sich schon gerunzelt hatte , glättete sich wieder , und er sagte ruhig und in beinahe freundlichem Tone : » Und wenn sie ' s vergessen hat , desto besser . Wir wollen es auch vergessen ... Und das vergiß nicht ! « 3. Kapitel . Hilde hat einen Willen Drittes Kapitel Hilde hat einen Willen Hilde lebte sich ein , und es waren glückliche , helle Tage , so hell wie der Schnee , der draußen lag . Alle Morgen mußte Martin in die Schule , zweimal auch zu Sörgel , aber wenn er dann eine Stunde vor Essen wiederkam und seine Mappe mit der Schiefertafel in das Brotschapp gestellt hatte , so ging es mit der ihn schon erwartenden Hilde rasch in die Winterfreude hinaus , die jeden Tag eine andere wurde . Die größte aber war , als sie sich auf dem Hofe eine Schneehütte gebaut und die Höhle darin mit Stroh und Heu ausgepolstert hatten . Da saßen sie halbe Stunden lang , sprachen kein Wort und hielten sich nur bei den Händen . Und Martin sagte , sie seien verzaubert und säßen in ihrem Schloß und der Riese draußen ließe niemand ein . Dieser Riese aber war ein Schneemann , dem Joost eine Perücke von Hobelspänen aufgesetzt und anfänglich ein Schwert in die Hand gegeben hatte , bis einige Tage später aus dem Schwert ein Besen und mit Hülfe dieses Tausches aus dem Riesen selbst ein Knecht Ruprecht geworden war . Das war um die Mitte Dezember . Als aber bald danach die letzte Woche vor dem Fest anbrach , da fingen auch die Heimlichkeiten an , und Martin war stundenlang fort , ohne daß Hilde gewußt hätte , wo . Und wenn sie dann fragte , so hörte sie nur , er sei bei Sörgel oder bei Melcher Harms oder bei dem alten Drechsler Eickmeier , der in der Weihnachtszeit außer seinen Pfeifen und seinem Schwamm auch noch Bilderbogen verkaufte . Mehr aber konnte niemand sagen , und erst am Heiligabende selbst mußte der Geheimnisvolltuende von seinem Geheimnis lassen , um sich ebenso der Zustimmung des Vaters wie der Hülfe Grissels zu versichern . Und diese letztere half denn auch wirklich und freute sich , daß es etwas Schönes werden würde , worüber ihr keinen Augenblick ein Zweifel kam . Und als es nun dunkelte und drüben von der Kirche her die kleine Glocke zu läuten anfing , da war alles fertig , und der Heidereiter selbst führte Hilden in seine Stube , drin unter dem Christbaum neben anderen Geschenken auch die ganze Stadt Bethlehem mit all ihren Hirten und Engeln aufgebaut worden war . Alles leuchtete hell , weil hinter dem geölten Papier eine ganze Zahl kleiner Lichter brannte ; am hellsten aber leuchtete der Stern , der über dem Kripplein und dem Jesuskinde stand . Hilde konnte sich nicht satt sehen daran , und als endlich der Lichterglanz in der Stadt Bethlehem erloschen war , trat sie vor den Heidereiter hin , um ihm für alles , was ihr der heilige Christ beschert hatte , zu danken . » Und nun sage mir « , sagte dieser , » was hat dir am besten gefallen ? « Sie wies auf die Stadt . » Dacht ich ' s doch ! « lachte Baltzer Bocholt , » die Stadt ! Aber die Stadt ist nicht von mir , Hilde , die hat dir der Martin aufgebaut und hat seine Sparbüchse geplündert . Und der alte Melcher Harms hat ihm geholfen , und alles , was in Holz geschnitzt ist und auf vier Beinen steht , das ist von ihm . Ja , das versteht er . Aber der Martin hat doch das Beste getan , und wenn du wem danken willst , so weißt du jetzt , wohin damit . « Und dabei wies er auf Martin , der scheu neben dem Ofen stand . Hilden selbst aber war alle Scheu geschwunden , und sie lief auf Martin zu und gab ihm einen herzhaften Kuß , so herzhaft , daß der alte Heidereiter ins Lachen kam und immer wiederholte : » Das ist recht , Hilde , das ist recht . Ihr sollt euch liebhaben , so recht von Herzen und wie Bruder und Schwester . Ja , so will ich ' s , das hab ich gern . « Und danach ging es zu Tisch , und alle ließen sich den Weihnachtskarpfen schmecken und waren guter Dinge , nur Hilde nicht , die noch immer in fieberhafter Erregung nach dem dunkelgewordenen Bethlehem hinübersah und endlich froh war , als sie gute Nacht sagen und in die Giebelstube hinaufsteigen konnte . Hier stellte sie , was ihr unten beschert worden war , auf das oberste Brett ihres Schrankes und sagte zu Grissel , während sie den Binsenstuhl an das Bett derselben heranrückte : » Nun erzähle . « » Wovon , Kind ? « » Von der Jungfrau Maria . « » Und von dem Jesuskindlein ? « » Ja . Von dem Kindlein auch . Aber am liebsten von der Jungfrau Maria . War es seine Mutter ? « » Ach , du Herr des Himmels ! « entsetzte sich Grissel . » Hast du denn nie gelernt : › Geboren von der Jungfrau Maria ‹ ? Kind , Kind ! Ach , und deine Mutter , die Muthe , hat sie dir denn nie das zweite Stück vorgesagt ? Wie ? Sage ! « » Sie hat mir immer nur ein Lied vorgesagt . « » Und wovon ? « » Von einem jungen Grafen . « » Und nichts von Gott und Christus ? Und weißt auch nicht , was Weihnachten ist ? Und bist am Ende gar nicht getauft ? Und da läßt der Pastor dich umherlaufen , sagt nichts und fragt nichts , und der Böse geht um , und ist keiner , der ihm widerstände , der nicht den Glauben hat an Jesum Christum , unseren Herrn