Zieten nicht mehr trennen konnte , wurde er auf kurz oder lang ein wirklicher Zieten . Er war nicht adlig , aber gelegentlich aristokratisch . Dies Aristokratische , wenn geglüht in leidenschaftlicher Erregung , konnte momentan zu wahrem Adel werden , aber solche Momente weist sein Leben in nur spärlicher Anzahl auf . Sein bestes war die Liebe und Verehrung , mit der er ein halbes Jahrhundert lang die Schleppe seines Vaters trug . In diesem Dienste verstieg sich sein Herz bis zum Poetischen in Gefühl und Ausdruck , wofür nur ein Beispiel hier sprechen mag . Auf dem mit Rasen überdeckten Kirchenplatz , etwa hundert Schritte vom Grabe Hans Joachims entfernt , erhebt sich ein hoher , zugespitzter Feldstein mit einer in den Stein eingelegten Eisenplatte . Und auf eben dieser Eisenplatte stehen in Goldbuchstaben folgende Worte : Im Jahre 1851 den 23. April stand an dieser Stelle das Blüchersche Husaren-Regiment , um den hier in Gott ruhenden Helden , den berühmten General der Cavallerie und Ahnherrn aller Husaren , Hans Joachim von Zieten , in Anerkennung seiner hohen Verdienste durch eine feierliche Parade zu ehren . Ruhe und Friede seiner Asche ! Preis und Ehre seinem Namen ! Er war und bleibt der Preußen Stolz . » Ahnherr aller Husaren « – ein Poet hätte es nicht besser machen können . Karwe I Karwe I » Vivat et crescat gens Knesebeckiana in aeternum . « Karl Friedrich von dem Knesebeck Unser Weg führt uns heute nach Karwe . Es liegt am Ostufer des Ruppiner Sees , und ein Wustrauer Fischer fährt uns in einer halben Stunde hinüber . Ein besonderer Schmuck des Sees an dieser Stelle ist sein dichter Schilfgürtel , der namentlich in Front des Karwer Parkes wie ein Wasserwald sich hinzieht und wohl mehrfach eine Breite von hundert Fuß und darüber haben mag . An dieses Schilfufer knüpft sich eine Geschichte , die uns am besten in das starke und frische Leben einführt , das hier ein halb Jahrhundert lang zu Hause war , und von dem ich Gelegenheit haben werde , manchen hübschen Zug zu erzählen . Es war im Jahre 1785 . Der Sohn des alten Zieten auf Wustrau war Kornett im Leibhusarenregiment seines Vaters und der Sohn des alten Knesebeck auf Karwe war Junker im Infanterieregiment von Kalkstein , das damals in Magdeburg stand . Der Zufall wollte , daß beide zu gleicher Zeit Urlaub nahmen und auf Besuch nach Haus kamen . Die beiden Nachbarfamilien lebten auf dem besten Fuß miteinander und auch die jungen Leute unterhielten einen freundschaftlichen Verkehr . Man sah sich oft und machte gemeinschaftliche Partien . Es war im August , See und Himmel blauten , und der Schilfwald , der sich im Wasser spiegelte , stieg wie eine grüne Mauer aus dem Grunde des Sees auf . An solchem Tage begegneten sich Junker und Kornett am Ufer , plauderten hin und her von der Strenge des Dienstes und von der Lust des Krieges , und kamen endlich überein , in Ermangelung wirklichen Kampfes , zwischen Karwe und Wustrau eine Seeschlacht aufzuführen . Man machte auch gleich den Plan . Die Knesebeckschen sollten von Karwe her heftig angreifen und die Zietenschen bis nach Wustrau hin zurückdrängen , dann aber sollten diese sich rekolligieren und die Knesebeckschen in ihren Schilfwald zurückwerfen . So war es beschlossen . Man schied mit herzlichem Händeschütteln und freute sich auf den andern Tag . Die Eltern nahmen Anteil und beide Dörfer gerieten in Aufregung . Nach Ruppin hin ergingen Einladungen an befreundete Offiziere , Pulver wurde beschafft , und während Kornett und Junker ihre Dispositionen trafen , verwandelten sich die Herrenhäuser von Karwe und Wustrau in Kriegslaboratorien , darin allerhand Feuerwerk , Schwärmer , Raketen und Feuerräder in möglichster Eile hergestellt wurden . So kam der ersehnte Abend . Mit dem Glockenschlage neun liefen beide Flotten aus , jede sechs Kähne stark , das Admiralsboot vorauf . Als man aneinander war , begann die Schwärmerkanonade , vom Ufer her scholl der Jubel einer dichtgedrängten Menschenmenge , und als ein pot à feu seine Leuchtkugeln in die Luft warf , zogen sich verabredetermaßen die Zietenschen nach Wustrau hin zurück . Aber nur auf kurze Distanz . Eh ' sie noch in die Nähe des Hafens gekommen waren , wandten sie sich wieder und drei große Raketen fast horizontal über das Wasser hinschießend , gingen sie jetzt ihrerseits mit verdoppeltem Ruderschlag zur Attacke über . Die Karweschen hielten einen Augenblick Stand , aber nicht lange , dann begann ihre Retraite . Die Wustrauschen setzten nach und waren eben auf dem Punkt , die Fliehenden bis in das dichte Schilf hinein zu verfolgen , als ein lautes , staunendes Ah , das vom Ufer her herüberklang , die Verfolgenden stutzen ließ und ihre Blicke nach rückwärts lenkte . Die Sieger waren gefangen . Im Karweschen Schilf hatte sich eine Flotille versteckt gehalten , die der Junker vom Regimente von Kalkstein als Mietstruppe für diesen Tag angeworben und von seinem Taschengelde bezahlt hatte . Es waren Fischerboote von Alt-Friesack her , vierundzwanzig an der Zahl , jedes mit einer Laterne hoch am Mast . In langer Linie kamen sie aus dem Schilf hervor und legten sich quer vor . Das Laternenlicht war hell genug , die Fischergestalten zu zeigen , wie sie da standen mit vorgehaltenem Ruder , bereit , jeden Fluchtversuch zu vereiteln . Die Wustrauschen machten gute Miene zum bösen Spiel und sprangen lachend ans Ufer . Nie wurden Gefangene schmeichelhafter begrüßt . Als sie in den Karweschen Park traten , sahen sie dicht vor dem Herrenhause eine Ehrenpforte errichtet , an deren Spitze das von Lichtern umgebene Bild des alten Zieten leuchtete , darunter die Unterschrift : Voilà notre modèle . Am andern Tage erhielt der Junker von dem Knesebeck eine Einladung nach Wustrau . Der alte sechsundachtzigjährige Zieten , der gemeinhin einen grauleinenen Kittel trug , saß heute in voller Uniform auf seinem Lehnstuhle und rief den eintretenden Junker zu sich heran :