Heringssalat vorlieb nehmen müssen . Letzterer aber war nicht nach seinem Geschmack gewesen , den konnte nur Eine genießbar zubereiten und das war seine Frau . Dann , wie ärgerlich , das Whist mit dem Oberamtmann , dem Hofprediger und dem Oberförster ! Die Herren wollten partout den Point zu einem Groschen spielen , er setzte es aber durch , daß er nur einen Pfennig galt . Er verlor sonst immer , und nun heute gewann er ! Das hätte sieben Mark und fünfzig Pfennig betragen - na , es war nicht mehr zu ändern ! Mit einem halb gähnenden „ Gute Nacht “ zur Schwester zog er ab in Begleitung seiner Frau . Tante Emilie blieb zurück , packte die Karten zusammen , schloß die Läden und schlich auf ihren Filzpantoffeln nach oben in ihr Stübchen , das im Giebel neben dem Aennes lag , nur durch eine kleine Tapetenthür getrennt , die aber auf Aennes Seite mit einem Kleiderschrank versetzt [ 023 ] war . Die alte Frau tastete sich hinüber zu diesem Thürchen und horchte , es war ihr auch , als hörte sie das Mädchen gehen . Sie rief also : „ Engelchen , Goldköpfchen , bist du noch wach ? Kann ich noch ' mal zu dir kommen ? “ Keine Antwort . Seufzend kleidete sie sich aus und suchte ihr Bett auf . Was konnte es nur sein ? Sollte sie sich zu Herzen genommen haben , daß der Kerkow nur einmal mit ihr getanzt hatte ? „ Lieber Gott , na ja , man ist so thöricht , wenn man jung und verliebt ist . Na , das ist wie Regenschauer im April - sie wird wohl schlafen , das Kind , und morgen ist ’ s wieder anders mit ihm ! “ Es mochte gegen drei Uhr sein , da erwachte die alte Frau . Es war ihr , als habe jemand gerufen , und als sie sich aufrichtete vom Lager , da hörte sie ein ganz unvernünftiges wildes Schluchzen , das kam von jenseit der Wand , wo Aennes Bett stand . „ Aenne ! “ rief sie und pochte mit den geballten Händen gegen die Wand , „ Goldherzchen , Kind , was fehlt dir ? “ Da ward es still , und wieder keine Antwort . Das war kein Aprilregen , das war der Sturm , der Blumen vernichtet und Bäume entwurzelt , das war die Todesstunde von Aenne Mays junger Liebe . – – – Und drüben im dritten Stockwerk des Schlosses ging nach Schluß der Soiree Heinz von Kerkow in seinen beiden Zimmern auf und ab . Weinen thut kein Mann um so etwas , aber weh war es ihm doch ums Herz , bitter weh ! Er konnte das bleiche Gesicht , die starren fragenden Augen nicht vergessen , mit denen sie ihn angeschaut ob seines unbegreiflichen Wesens . Während sie sang , hatte er sich in einem Nebenzimmer aufhalten wollen , aber wie von Ketten gehalten war er geblieben . Und wie hatte sie gesungen ! „ O , du purpurner Glanz der sinkenden Sonne – “ Diese Sehnsucht in der Stimme , diese Freude auf dem reizenden Gesicht ! Sie hatte ihn nicht angesehen dabei , keine Spur von Koketterie war in diesem Mädchen , aber er wußte ja , daß jedes